Miller ist reif für die Streif
In Wengen schockte Bode Miller bei seinem Sieg wieder die Konkurrenz. Jetzt träumt der "neue" Miller auch von einem Sieg in Kitzbühel. Fit genug ist er, wie er im Interview betont. Und bereit ohnehin.

Foto © GEPABode Miller ist in Kitzbühel der große Gejagte
Als Sie nach Ihrem eindrucksvollen Sieg in Wengen im Ziel abgeschwungen haben, sahen Sie wirklich so aus, als hätten Sie die Fahrt genossen. War es wirklich so ein großer Spaß?
BODE MILLER: Ja, es war großartig. Ich bin aus dem Starthaus und dann so eng und direkt gefahren, wie ich nur konnte. Ich hab' es schon einmal gesagt: Im Slalom kann ich derzeit das Gas nur antippen. In der Abfahrt habe ich das Pedal von oben bis unten bis zum Anschlag durchgedrückt. Und das fühlt sich einfach fantastisch an.
Gäbe es einen Vergleich, damit ich mir das auch vorstellen kann?
MILLER: Das ist wie beim Auto fahren. Wenn man das könnte, überall mit Vollgas zu fahren, das wäre doch toll. Und ich bin in Wengen an jeder Stelle direkter gefahren als alle anderen.
Plötzlich sind Sie im Gesamtweltcup auch wieder knapp dran an Benjamin Raich. Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht?
MILLER: Es ist doch erst Jänner, da ist das nicht so wichtig. Im März kommt es darauf an, vorne zu sein. Aber ich habe ihn ja schon einmal gewonnen, also weiß ich, dass ich es kann. Wenn ich gut fahre, kann ich in allen vier Disziplinen gewinnen.
Aber es gibt doch fünf Disziplinen?
MILLER: Ah ja, die Super-Kombination.
Sie haben mit Bormio und Wengen schon zwei schwere Abfahrten gewonnen - aber Kitzbühel wartet noch. Für manche ist ein Streif-Sieg mehr Wert als ein WM-Titel, für Sie auch?
MILLER: Es ist sicher für jeden Fahrer ein tolles Rennen, wenn man es gewinnt. Die Streif hat den besten Namen, das größte Prestige. Natürlich sind Olympia und WM wichtig, aber für einen Weltcup-Fahrer ist jedes Rennen wichtig. Und wenn es in Kitzbühel wirklich hart ist von den Bedingungen und dann gewinne ich, dann wäre es vielleicht einer meiner größten Siege. Wenn es leicht ist und ich gewinne, obwohl ich schlecht gefahren bin, dann weniger.
Woran liegt es überhaupt, dass Ihre Form wieder so gut ist?
MILLER: Meine Ernährung ist sicher ein Teil. Ich kann jetzt, in meinem Team, meinem Körper das geben, was er braucht. Ich erhole mich besser, arbeite mit zwei Ärzten mit Massagen und Akupunktur - ich fühle mich jetzt nach Rennen frischer als früher davor. Und ich habe ein neues Trainingsgerät, mit dem ich Übungen langsam und mit viel Gewicht machen kann. Damit kann ich länger in der Hocke bleiben, ohne zu zittern zu beginnen.
Ihr Renn-Chef Rainer Salzgeber hat erzählt, dass Sie kaum Abfahrt trainieren - stimmt das?
MILLER: Ja. Das, was in Wengen ist, kann ich im Sommer in Portillo doch nie simulieren. Deshalb bin ich auch in Wengen alle drei Trainings gefahren - etwas Besseres gibt es doch nicht.
Was trainieren Sie dann?
MILLER: Slalom - da habe ich in den letzten drei Jahren unheimlich viel getan, sicher 100 Paar Schi getestet. Viele traurige Tage, viel Frust. Aber langsam geht es in die richtige Richtung.
Muss man schon in Kitzbühel damit rechnen, dass Sie im Slalom auch wieder gewinnen?
MILLER: Na, das könnte eng werden. Aber ich werde sicher noch Slaloms gewinnen, bevor ich meine Karriere beende.
Sie haben lange nicht mit Medien gesprochen. Warum jetzt?
MILLER: Weil sie mich sonst nicht im Helikopter geflogen hätten.
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