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Zuletzt aktualisiert: 09.02.2010 um 17:32 UhrKommentare

Strobl: So wird man Olympiasieger

Am Mittwoch beginnt mit dem ersten Training in Whistler Mountain für die Abfahrer die "Operation Gold". Olympiasieger Fritz Strobl erklärt, wie es funktioniert.

Fritz Strobl

Foto © APAFritz Strobl

Eigentlich klingt es ja ganz einfach. Olympische Spiele sind zwar etwas Besonderes, aber das sollte man nicht so sehen und man sollte sich auf dieses Rennen wie auf jedes andere vorbereiten. Routine hilft natürlich, sich nicht zu sehr ablenken zu lassen. Ich war in Nagano das erste Mal dabei - und es gibt extrem viele Ablenkungen. Olympia ist nicht so familiär wie der Weltcup, aber das muss man wegstecken. Man darf sich nicht aus der Konzentration bringen lassen und muss den Fokus auf seine Disziplin legen. In Nagano hätte ich ja meine erste Chance auf Olympia-Gold gehabt. Ich habe mich im letzten Abdruck qualifiziert, dann kam Schlechtwetter, ein Schneesturm, am Renntag wurde die Kurssetzung verändert - und wo der Hermann Maier abgeflogen ist, habe ich gleich hinter ihm an derselben Stelle einen Riesenfehler gemacht. Das war's.

Bevor wir 2002 nach Salt Lake City gekommen sind, habe ich gewusst: Ich habe sehr gute Voraussetzungen. Ich war drei Mal Zweiter ein Mal Erster, das Material passt, ich bin gut in Form und der Hügel liegt mir. Ich habe mich auf Olympia gefreut. Dann haben wir mit Stephan Eberharter, Hannes Trinkl und Christian Greber ein Appartement bezogen - das Appartement mit der Nummer 111. Am Abend gab's immer Sitzungen mit der Presse. Aber noch einmal: Dass jetzt diese Ringe auf den Transparenten sind, muss man ausblenden. Und ich würde jedem Olympia-Teilnehmer empfehlen: wenn es irgendwie geht, sollte man möglichst nicht an Gold denken. Am ersten Trainingstag ist das erste Anfreunden mit der Piste enorm wichtig - und das beginnt mit der ersten Liftfahrt. Es geht darum, dass man sich das Gelände einprägt. Dann folgt die Streckenbesichtigung und dann habe ich versucht, im ersten Lauf gleich einmal eine Duftmarke zu setzen, auch wenn danach der Druck natürlich steigt. Aber es beruhigt, wenn man schon nach dem ersten Lauf weiß, dass man ganz vorne dabei sein kann.

Ich habe es gewusst

Im ersten Trainingslauf habe ich jedoch ein paar Fehler gemacht und im zweiten Lauf war's wieder das Gleiche. Ich hatte wie immer meine weiße Unterwäsche an - und war in Schlagweite. Ich habe nur noch auf das Rennen gewartet, darauf, dass der 10. Februar so schnell wie möglich näher rückt. Und ich habe gewusst: Meine Chance ist da. Einen Rückschlag gab es allerdings am Tag vor der Abfahrt. Hannes Trinkl war nicht ganz fit und hatte mich ein bisserl angesteckt. Halsweh. Sofort zum Doktor, viel trinken, Hausmittel schlucken - und ich habe damals viel Qigong betrieben. Am Renntag war um dreiviertel sechs Uhr Tagwache. Eine Einheit Qigong, ein bisserl Frühstück, um acht waren wir auf der Piste, eine kurze Besichtigung - und ich wusste, dass ich alles im Griff habe. Ich wusste, wenn ich keine Fehler mache, kann ich gewinnen.

Am Start mustert man dann ein wenig die Konkurrenz und versucht, sinnbildlich einen leichten Schleier vor den Augen zu tragen. Wie wenn man durch eine rosarote Brille schaut, damit man sich auf das Wesentliche konzentrieren kann. Der Servicemann schnallt einem die Schi an - und über Lautsprecher habe ich damals gehört, dass die Leute im Ziel bei Stephan Eberharter gejubelt haben. Er hatte die Nummer neun, ich die zehn. Raus aus dem Starthaus. Jawohl, los geht's, schoss es mir durch den Kopf. Die Sprünge waren ein bisserl gestreckt, rein in den Zielhang, die letzte Kurve super erwischt - und dann im Zielschuss mit Tempo 138 ins Ziel. Ich habe mir gedacht: Jetzt bin ich aber neugierig . . . und ich war ein paar zerquetschte Hundertstelsekunden schneller als der Steff.

Ich dachte noch gar nicht an eine Medaille, sondern war froh, dass ich eine tolle Leistung hinbekommen und eine gute Woche hinter mir habe. Mal schauen, wie das Rennen ausgeht. Viele große Kaliber sind dann hinter mir geblieben und irgendwann hat es im Kopf "Knack" gemacht. Auch Lasse Kjus war im Ziel. Gold! Bei der Pressekonferenz hatte ich dann keine Stimme mehr, das Halsweh war wieder da. Wir haben bis vier Uhr früh gefeiert. Am Montag gab's noch einen Fototermin - und dann ging es sofort ins Bett. 39 Grad Fieber, Schüttelfrost, zwei Tage lag ich unter der Decke - und die Goldmedaille lag neben mir auf dem Nachtkasterl . . .


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