Klaus Krölls Stärke: Geschwindigkeit
Klaus Kröll hat eine Sucht: die nach Geschwindigkeit. Nur in einer Sache geht es ihm nicht schnell genug. Der Steirer wartet noch auf den ersten Weltcupsieg. Wengen bietet sich an.

Foto © GEPAKlaus Kröll gibt gern Gas
Die Stimme von Klaus Kröll passt zu seinem Äußeren. Tief, kraftvoll, sonor. "Den Bullen von Öblarn" nennt man ihn im Schi-Zirkus. Und er wirkt tatsächlich wie der personifizierte Abfahrer, wenn er einem im Hotel Silberhorn in Wengen so gegenüber sitzt. "Geschwindigkeit", sagt er, "hat für mich einen besonderen Reiz." Kein Wunder, dass er seine Stärken in Kurven "so um die 120 km/h" sieht. Auf Schi, versteht sich - obwohl er auch mit dem Rallye-Auto schon Tempo gebolzt hat.
Gute Chancen. Egal, mit wem man im Schi-Zirkus spricht: Alle prophezeien, dass der Steirer "schon bald" ein Rennen gewinnen wird. Es wäre der erste Weltcup-Sieg für den 28-Jährigen. Dieses Jahr sieht es wirklich gut aus: Fünfter in Lake Louise, Vierter in Beaver Creek, Sechster in Gröden, Zweiter in Bormio. "Da habe ich mich im ersten Moment sogar geärgert, weil der Sieg drinnen war", gibt Kröll zu. Im Moment ist der Öblarner die Nummer zwei im Abfahrts-Weltcup, "aber mit dem beschäftige ich mich noch gar nicht. Mir ist wichtiger, dass ich mir keine Gedanken um die WM mehr machen muss." Sein Salomon-Rennchef Günther Mader meint, "dass er derzeit so gut ist, dass es völlig egal ist, welche Schi er fährt."
Gute Grundstimmung. Kröll lächelt, wenn er das hört. "Ich habe eine gute Grundabstimmung, das stimmt. Bei mir hängt viel vom Schuh ab, der passt in diesem Jahr. Und dann kann ich mit dem Schi arbeiten." Knapp acht Jahre wartet das Kraftpaket nun schon auf den großen Sprung nach oben. An Wolfgang Loitzl ("Dessen Erfolge habe ich natürlich verfolgt, er wohnt ja nicht weit weg von mir") nimmt er sich ein Beispiel. "Man muss Siege einfach erwarten können, erzwingen hilft nicht." Am liebsten wäre ihm der erste Sieg jetzt im Jänner, bei einem der Klassiker. "Das ist für einen Abfahrer natürlich am schönsten - obwohl: Wenn ich gewinne, wäre es mir wohl egal, wo."
Herzrasen. Wengen etwa böte sich an. Eine Strecke für richtige Abfahrer - mit dem schnellsten Streckenabschnitt der Welt, dem Hannegg-Schuss. 156 km/h hat Kröll hier vor zwei Jahren schon erreicht. "Aber das merkt man gar nicht, weil man sich so auf die nächsten Abschnitte konzentrieren muss."
Denn Wengen lässt sogar die mächtigen Kröll-Schenkel brennen wie Feuer und bringt sein Herz zum Rasen. "Im Ziel", sagt Kröll, "habe ich schon fast Puls 210 - mein Maximum eben." Ein erstaunlicher Wert - aber das passt irgendwie zum Vater eines fast dreijährigen Sohnes. Der ist übrigens schon ganz der Papa: "Auf Schi fährt er nur geradeaus. Bremsen kann er noch nicht."
Zur Person
Klaus Kröll, geboren am 24. April 1980 in Öblarn
Familienstand: Freundin Silvia, Sohn Tim (2)
Größe/Gewicht: 186 cm/96 kg
Hobbys: Motocross, Radfahren, Rallye (Kröll bestritt auch Meisterschaftsläufe)
Größte
Erfolge: Zweifacher Junioren-Weltmeister, drei zweite Plätze im Weltcup
















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