Götschl ist eine Leseratte
In St. Moritz gab Renate zu, nicht in Überform zu sein und immer mit Buch zu reisen.

Foto © GEPARenate Götschl nach dem Training
Am 20. Dezember 2003 feierten Sie ihren bisher letzten Abfahrtssieg in St. Moritz. Am Samstag geht es im Engadin wieder um den Erfolg in der Königsdisziplin. Zählen Sie sich zu den Favoritinnen?
RenateGötschl: Ganz klar nein! Nach meinen Verletzungsproblemen im Sommer muss ich mit jedem Podiumsplatz zufrieden sein. Ich bin nicht in der Überform wie im Vorjahr, dazu ist die Dichte heuer so groß wie noch nie.
Sind Sie mit der Heilung Ihrer Knieverletzung zufrieden?
Götschl: Die Genesung ist schon sehr weit fortgeschritten, es geht mir wirklich gut. Das ist kein Zweckoptimismus. Dazu hatte ich vor den Rennen in St. Moritz wieder einige Tage Pause, konnte in Wagrain und Hinterreit wunderbar Super G trainieren.
Die Anreise von ihrem Heimatort Obdach bis in den Schweizer Nobelort dauert doch einige Stunden. Wie vertreiben Sie sich die Zeit im Auto?
Götschl: Wenn ich selbst fahre, was selten vorkommt, sitze ich so konzentriert am Steuer, dass ich sogar sehr wenig rede. Bin ich aber Beifahrerin bei meinem Servicemann oder Trainer, wird die Zeit zu Gesprächen genützt. Vor allem für solche, die nur für unsere Ohren bestimmt sind. Was ich aber immer dabei habe, ist ein Buch. Ich lese sehr viel während der Reisen.
Verraten Sie uns auch, was Sie lesen. Sind das Liebesromane, Krimis oder schwere Sachen?
Götschl: Das Buch, das mir vor der Abreise gerade in die Hände fällt, wird eingepackt. Meist ist es ein Krimi. Es kann aber auch vorkommen, dass ich eines von Paulo Coelho erwische, wie zum Beispiel "Der Alchimist". Für meine Persönlichkeit ist es manchmal ganz gut, wenn ich solche Dinge lese. Da kann viel für mich selbst heraus nehmen.
Zurück zum Sportlichen: Das gestrige erste Abfahrtstraining wurde auf verkürzter Strecke gefahren, richtig?
Götschl: Ja, weil es sehr warm und nebelig war. Statt wie geplant um 11 Uhr erfolgte der Start erst um 13.30 Uhr und dann nur vom Super-G-Start. Es ist schon sehr zäh, wenn du so lange herumstehen musst und dann nur eine Besichtigungsfahrt machen kannst.
Heißt das, man kann die Piste nicht mit jener vom Dezember vergleichen?
Götschl: Derzeit nicht. Während es vor sechs Wochen pickelhart und aggressiv war, ist es jetzt eher frühlingshaft. Dazu wurde ein neuer Sprung eingebaut.
Heißt die große Gejagte trotzdem Anja Pärson, die im Dezember sowohl Abfahrt wie auch Super G gewonnen hat?
Götschl: Sie ist in St. Moritz immer sehr gut gefahren - wenn es schönes Wetter gab. Doch die Vorhersage verheißt nichts Gutes: Samstag soll es Schnee und schlechte Sicht geben. Da werden die Karten völlig neu gemischt.


















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