Von Australia nach Austria
80 Prozent aller 2500 Teilnehmer des Dolomitenlaufs reisen aus dem Ausland an. Und einige haben einen ganz besonders weiten Weg.

Foto © Traussnig
Aus allen Richtungen stapfen die Teilnehmer und Teilnehmerinnen flotten Schrittes in Richtung Startgelände. Doch wer, dem Startschuss entgegenfiebernd, nicht gerade neben einem Landsmann zu stehen kommt, muss auch dieses Jahr in Obertilliach kreativ sein und sämtliche Sprachenkenntnisse auspacken. Zwei, drei Versuche braucht's schon, sich seinen Mitstreitern mitzuteilen. Schließlich warten Läufer aus 28 verschiedenen Nationen auf das Startsignal, das aus Gewehrläufen lodenumhüllter Gamsbartträger kracht. Zumindest in Landestracht gehüllt ist die Nationalitätenfrage rasch geklärt. Beim Gros der Läufer ist schon etwas detektivisches Gespür vonnöten. Hie und da leistet zumindest ein Textilaufnäher mit der Landesflagge wertvolle Hilfe.
80 Prozent aller Dolomitenlauf-Teilnehmer kommen aus dem Ausland. Während die nordische Hauptfraktion der Schweden, Finnen und Norweger keine allzu große Überraschung sind, runzelt's einem bei genauerem Studium der Startliste geradezu die Stirn. Japaner? Okay, aus dem winterlichen Sapporo. Also noch verständlich. Spanier? Mit viel Fantasie vielleicht erklärbar. Spätestens bei einem Teilnehmer von den holländischen Antillen kommt man doch schwer ins Grübeln. Was soll's, auch karibische Holländer können durchaus atypische Hobbys haben. Anfangs unerklärlich scheint allerdings das kleine Grüppchen Australier zu sein. Glaubt man zuerst noch an einen Druckfehler, wird spätestens an der Startnummernausgabe für Aufklärung gesorgt. "Nein, kein Fehler. Die starten wirklich."
Dolomitenlauf auf Australisch
2:05:35,37 Stunden dauert es, bis der erste "Aussie", der eigentlich eine Frau ist, die Ziellinie überquert. Maree Early heißt die Dame aus Down Under. Aus Melbourne sei sie, erklärt die 35-Jährige, der immer größer werdenden Verwunderung zum Trotz. Und auch wenn der fünfte Kontinent gemeinhin für Kängurus, Koalas, Aborigenes und Wüste bekannt ist, gebe es dort ein Schigebiet: Falls Creek, quasi die Geburtsstätte des australischen Wintersports.
Und dort, nun nimmt das Staunen endgültig abnorme Ausmaße an, findet auch alljährlich der Kangaroo Hoppet", ein Dolomitenlauf auf Australisch, statt. Es ist der erste Fixpunkt im jährlichen Worldloppet-Kalender.
Zwei bis drei Läufe bestreitet Early jedes Jahr. In Lienz war sie 2009 bereits einmal am Start. "Wenn du diese Gegend hier kennst, kommst du immer wieder. Es ist wunderschön!, streut die Mutter einer Tochter Blumen. Seit Kurzem ist sie bei einem Öl- und Gaskonzern in London engagiert. Ein Glück! So bleiben ihr in Zukunft zumindest 13.000 Kilometer Luftlinie bei der Anreise erspart.














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