Hannes Reichelt - der Spezialist für Übersee
Hannes Reichelt war mit einem Sieg und einem zweiten Platz der große Gewinner der Olympia-Generalprobe. Nach harter Leidenszeit ist er endlich auf dem Weg zum Siegläufer.

Foto © GEPAHannes Reichelt
Hannes Reichelt war immer am Sprung. Schon als er 2002 in Gröden Zweiter im Super-G wurde, war ihm eine ganz große Karriere prophezeit worden. Dann brach die Schulter nach einem Trainingssturz. Auf dem Weg zurück dominierte er im Europacup, war beim Finale in großer Form - und zerstörte sich das rechte Knie nach einem 85-Meter-Satz ins Flache. Jetzt scheint Reichelt dort anzukommen, wo ihn viele schon lange sehen: an der Spitze.
Vorurteile. Dabei lebte er bisher mit dem Vorurteil, vor allem in Beaver Creek gerne zu gewinnen. So wie 2004, als er sein erstes Weltcup-Rennen gewann, nicht unbegünstigt vom Wind. Diesen November legte er nach, bei fairen Bedingungen. Und endlich gelang ihm der heiß ersehnte Sieg außerhalb des Nobel-Schiorts in Colorado. "Ich habe endlich bewiesen, dass ich nicht nur dort gewinnen kann", grinste der 27-Jährige nach Weltcup-Sieg Nummer drei. Wenngleich dieser auch in Übersee "passierte". "Dabei war der Schnee eher europäisch. Mir wird trotzdem nichts anderes übrig bleiben, als auch bei uns einmal zu gewinnen, damit nicht das nächste Vorurteil entsteht", erklärte er.
Erlösung.
Der Sieg war nicht nur für ihn eine Erlösung. Seine Trainingsgruppe WC III wird oft einmal als "zweite Garnitur" abgefertigt. "Sagen wir so, manchmal merken wir, dass eine andere Gruppe die Nummer eins ist", sagt der Radstädter dazu, "umso schöner ist es, dass wir hier solche Erfolge gefeiert haben. Natürlich auch für die Trainer."
Sieg oder Ackja. Dass es derzeit derartig gut läuft, erklärt Reichelt so: "Ich habe irgendwann gemerkt, dass es im Riesentorlauf nur noch ein Motto gibt: Sieg oder Ackja. Dem musste ich mich anpassen. Und im Moment habe ich auch die Sicherheit, das zu tun. Zudem habe ich mich jetzt perfekt aufs Material eingestellt." Obwohl er nach wie vor jenem Schi vertraute, mit dem er in Adelboden Anfang Jänner als Dritter erstmals aufs RTL-Podest gefahren war. "Das ist aber eine reine Kopfsache", sagt Reichelt, der ansonsten nicht abergläubisch ist. Bis auf ein einziges Ritual: "Vor dem Start bekomme ich eine Ladung Tiefschnee in den Nacken. Das hilft, aufzuwachen!"
Konstant schnell. Im Moment scheint er jedenfalls ziemlich wach zu sein - und will das auch bleiben: "Ich hatte im Europacup vor meiner Verletzung 15 Rennen in Serie auf dem Podest. Das sollte eigentlich beweisen, dass ich auch konstant schnell sein kann!" Wenn er eben verletzungsfrei bleibt, denn vor allem das gerissene Kreuzband im rechten Knie warf ihn doch enorm zurück. "Man sagt zwar, dass man danach stärker zurückkommt, aber man verliert trotzdem viele, viele Monate." Das will er sich in Zukunft mit Sicherheit ersparen.
















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