"Verlieren? Das kann ich jetzt super"
Einst zählten für Hermann Maier nur Siege. Das hat sich geändert, erklärt der 35-Jährige ebenso wie seine neuen Prioritäten und seine Verwunderung über die anhaltenden Rücktrittsgerüchte.

Foto © GEPAHermann Maier im Interview
Die Spekulationen über Ihren bevorstehenden Rücktritt reißen nicht ab. Ärgert Sie das?
HERMANN MAIER: Ärgern nicht, eher wundert es mich, dass diese Spekulationen aufgekommen sind. Ich habe den ganzen Sommer und Herbst wie von der Kanzel gepredigt, dass ich den Riesentorlauf nur mitnehme, wenn es passt. Das war jetzt so und schon sind Spekulationen da. Das verstehe ich nicht.
Will die Welt nicht begreifen, dass es für Sie auch ein Leben ohne Siege geben kann?
MAIER: Ich bin früher als Maschine hingestellt worden, dabei war ich hochsensibel. Jetzt bin ich auch nur ein Mensch aus 70 Prozent Wasser. Und man hat mir nachgesagt, dass ich nicht verlieren kann. Jetzt kann ich das super. Für viele ist das ungewöhnlich, aber man wird sich daran gewöhnen müssen. Dabei habe ich jetzt vielleicht sogar mehr Spaß am Schifahren als früher.
Aber früher wirkten Sie wie ein Getriebener des Erfolges.
MAIER: Ja, aber meine ganze Vergangenheit war etwas Besonderes. Wenn man alles erreicht hat, ist das Getriebensein nicht mehr so da. Es ist der Spaßfaktor. Aber ich habe die Möglichkeit, die Chance und das Können, ein Rennen zu gewinnen. Aus Spaß und Gaudi allein Rennen zu fahren, wäre mir doch zu wenig.
In den USA sagten Sie, dass Ihr geschundener Körper seinen Tribut fordert.
MAIER: Er ist verschlissen, ja. Aber weniger vom Sport, das hat ihm eher geholfen. Aber wenn man sieben Jahre eine nicht unanstrengende Arbeit macht . . . Manche haben sich auf der Baustelle einen Kran erspart, weil eh einer da war, der alles gehoben hat. Da denkt man nicht daran, dass es später Folgen hat.
Ist das jetzt Ihre sensible Seite?
MAIER: Nein, mit sensibel habe ich folgende gemeint: Eine Maschine setzt sich in den Flieger, steigt aus und spürt keine Zeitumstellung. Ich musste immer damit kämpfen. Und auch, wenn es oft so ausgeschaut hat, als ob ich die Stangen fresse: Sicher, da war Aggressivität. Aber es war nicht nur brachiale Gewalt, da war viel Gefühl dabei.
Wollen Sie diese Seite nicht öfter erklären?
MAIER: Das tue ich mir nicht an. Man muss nur mein Buch lesen. Dinge haben sich verändert. Wenn es jemand anders gewöhnt ist, bin ich trotzdem anders. Man darf nicht davon ausgehen, was man gewöhnt ist. Ich wollte nach dem Unfall nur wieder Rennen fahren können - dass ich so schnell wieder gewinne, Gesamtweltcup-Sieger wurde, allein nachdem Unfall in meiner zweiten Karriere der fünfterfolgreichste Österreicher bin, damit habe ich nicht gerechnet.
Zurück in die Gegenwart: Können Sie in Gröden gewinnen?
MAIER: Ich zähle mich nicht zu den Sieganwärtern in der Abfahrt. Im Super-G wäre ich mit einem Top-Ten-Platz zufrieden















