"Meissi" geht ohne Wehmut
Wenn am Donnerstag der Super G in Bormio der Vergangenheit angehört, dann ist auch die Karriere der Alexandra Meissnitzer zu Ende.

Foto © GEPAAlexandra Meissnitzer fährt ein letztes Mal den Berg hinunter
Den vergangenen Winter hat Alexandra Meissnitzer noch gebraucht, um mit ihrer Schikarriere abzuschließen. Aufgrund einer in der Aspen-Abfahrt Anfang Dezember erlittenen Knieverletzung blieben die großen Erfolge in ihrer letzten Saison aus, der Abschied
der Salzburgerin aus dem aktiven Rennsport mit dem Super-G am
Donnerstag in Bormio ist aber fix. "Ich gehe mit einem sehr, sehr
guten Gefühl. Ich habe es nochmals probiert, im Super-G war ich
zweimal Vierte, im Riesentorlauf habe ich es leider nicht mehr zeigen können", sagte die 34-Jährige.
"Golden Girl". Nach dem Rücktritt von Michaela Dorfmeister 2006 geht damit zwei Jahre später das zweite der drei "Golden Girls" des ÖSV in Schi-Pension - die Zukunft von Renate Götschl ist noch ungewiss. Dorfmeister trug bei ihrem letzten Weltcuprennen in Aare ein Shirt mit der Aufschrift "Thank you and good bye", Fritz Strobl hatte vor einem Jahr auf der Lenzerheide auf der Piste seine Gaudi im Mozart-Kostüm. Meissnitzer hat nichts dergleichen vor: "Ich habe kein 'Liadl' und ich wüsste nicht, als was ich mich verkleiden soll, außerdem war ich nie ein Showman. Ich will noch einmal ein gutes Rennen fahren." Der Blick zurück passiert ohne Wehmut. "Es geht mir überraschend gut und ich werde nicht weinen am Donnerstag." Lautet zumindest der Vorsatz, und wenn doch die Tränen kullern, wird das jeder verstehen.
Leidensweg. Meissnitzers sportlich stärkste Saison 1998/99, in der sie
Doppelweltmeisterin wurde und mit acht Saisonsiegen den Gesamtweltcup sowie die Super-G- und Riesentorlauf-Wertungen geholt hatte, haben ihre damalige Aufnahmefähigkeit fast überfordert: "Ich rede mich nicht auf das Alter aus, denn ich war schon Mitte 20. Aber das ganze Jahr war irgendwie wie ein Traum." Mit der Ausgeglichenheit von heutet hätte sie die Erfolge viel mehr genießen können. Mit dem Kreuzbandriss im Knie im November 1999 in Lake Louise begann ein langer Leidensweg. "Fünf Jahre Operationen und nur Theater", fasst Meissnitzer alles zusammen. "Die Erfolge danach sind für mich genau so viel wert, ich habe sie schätzen gelernt. Und auch wenn es blöd klingt, ich bin demütiger geworden."
Jetzt freut sich Meissnitzer auf das, was ihr das neue Leben bieten
wird. Sie wird es aktiv angehen. "Eine lange Auszeit nehme ich mir
nicht."
Features
Steckbrief
Alexandra Meissnitzer
Geboren am: 18. Juni 1973 in Abtenau
Wohnort: Abtenau/Salzburg
Größe: 1,65
Gewicht: 60 kg
Verein: Sport Union Abtenau
Familienstand: ledig
Schi: Völkl
Schuhe: Fischer
Beruf: Polizistin
Hobbys: Sport, Mode, Kino, Lesen
Größte Erfolge
Olympia:
Silber Riesentorlauf 1998 Nagano, Bronze Super G 1998 Nagano, Bronze Super G 2006 Turin/San Sicario
WM:
Gold Super G 1999 Vail, Gold Riesentorlauf 1999 Vail, Silber Abfahrt 2003 St. Moritz
Weltcup:
Gesamtsiegerin 1999, RTL-Weltcup-Siegerin 1999, Super-G-Weltcup-Siegerin 1999, 14 Weltcupsiege















