Vom Pechvogel zum strahlenden Zweiten
Mario Scheiber kehrte als Zweiter in der Grödener Abfahrt endlich wieder in die absolute Weltspitze zurück: "Ich war noch nie so glücklich!" Der Sieg ging an den Kanadier Osborne-Paradis.

Foto © GEPANach Platz vier im Super G reichte es für Mario Scheiber in der Abfahrt für einen Stockerl-Platz
Gesundheit. Mario Scheibers einziger Weihnachtswunsch mag für einen Sportler banal klingen, doch bei wenig anderen hat er solch eine Berechtigung. Andere mögen sich auch Glück wünschen. Das hat Scheiber nach schier unglaublich vielen Rückschlägen aber schon wieder gefunden. Er ist "so glücklich wie nie zuvor". Spätestens seit der Abfahrt von Gröden, die er auf dem zweiten Platz beendete. Der elfte Podestplatz seiner Karriere; nur ganz oben stand der Osttiroler auch diesmal nicht. Nichtsdestotrotz glänzt dieser zweite Platz nicht nur für ihn wie ein Sieg.
Seine Leidensgeschichte im Stakkato: Schienbeinkopfbruch und Innenbandeinriss, Kreuzbandriss, Knorpelschaden, Meniskusschaden, kaputte Schulter - 2008 saß er damals sogar kurz im Rollstuhl, weil Knie und Schulter gleichzeitig "bedient" waren. Dazu private Rückschläge wie eine gescheiterte Kurz-Ehe, der Krebserkrankung seines Bruders ("Gott sei Dank geht es ihm wieder gut") und die Ungewissheit, ob er sein großes Talent auf Schi jemals wieder ausspielen kann.
Zurück an der Spitze
Nach dem "Seuchenjahr 2008" startete der 26-Jährige heuer aber wieder durch, tastete sich im Training langsam wieder an die Spitze heran, schnupperte in Beaver Creek als Zehnter schon wieder an ihr, zeigte als Sechster in Val d'Isère auf und bewies in Gröden mit dem vierten Platz im Super-G und Rang zwei in der Abfahrt, dass er das Tal wohl überwunden hat - obwohl er im linken Knie schon wieder einen Knorpelschaden erlitten hat. "Aber den spür' ich beim Schifahren nicht, nur beim Stiegensteigen. Deshalb ist das kein Problem", sagt er.
Über die 13 Hundertstelsekunden, die ihn diesmal am Sieg hinderten und die er hinter dem Kanadier Manuel Osborne-Paradis landete, dachte er gar nicht nach. "Weil es auch so der vielleicht schönste Erfolg meiner Karriere ist. Auch wenn ich natürlich noch gewinnen will." Doch den größten Sieg hat er schon gefeiert. Über sich selbst. "Ich kann nur allen danken, die zu mir gestanden sind. Meiner Familie, den Trainern. Ich bin in der schweren Zeit gereift."
Endlich Glück für Kanada
Mit dem Abfahrtssieg von Osborne-Paradis hat auch Kanada endlich wieder einmal Grund zum Jubeln. Kein Tag verging in dieser Weltcup-Woche, in der nicht eine neue Meldung über einen verletzten Kanadier oder eine verletzte Kanadierin schockte: Larissa Yurkiw, Kelly Vanderbeek, Francois Bourque - schon zuvor hatte es etwa Abfahrts-Weltmeister John Kucera und Jean-Philippe Roy erwischt und sie alle müssen auf Olympia in Vancouver verzichten. "Es ist wirklich eine harte Zeit", sagt Osborne-Paradis, der diese Saison überraschend schon den Super-G in Lake Louise gewonnen hatte. "Wir kämpfen mit den Ausfällen - umso schöner ist es, dass ich mich hier über einen Sieg freuen darf."
Obwohl: Die wohl beste Fahrt des Tages zeigte Michael Walchhofer - er wurde aber wie alle Favoriten vom Wind entscheidend gebremst. "Schade, denn ich hatte das Gefühl, dass die Fahrt fast perfekt war", sagte Walchhofer, der ergänzte: "Bisher war ich nicht vom Glück verfolgt - aber ich hoffe, es kommt noch."
Features
Abfahrt in Gröden
1. Manuel Osborne-Paradis CAN
2. Mario Scheiber AUT
3. Ambrosi Hoffmann SUI
. Johan Clarey FRA
5. Michael Walchhofer AUT
6. Robbie Dixon CAN
7. Hans Olsson SWE
. Marco Büchel LIE
9. Bode Miller USA
10. Didier Cuche SUI
Fotoserie
Foto

Manuel Osborne-ParadisFoto © AP















