Biathlon-WM: Die Bilanz des Chefs
Gold und Silber durch Dominik Landertinger und Christoph Sumann im Massenstart, Silber in der Staffel. Hinter Österreich liegt die erfolgreichste Biathlon-WM seiner Geschichte. Dennoch glaubt ÖSV-Direktor Markus Gandler sein Team noch nicht am Höhepunkt.

Foto © GEPAMarkus Gandler ist zufrieden mit seinen Jungs
Denken Sie drei Tage zurück. Was geht Ihnen durch den Kopf,
wenn Sie das vergangene Wochenende Revue passieren lassen?
Markus Gandler: "Es ist unglaublich, was die Burschen da geleistet haben.
Das sind so wilde Hunde. Wir hätten hier auch ohne eine einzige
Medaille wegfahren können. Das kann im Biathlon sehr schnell gehen.
Dann machen wir drei in zwei Tagen. Das ist ein Wahnsinn. Besser und
schöner geht es einfach nicht."
Dabei ist es zu Beginn der WM ganz und gar nicht für Ihr Team
gelaufen.
Gandler: "Das stimmt. Wir sind nicht mit den Bedingungen zurecht
gekommen und waren auch nicht vom Glück verfolgt. Einiges ist
zusammengekommen. Die ersten Bewerbe sind zudem nicht wirklich unsere
gewesen. Aber dadurch hat sich niemand aus der Ruhe bringen lassen.
Wir haben eine Medaille erwartet. Dann holen wir Gold und zweimal
Silber - das sind alles Superlative."
Die Weltcup-Saison ist noch lange nicht zu Ende. Wie soll es
nach so einer WM weitergehen?
Gandler: "In dieser Mannschaft steckt noch enorm viel Potenzial. Wir
haben ein komplettes Team mit vielen Spitzenleuten, nicht nur die
vier, die die Staffel gelaufen sind. Kompliment an die Trainer -
Alfred Eder, Reinhard Gösweiner, Walter Gapp. Was sie in so kurzer
Zeit aufgebaut haben, das habe ich in diesem Ausmaß nicht für möglich
gehalten. Neben dem Staffel-Weltcup haben wir jetzt auch Chancen,
dass Christoph Sumann den Massenstart-Weltcup gewinnt. Das sind
unsere nächsten Ziele."
Um Olympia 2010 müssen Ihre Athleten allerdings bangen, weil
einige Betreuer nach Turin 2006 nicht mehr für akkreditierungswürdig
befunden werden. Sind die jüngsten Erfolge ein weiteres Argument beim
ÖOC, die Sperren zu überdenken?
Gandler: "Das weiß ich nicht. Das ist auf einer Ebene, wo ich mich
ein Jahr vorher nicht darum kümmern will. Man sieht, dass bei uns
sauber und gut gearbeitet wird - und auch sehr erfolgreich. Man
sollte die Fakten auf den Tisch legen. Viele sind unschuldig.
Irgendwann einmal wollen wir Vergangenes hinter uns lassen und
positiv in die Zukunft blicken."
Wie geht das Team mit dieser Ungewissheit um? Haben Sie diese
Erbschuld überwunden?
Gandler: "Derzeit machen sie sich noch keine Sorgen. Sie haben
gerade drei Medaillen gemacht in einem Sport wie Biathlon, in dem die
Dichte so hoch ist. Wir wollen konsequent weiterarbeiten, damit wir
noch weiter kommen, damit dieser Höhenflug nächstes Jahr anhalten
kann - auch bei den Olympischen Spielen."
Biathlon begeistert gerade in Deutschland die Massen. Wo sehen
Sie den Sport im internationalen Vergleich?
Gandler: "Jede Nation hat ihre Traditionssportart. Im Winter ist das
in Deutschland ganz klar der Biathlon. Wenn wir konstant vorne dabei
sind, dann kann es aber auch in Österreich einen Boom geben. Es liegt
also an uns, weiter so erfolgreich zu sein. Die Leute sind immer zu
begeistern, wenn Erfolg da ist. Da ist die Sportart egal. Im Biathlon
ist die Leistungsdichte aber wahrscheinlich größer als in jeder
anderen Wintersportart."






