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Zuletzt aktualisiert: 12.02.2008 um 23:48 Uhr

Sturz in die Ewigkeit

Am 13. Februar 1998 flog Hermann Maier in Nagano statt zu Olympia-Gold brutal in den Schnee. Maier stand auf, holte danach zwei Mal Gold - und wurde zum Mythos.

Hermann Maier gibt weiter Gas

Foto © GEPAHermann Maier gibt weiter Gas

Das Bild des US-Fotografen ging um die Welt. Hermann Maier, der langsam begreift, dass er diesmal den Kampf gegen die Physik verliert, sich diesmal selbst überschätzt hat. Eine Hundertstelsekunde eines Sportlerlebens, die dank Carl Yarbrough für die Ewigkeit erhalten blieb. Schier endlos schien Maier auf den Tag genau vor zehn Jahren durch die Luft zu fliegen, ehe er hart auf dem Eis der olympischen Abfahrts-Piste in Nagano aufprallte, über zwei Zäune purzelte und im Tiefschnee liegen blieb.

Rekord

Maier hält mit 2.000 Punkten (1999/2000) den Punkterekord im Gesamt-Weltcup und mit 13 Erfolgen den Rekord für die meisten Siege in einer Saison

Mythos Maier. Es war Freitag, der 13. Ein Tag, der, wie sich später zeigte, zum Glückstag des gelernten Maurers werden sollte, ein Tag, der eine Marke schuf, die bis heute Bestand hat. Denn nur 72 Stunden später raste Maier trotz geschundenen Körpers zum ersten Mal zu Olympia-Gold im Super-G, abermals 72 Stunden später machte er sich zum Doppel-Olympiasieger. Und unsterblich. "Aber rein sportlich, nicht als Mensch", wie der heute 35-Jährige nun einschränkt. "Hermann Maier steht für ein Phänomen, das die Menschen in seinen Bann zieht. Er erfüllt das Märchenmotiv vom Ausgeschlossenen, der sich nicht unterkriegen lässt, der aufsteigt an die Spitze. Und er steht für absolute Leistung, sogar am Rande des Todes. Es fasziniert die Menschen, dass er bereit war, eventuell sogar sein Leben zu opfern. Dazu ist er ein Naturbusch, kräftig, mit nahezu archaischer Männlichkeit.

Foto

Foto © APA

Maiers Horrorsturz in NaganoFoto © APA

Glückhafte. Er verkörpert Vitalität und Kraft - auf eine andere Art und Weise, als etwa andere, nahezu hochgezüchtete Spitzensportler", erklärt Motivforscherin Helene Karmasin den Mythos, der sich rund um Hermann Maier gebildet hat. Mit dem Sturz-Foto, das all diese Eigenschaften perfekt verkörpert, als Gipfel. Der einen weiteren Aspekt eröffnet: Jenen des Glücks, des "Kairos", wie Karmasin erläutert: "Es ist das Glückhafte, wo alles zusammentrifft. Und dass dieses Bild geschossen worden ist, war sicher auch Glück. Planen kann man so etwas wie diese Geschichte ja wohl kaum." Dass der Freitag, der 13. da irgendwie dazu passt, ist klar. Obwohl Maier selbst weder abergläubisch ist noch an Glück als Geschenk glaubt. "Glück", sagt der, "ist etwas, wozu man seinen Beitrag leisten muss - oder kann."

Glaube an Zufälle. An Zufälle glaubt der Flachauer, der die Sport-Welt eroberte, schon eher. Und rund um den "Jahrhundert-Sturz" in Nagano ist eine Häufung von "Zufällen" augenscheinlich, nahezu schicksalshaft. Denn wäre alles nach Plan gelaufen, hätte Hermann Maier nie den sportlichen Olymp erklommen, wäre nie mit dem Beinamen "Herminator" versehen worden, der ihm heute zu maschinenhaft, zu wenig menschlich ist.


Hermann Maier

Geboren: 7.12.1972 in Altenmarkt/Pongau
Wohnort: Flachau/Salzburg
Größe/Gewicht: 1,81 m/86 kg
Verein: USC Flachau
Familienstand: ledig
Schi: Head

Hobbys: Motorrad, Fußball, Klettern, Schitouren

Fotoserie

Größte Erfolge

Olympia: Gold Super G und Riesentorlauf 1998 Nagano; Silber Super G 2006 Turin/Sestriere; Bronze Riesentorlauf 2006 Turin/Sestriere
WM: Gold Abfahrt und Super G 1999 Vail; Gold Riesentorlauf 2005 Bormio ; Silber Abfahrt 2001 St. Anton und Super G 2003 St. Moritz; Bronze Super G 2001 St. Anton
Weltcup: Vier Gesamt-Siege - 1997/98, 1999/00, 2000/01, 2003/04
Zehn Disziplinen-Siege;

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