Damen-RTL als Weltcup-Ouvertüre und erstes Abtasten
Poutiainen und Zettl gelten als Favoritinnen für den Riesentorlauf in Sölden. Innerhalb der heimischen Mannschaft haben bei den Zeitläufen am Dienstag Zettel, Görgl, Hosp und Kirchgasser den stärksten Eindruck hinterlassen.

Foto © GEPAKathrin Zettel
Dass der Riesentorlauf die schwierigste Alpin-Disziplin ist, zeigt alleine die Tatsache, dass die derzeit beste Skirennläuferin der Welt, die US-Amerikanerin Lindsey Vonn, zwar 22 Weltcuprennen gewonnen hat, auf einen RTL-Erfolg aber nach wie vor wartet. Deshalb heißen die Favoritinnen für das Saison-Opening am Samstag auf dem Rettenbachferner ob Sölden (9.45/12.45 Uhr/live ORF 1) - geht man nach Verlauf und Ausgang des letzten Winters - auch Tanja Poutiainen aus Finnland und Kathrin Zettel aus Österreich. Allerdings ist der Auftakt zugleich das erste Abtasten, denn den meisten Nationen fehlt es an internationalen Vergleichen.
Die Niederösterreicherin Kathrin Zettel gewann gleich zwei der drei Testfahrten mit Zeitmessung. "Ich habe schon noch was gespürt im Knie, aber es sollte kein Problem sein", sagte die Gewinnerin von vier der acht Rennen im vergangenen Winter, die beim Saisonfinale in Aare allerdings jenes um die kleine Kristallkugel gegen Poutiainen um sieben Punkte verloren hatte. Seit Juli plagt Zettel, die Sölden-Siegerin von 2008 vor Poutiainen und Landsfrau Andrea Fischbacher, eine entzündete Patellasehne im linken Knie.
Optimismus und Orientierung
"In den letzten Zeitläufen haben die Damen einen sehr positiven Eindruck hinterlassen, wenn sie es so ins Rennen bringen, bin ich überzeugt, dass wir hier mehr Podestanwärterinnen haben denn je", ist ÖSV-Damen-Cheftrainer Herbert Mandl von der Frühform seiner Technikerinnen angetan. Der neue Riesentorlauf- und Slalomtrainer Günter Obkircher blickt ebenfalls optimistisch in den ersten Bewerb unter seiner Agenda. "Ich habe ein sehr gutes Gefühl, wir haben uns sehr gut und gewissenhaft vorbereitet, wir hatten qualitativ gute Trainingstage." Jedoch fehlte der Kontakt mit ausländischen Läuferinnen, es ergab sich kein gemeinsames Training. "Wir schauen jetzt, wo wir liegen, und auf dem werden wir dann aufbauen."
Görgl, die in der Speed-Gruppe um den ebenfalls neu installierten ehemaligen Herren-Coach Jürgen Kriechbaum arbeitet ("Ich fahre einen eher männlichen Stil, das passt also gut"), war im Frühling zwei Wochen in Tärnaby in Schweden und testete mit ihrer Head-Partnerin Anja Pärson das Material. Sie fühlt sich gut in Form, die Zeitläufe gaben ihr die Bestätigung. Obkircher sieht es ebenso: "In den Trainings, die ich gesehen habe, und in den Zeitläufen hinterließ sie einen sehr starken Eindruck." Ein sehr gutes Gefühl hat er auch Hosp betreffend: "Ich glaube, sie ist weiter als in den vergangenen Jahren zu dieser Zeit. Normalerweise ist sie in Trainings und Zeitläufen hinten, heuer hat sie sich vorne etabliert."
Die Konkurrenz
Podestplatzanwärterinnen in Sölden neben den Österreicherinnen und Poutiainen sind auch die Slowenin Tina Maze (Gewinnerin von zwei Riesentorläufen im vergangenen Winter) und die Südtirolerin Manuela Mölgg. Während Maze mit den Schweizerinnen in Neuseeland war, weilte Mölgg zum Sommer-Schneetraining in Argentinien. Welche Rolle Weltmeisterin Kathrin Hölzl spielen wird, bleibt abzuwarten. "Es hat vielen nicht gepasst, dass eine Weltmeisterin geworden ist, die vorher noch kein Rennen gewonnen hat", meinte die Deutsche, die jetzt natürlich beweisen möchte, dass sie tatsächlich zu den Besten zählt.
Gespannt darf man sein, ob die ersten Zwei des vergangenen Winters im Gesamtweltcup, Vonn und die Deutsche Maria Riesch, auch ihre Riesentorlauf-Performance verbessert haben. "Mein Ziel ist, in dieser Saison in dieser Disziplin einmal auf das Stockerl zu kommen", erklärte Vonn. Und Riesch gestand, dass sie "noch nicht so ein super Gefühl" habe und "noch nicht hundertprozentig bereit" für Sölden sei, sich aber "reinhängen" werde.
Schild fehlt
Die prominentesten Abwesenden beim Gletscher-Spektakel sind die Salzburgerin Marlies Schild, die stattdessen mit ihrer Therapeutin Urlaub macht und auf das Comeback im Levi-Slalom hinarbeitet, sowie die Schweizerin Lara Gut. Der Jungstar hatte sich eine Hüftluxation zugezogen, wurde operiert und fehlt mindestens bis Mitte Jänner. Beim Start in den Olympiawinter wieder mit dabei ist die US-Amerikanerin Resi Stiegler, die ihr zweites Rennen seit Dezember 2007 bestreiten wird.
ÖSV-Damenteam für Sölden (10): Kathrin Zettel, Elisabeth Görgl, Nicole Hosp, Andrea Fischbacher, Michaela Kirchgasser, Stefanie Köhle, Eva Maria Brehm, Karin Hackl (Fixplatz über Europacup), Regina Mader, Anna Fenninger














