Schlierenzauer: "Wir sind jetzt gute Freunde"
Tournee-Favorit Gregor Schlierenzauer plaudert über sein Weihnachten, die Rolle als Nummer eins im Team und die neue Freundschaft zu Thomas Morgenstern.

Foto © GEPADer Sieg in Engelberg hat "Schlieri" beflügelt
Zuerst Kuusamo, dann Trondheim, Pragelato und letztes Wochenende der Weltcup in Engelberg - in den letzten Wochen hatten Sie kaum Ruhe. Blieb da überhaupt Zeit, um Weihnachtsgeschenke einzukaufen?
Gregor Schlierenzauer: Ich muss gestehen, dass ich ein bisschen im Verzug bin. Der Stress war doch sehr groß. Aber ich hoffe, heute Vormittag die letzten Packerln besorgen zu können.
Wie werden Sie heuer feiern?
Schlierenzauer: Wie jedes Jahr im Kreise der Familie. Ich möchte die wenigen freien Tage nützen, um meine Batterien wieder voll aufzuladen und dann frisch gestärkt zur Tournee anreisen.
Mit dem Triumph am Sonntag in Engelberg ist Ihnen die Tournee-Generalprobe geglückt. Wie wichtig war dieser Sieg?
Schlierenzauer: Enorm wichtig. Vor allem für mein Selbstvertrauen. Und gegenüber Simon Ammann habe ich damit einen psychologischen Vorteil herausgeschlagen. Ihn in der Schweiz zu besiegen hat ihm weh getan.
Trotz des Sieges haben Sie mit Ihrer Leistung gehadert - können Sie sich noch steigern?
Schlierenzauer: Für den Sieg hat es gereicht, perfekt war es aber noch nicht. Vor allem bei der Technik und im Materialbereich ist noch einiges drinnen. Im Mentalen passt es hingegen perfekt - und das spielt im Sport ja eine sehr tragende Rolle.
Ammann und Sie gelten für die Tournee als große Favoriten - wie schätzen Sie Ihre Chancen ein?
Schlierenzauer: Sagen wir so, ich blicke der Tournee heuer so gelassen entgegen wie noch nie. Bisher war ich zweimal dabei - und es waren super Lehrjahre. Beide Male war ich der Halbzeitführender, ich habe Springen gewonnen, bin aber auch einmal ausgeschieden. Mir ist also bewusst, dass gerade bei der Tournee Höhen und Tiefen sehr eng beieinander liegen. Doch mit etwas Glück kann ich es packen.
Stimmt es, dass Sie sich mit Thomas Morgenstern heuer die Saisonhöhepunkte aufgeteilt haben?
SSchlierenzauer: (schmunzelt) Ja, wir haben einmal darüber geredet. Mein Highlight ist definitiv die Tournee, weil sie etwas ganz besonderes ist. Thomas' Ziel ist die WM in Liberec. Doch wenn ich dort oder im Gesamtweltcup gewinne, hätte ich natürlich auch nichts dagegen. Mal sehen, was passiert.
Als Schiflug-Weltmeister muss für Sie auch das Springen im Jänner am Kulm einen besonderen Anreiz haben, oder?
Schlierenzauer: Auf alle Fälle! Vor eigenem Publikum sein Können zeigen zu dürfen, ist emotional gesehen total lässig.
Letzte Saison stand Morgenstern mit seinen Seriensiegen im Rampenlicht, heuer gehört die ganze Aufmerksamkeit Ihnen - das erhöht aber auch den Druck.
Schlierenzauer: Druck verspüre ich keinen. Natürlich hat man mehr Termine, aber das gehört dazu. Das ist mein Job und außerdem eine Bestätigung dafür, dass ich erfolgreich arbeite. Wichtig dabei ist nur, dass man sein Ziel nicht aus den Augen verliert.
Wie fühlt es sich denn an, die Nummer eins im Team zu sein?
Schlierenzauer: Ich habe nichts dagegen, aber es ist weder für mich noch für den "Morgi" so wichtig. Wir sind beide Siegertypen, die jeden Wettkampf so gut wie möglich bestreiten wollen. Wenn er super springt, vergönne ich ihm das. Trotzdem leben wir nach dem Motto: Wir vergönnen jedem den Sieg, aber uns selbst am meisten.
Das klingt ja so, als wäre das Kriegsbeil zwischen Ihnen und Morgenstern begraben?
Schlierenzauer: Schon längst! Es stimmt, dass wir im letzten Winter einmal heftiger zusammengestoßen sind. Aber wir haben alles ausgesprochen und sind mittlerweile gute Freunde.
Features
4-Schanzentournee
Zur Person
Gregor Schlierenzauer
Geboren: 7. Jänner 1990
Wohnort: Fulpmes
Verein: SV Bergisel
Größte Erfolge, WM: Team-Gold 2007 in Sapporo;
Schifliegen: WM-Gold Einzel und Team 2008 in Oberstdorf; 13 Weltcupsiege















