So zielt man auf Gold ab
"Mein jetziges Gewehr stammt von einem Waffenmeister aus Oberhof. Das wird in Deutschland nicht so gern gesehen", erklärt Daniel Mesotitsch.

Foto © GEPA
Dramatik, Nervenkitzel und präzise Schüsse unter Atemnot - diese Zutaten gepaart mit exzellenten Leistungen in der Loipe machen Biathlon zu einer der spektakulärsten Sportarten, die es bei den Olympischen Spielen in Kanada zu bewundern gibt.
Bekanntlich zählen die rot-weiß-roten Asse sowohl in der Loipe als auch am Schießstand zur absoluten Weltelite. Ein Umstand welcher der ehemals so dominanten deutschen Biathlonnation sauer aufstößt. Zu Erklärung: Das Gros der Athleten bezieht das sogenannte System (u.a. bestehend aus Lauf, Abzug, Verschluss und optischer Visiereinrichtung) von der deutschen Firma "Anschütz". Zudem werden die sehr individuellen Gewehrschäfte (Schulterstück, Wangenstütze und der Schaft als solches) primär in Deutschland produziert. Kein Wunder also, dass uns die "Erzrivalen" das Material nicht unbedingt vergönnen. "Mein jetziges Gewehr stammt von einem Waffenmeister aus Oberhof. Das wird in Deutschland nicht so gern gesehen", erklärt Daniel Mesotitsch.
Know-How aus Kärnten
Grund genug beim Österreichischen Schiverband die Entwicklung von Schäften im eigenen Land und da in der "Büchsenmacherstadt" Ferlach voranzutreiben. Bereits im Vorjahr produzierte die HTL Ferlach in Kooperation mit der HTL Villach einen Prototypen für Martin Mesotitsch dem jüngeren Bruder von Daniel. Das zweite noch ausgereiftere Modell wurde von Daniel Mesotitsch entgegengenommen und hebt am Samstag im Waffenkoffer der Medaillenhoffnung Richtung Vancouver ab, um bei allen Bewerben als Ersatzmaterial für die Rechtsschützen Dominik Landertinger, Christoph Sumann, Mesotitsch und Fritz Pinter zu dienen. "Die Entwicklung dieses Schafts dauerte rund zwei Monate. Weil das Gewehr von mehreren Athleten benützt werden könnte, mussten wir gewisse Kompromisse eingehen. Daniel diente als Maß und Ratgeber", so Mitentwickler Wolfgang Pfeiffer von der HTL Ferlach. Stolz sind die "Büchsenmacher" auf Novitäten bei Magazinhalterung und Systemeinbettung. Das Produkt besteht aus fünf Millimeter dicken Leimbinderschichten und aus den Holzarten Ahorn, Esche und Nuss.
Die weiteren Bestrebungen der Kärntner zielen - im wahrsten Sinn des Wortes - darauf ab, im Lauf der nächsten Jahre die derzeit so erfolgreichen österreichischen "Loipenjäger" verstärkt auszurüsten.
Features
Fakten
Beim Biathlon wird ein Kleinkalibergewehr verwendet
Das Gewehr besteht im Wesentlichen aus zwei großen Komponenten - dem fast ausschließlich von der Firma "Anschütz" produzierten System (Lauf, Abzug, Verschluss, Diopter, Ringkorn , Ringtunnel usw.) und dem für jeden Athleten individuell angefertigten Schaft (inkl. Wangenstütze, Schulterstück usw.)
Das Mindestgewicht beträgt 3,5 kg
Das Abzugsgewicht muss zumindest 0,5 Kilogramm betragen
Die Geschwindigkeit der Geschoße beträgt 330 bis 350 Meter pro Sekunde
Als Muniton werden Bleipatronen benützt
Pro Jahr feuern die Athleten rund 15.000 bis 18.000 Schüsse ab
Ein Biathlongewehr kostet 2000 bis 3000 Euro.


















-Anzeigen