Schmerzen bei jedem Tor, doch Vonn biss sich durch
Wie es sich anfühlt, mit einer Schiene an der Hand ein Schirennen zu bestreiten, das hat Lindsey Vonn seit der WM im Februar gewusst. Kein Grund also für die Führende im Gesamtweltcup, den Slalom am Dienstag in Lienz auszulassen.

Foto © GEPALindsey Vonn
Mit großen Schmerzen im linken Handgelenk trat die US-Amerikanerin an, kämpfte sich zur Halbzeit auf den zwölften Platz und hoffte im Finale auf eine Rangverbesserung. Für danach plante sie einen Besuch bei Christian Fink in der Privatklinik Hochrum.
Fink hatte Vonn am 10. Februar 2009 am rechten Daumen operiert, nachdem sich diese beim Feiern der zweiten Goldmedaille bei den Weltmeisterschaften in Val d'Isere beim Öffnen einer Champagnerflasche die Beugesehne glatt durchtrennt hatte. Den Riesentorlauf hatte Vonn daraufhin ausgelassen, im Slalom war sie mit Schiene angetreten, aber als Halbzeitzweite im zweiten Durchgang ausgeschieden.
Ermüdungsbrüche
Im Riesentorlauf am Montag in Lienz hatte sich Vonn bei einem Sturz ein Hämatom im Handgelenk sowie Haarrisse, das sind kleine Stressfrakturen oder Ermüdungsbrüche, zugezogen. "Die Minifrakturen sind alle nur drinnen, außen ist es okay. Aber drinnen hab ich viel Stress bekommen", erzählte die 25-jährige nach dem ersten Slalom-Durchgang und lächelte tapfer, obwohl sie "sehr viele Schmerzen" hatte. Es sei schwierig gewesen, den Stock zu halten, und bei jedem Tor habe es "so weh" getan.
Vonns Physiotherapeut war am Montag nach Innsbruck gefahren und hatte Material für eine Schiene geholt, die ihr für das Rennen angepasst wurde. Obwohl sie sehr müde gewesen sei, brauchte sie einige Zeit, um einzuschlafen. "Es dauerte lang, bis ich im Kopf die Schmerzen ausschalten konnte." Um 7.30 Uhr stand sie am Dienstag zum Einfahren auf der Piste und entschied sich zu einem Start. "Das war nicht so einfach, aber ich habe gesagt, okay, das passt, ich mache es mit Medikamenten."
Dann habe sie gehofft, dass es im Rennen einfach gehe. "Aber leider ist es nicht einfach gegangen. Ich habe die Schmerzen nicht ausblenden können. Ich habe probiert, gut zu fahren, leider war es keine gute Fahrt. Kämpfen, das ist alles, was ich machen kann. Ich schaue, dass ich im zweiten ein bisschen schneller fahren kann. Locker und dabei nicht an die Hand denke."
Einen Starverzicht hatte Vonn allerdings nicht ernsthaft erwogen: "Das Problem sind ja nur die Schmerzen. Mir macht es Spaß, ich liebe es, Schi zu fahren." Dass ein neuerlicher Sturz die Sache noch verschlimmern könnte, daran denkt sie nicht. "Ich denke nicht, dass ich einen Unfall haben könnte, ich konzentriere mich nur auf das Schifahren."
Am Sonntag (3. Jänner 2010) steht mit dem Slalom in Zagreb das nächste Weltcuprennen für die Damen auf dem Programm, bis dahin sollte die Verletzung weitgehend ausgeheilt sein. Vonn wollte sich noch am Dienstag bei Fink einem Check unterziehen und eventuell eine neue Schiene anpassen lassen, um die Schmerzen noch besser in den Griff zu bekommen.
Sie werde ein paar Tage Pause machen. "Ich hoffe, dass ich in Zagreb wieder fahren kann. Ich muss auch schauen, dass ich eine gute Vorbereitung für Olympia habe. Aber wenn es so geht wie heute, werde ich wieder fahren", meinte Vonn, die nach dem WM-Champagner-Malheur mit Schiene die Saison zu Ende fuhr und die große Kristallkugel zum zweiten Mal in ihrer Karriere gewann.














