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Zuletzt aktualisiert: 13.10.2009 um 20:27 UhrKommentare

Kometenhafter Aufstieg - Der Unfall

Niki Lauda, selbst ein Großer des österreichischen Sports, hat das Talent, Dinge auf den Punkt zu bringen.

Hermann Maier

Foto © APAHermann Maier

Zum Rücktritt von Hermann Maier sagte er: "Normal gewinnen kann jeder." "Normal gewinnen" sucht man in der Biographie Hermann Maiers aber vergeblich - weil Normalität grundsätzlich nicht das Attribut war, das Maier ausmacht(e).

Selbst wenn man seine Geschichte mit "Es war einmal. . ." beginnen und ins Märchenland transferieren würde - es wäre nach wie vor gut erfunden. Vom Buben, hyperaktiv, wie er sich selbst beschreibt, der zu klein für die Schikarriere war und deshalb vom System entfernt wurde. Vom Maurerlehrling, der - nach überstandenen Wachstumsproblemen - zum Pongauer Kraftlackl mutiert und neben dem Ziegelschupfen seinen Traum nie aus den Augen verliert. Der vor und nach getaner Arbeit trainiert und feilt, auf Schipisten an seiner Technik wie mit Gewichten an seiner Fitness. Er fuhr auf eigene Faust zu Rennen, deklassierte die Arrivierten bei Salzburger Landesmeisterschaften, "erfuhr" sich einen Startplatz als Vorläufer bei einem Weltcuprennen in seiner Heimat Flachau. Die zwölftbeste Zeit erzielte er dort laut inoffiziellen Stoppungen. Kurz darauf durfte er, im selbst gekauften Anzug mit Spinnwebenmuster auch im Europacup jenen überlegen, die vom Verband umsorgt und verhätschelt wurden, mit eigener Startnummer im Weltcup starten. Im Rennanzug des österreichischen Schi-Verbandes.

Kometenhafter Aufstieg

Es dauerte nicht lange und Hermann Maier war dort, wo er sich lange Zeit nur hingeträumt hatte: An der Spitze. Der Einzelgänger, einst aussortiert, belehrte das System eines Besseren. Mit neuen Trainingsmethoden, Fleiß, Einsatz und dem unbedingten Willen, es allen zu zeigen, zu siegen. Nie aufzugeben, immer aufzustehen. Bis zu den Olympischen Spielen 1998 in Nagano, als er in der Herren-Abfahrt abhob, flog, aufschlug. Hart. Jeder andere wäre wahrscheinlich liegen geblieben. Hermann Maier gewann drei Tage später Olympia-Gold im Super-G, kurz darauf Gold im Riesentorlauf - und sprengte damit auch das sonst eher eng angesiedelte Potenzial an Bekanntheit außerhalb des alpinen Lebensbereichs. Sogar die USA wurde auf den Maurer - "the former bricklayer", wie es gebetsmühlenartig hieß - aufmerksam, sogar Hollywood zeigte Interesse. Und Maier, ausgestattet mit einer gesunden Portion Schilehrer-Schmäh, erklärte: "Nach so einem Sturz - da hab' ich mir gedacht, also wenn ich jetzt Gold gewinne, dann bin ich unsterblich."

Zumindest schien er unschlagbar auf den Schipisten. Er wurde als erster Österreicher, 28 Jahre nach Karl Schranz, Gesamtweltcupsieger, er fuhr von Sieg zu Sieg, fast wie eine Maschine. Er deklassierte die Konkurrenz, er zelebrierte seine Überlegenheit. Er polarisierte, machte sich innerhalb der Mannschaft als Einzelgänger wenig Freunde, außerhalb der Mannschaft zahlreiche Fans und Gegner. Er ließ keinen kalt, er trat in Fettnäpfchen, er schlug über die Stränge, er unterhielt - und hielt sich wohl selbst zwischendurch für unsterblich. Doch das Schicksal führte ihm vor Augen, dass auch der "Herminator" - und als solcher machte er Furore - eben doch Mensch ist.

Der Unfall

Am 24. August 2001, vielleicht am Höhepunkt seiner sportlichen Karriere, verlor er bei einem Motorrad-Unfall fast sein rechtes Bein. Wieder schien ein Comeback, noch dazu ein erfolgreiches, unmöglich. Und doch schaffte es Hermann Maier abermals: Just in Kitzbühel feierte er, nur 13 Tage nach seinem Comeback, einen Sieg. Statt fast animalisch Muskeln spielen zu lassen, rann Hermann Maier an diesem Tag in dichtem Schneetreiben die eine oder andere Träne über die Wange. Szenen, die sich bei den folgenden Erfolgen - und deren kamen einige - wiederholten.

Hermann Maier wollte nicht mehr der "Herminator" sein. Er bestand darauf, Mensch zu sein, mehr, als viele glauben wollten. Er wurde demütiger, geduldiger, umgänglicher - manche meinten, einfach sympathischer. Er behielt seinen Wortwitz, streute hin und wieder aber fast philosophisches in seine Antworten. Und: Als wieder alle meinten, seine Zeit sei gelaufen, feierte er in seiner letzten Saison seinen offiziell 54. Weltcup-Sieg. Man darf gespannt sein, was nun noch folgt.

MICHAEL SCHUEN

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