Margarita Marbler: Ein Salto in den Alltag
Margarita Marbler (36), Kärntner Freestylerin außer Dienst, als Beispiel geglückter Integration.

Foto © APAMargarita Marbler
Die Sportart, in der die gebürtige Russin zu den Besten der Welt zählte, stand nicht allzu häufig im Fokus der Öffentlichkeit. Lediglich bei Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen wurden Medaillen und Spitzenplatzierungen der auf die Buckelpiste spezialisierten Freestylern wahrgenommen.
Marbler feierte sieben Weltcupsiege, holte für Österreich einmal den Gesamtweltcup und ließ sich bei zwei WM-Bronzemedaillen umhängen. Wenn die nur 1,56 Meter große "Gretl", wie sie genannt wurde, dienstmäßig in Aktion trat, blieb vielen der Mund offen: Marbler präsentierte in der Buckelpiste einen schwindelerregenden Tanz, gemixt mit Salti und gekreuzten "Bretteln", als wäre sie ein fliegender Mensch.
Im Vorjahr, nach dem sechsten Platz bei den Olympischen Spielen in Vancouver, stellte sie die kurzen Schi aber in die Ecke.
Nicht nur ihre Karriere ging zu Ende, sondern auch ihre Ehe. Die Russin war auf dem Standesamt zur Österreicherin geworden. Im Weltcupzirkus hatte sie ihren ehemaligen Ehemann und dann späteren Trainer Harald Marbler kennengelernt.
1995 zog sich nach Österreich, genauer nach Radenthein und startete forthin für den Freestyle-Klub Villach. Die Karriere vorbei, die Ehe auch - dennoch verschwendete die 36-Jährige nicht eine Sekunde daran, Österreich oder Kärnten den Rücken zu kehren. "Ich fühle mich ja als Österreicherin", betonte sie in ihrem russisch-kärntnerischen Dialekt.
Als Marbler vor 16 Jahren nach Österreich übersiedelte, war die deutsche Sprache für sie so etwas wie ein spanisches Dorf. Für ihr Bleiben nennt sie viele Gründe. Der Wichtigste klingt wie eine Liebeserklärung an ihre zweite Heimat: Kärnten sei so schön und vor allem die Menschen liebenswert.
Nur wenn es sein muss, fliegt sie nach St. Petersburg, um in ihrer Herkunftsstadt die Eltern zu besuchen. Im Sommer, erzählt sie, trafen man sich allerdings im Urlaub in Kroatien: "Das war nicht so viel Stress."
Stress hatte sie während ihrer Karriere als Spitzensportlerin mehr als genug. Ihr zweites Leben nach dem Sport hat sie genau geplant wie einst ihre akrobatischen Einlage und katapultierte sich mit einem Salto von der Piste mitten in die Karriere.
So absolvierte Marbler uner anderem ausführliche Ausbildungen zum Personal- und Gesundheitstrainer. Ihr Motto ist typisch für die optimistische kleine Dame: "Alles ist möglich, man muss es einfach nur versuchen." Im Sommer arbeitete sie einem Feriendorf am Ossiachersee als Animateurin, im Winter fungiert sie in Bad Kleinkirchheim als Schilehrerin.
So mancher gelehrige Schüler kam da schon ins Staunen, als Marbler Kostproben aus ihrer einstigen Zeit als Buckelpistenakrobatin zeigte. Zum Stricken, ihrem großem Hobby, kommt Marbler, einmal auch zur Kärntner Sportlerin des Jahres gewählt, kaum: "Da sitze ich eher meistens vor dem Laptop und versuche irgendwelche neue Übungen zu finden oder selbst zu entwerfen".
Privat? Hat Marbler auf ihrer sportlichen Abschiedstournee in Frankreich einen Franzosen kennen- und vor allem lieben gelernt, der inzwischen zu ihr nach Kärnten gezogen ist.
Deshalb wird die Schi-Akrobatin außer Dienst demnächst ihre Zelte in Radenthein abbrechen und einige Kilometer weiter nach Arnoldstein übersiedeln. "Dort haben wir ein uns gemeinsam ein kleines Häuschen gekauft und renovieren es gerade", erzählt Marbler stolz.
Was die Eingliederung und Integration von Menschen fremder Herkunft betrifft, kann vor allem auch der Sport anscheinend Brücken bauen. Marbler ist nicht nur längst hier in Kärnten integriert, sie ist insbesondere sehr stolz darauf, heute Österreicherin zu sein. Ein Beispiel, das auch außerhalb des Sports des öfteren Schule machen könnte.















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