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Zuletzt aktualisiert: 17.12.2008 um 21:06 UhrKommentare

"Wir waren damals halt andere Typen"

Hermann Maier erklärt, warum ein Neunfachsieg so schnell nicht wieder vorkommen wird - und warum er in gewisser Weise ein alter Esel ist.

Hermann Maier

Foto © APAHermann Maier

Herr Maier, die Schi-Nation Österreich ist seit über einem Jahr ohne Abfahrtssieg. Haben Sie eine Erklärung?
Hermann Maier: Zum einen liegt es am Material. Es macht das Schifahren leichter. Zum anderen daran, dass die Trainingsmethode, die wir in Obertauern entwickelt haben, alle nachgemacht haben. Irgendwann ist jeder mit dem Ergometer gekommen, fast alle machen das Gleiche. In solchen Phasen muss man dann halt wieder auf Individualität setzen und seine Stärken ausbauen.

Die wären in Ihrem Fall?
Maier: Zum Beispiel das Leichtathletik-Training im Sommer. Da habe ich mir wieder Explosivität geholt, die roten Muskelfasern, die mir gegeben sind, wieder in Schwung gebracht. Einen Vorsprung wie früher werde ich mir nie wieder herausholen können, aber auch ich kann an meinen Stärken arbeiten.

Und es heißt, dass noch viel mehr herausholen könnten, wenn Sie mit dem Athletik-Training schon im Mai beginnen.
Maier (lacht): Aber man darf einen alten Esel nicht zu weit und zu hart treiben, sonst geht er nicht mehr.

Es ist zehn Jahre her, dass sie einen Neunfach-Triumph beim Super-G in Patscherkofel angeführt haben. Ihre Erinnerung daran?
Maier: Das war einzigartig und wird wohl nicht mehr zu wiederholen sein. Wir haben uns halt damals alle die Worte von Hans Pum gemerkt: Der hat gesagt, dass die anderen schon alle in Weihnachtsstimmung sind und wir Gas geben sollen.

Hat die "goldene Generation" von damals eigentlich Mitschuld, dass es derzeit zu wenig Nachwuchs auf der Abfahrt gibt?
Maier: Nein, das sicher nicht. Es hat ja jeder die Chance gehabt, sich zu etablieren. Aber wir waren damals andere Typen.

Wie meinen Sie das?
Maier: Als Junger hatte ich kein Maß und Ziel, es gab für mich keinen Tag und keine Nacht. Die Jungen jetzt - die sieht man am Abend sehr selten. Aber das gehört doch dazu. Bei uns ist es so, dass man sofort zum Star gemacht wird. Aber dazu gehört mehr, der schwierige Weg, den man sich aneignen muss.

So wie bei Ihnen...
Maier: Ja. Ich habe neben meinem Beruf trainiert, bin um eins ins Bett und um fünf aufgestanden. Der Körper muss was gewohnt werden. Aber den Jungen wird ja alles abgenommen. Es wäre doch gut, wenn es auch bei uns wie im Eishockey wäre, mit einer Hierarchie. Aber im Schisport hat ja jeder praktisch sofort die gleichen Rechte wie ich - ohne was gewonnen zu haben.

Was sollten denn die Jungen tun? Ihre Schi tragen?
Maier: Ich auf jeden Fall hätte es früher als Ehre empfunden, wenn ich Lasse Kjus die Schi aus dem Zielraum hätte tragen dürfen. . . Aber bei mir waren Querelen eh vorprogrammiert. Ich habe damals noch meine eigenen Schi eingepackt, als die anderen schon im Auto saßen. Die haben dann schon gewusst, was da kommt. . .

Kommen wir zu Gröden - einer der wenigen Orte, wo Sie noch nie gewonnen haben. Ist das für Sie noch ein Ziel?
Maier: Na ja, nur zum Essen bin ich nicht hergekommen, auch wenn's schmeckt. Natürlich ist es ein Ziel, ich will ja auch die Weltcup-Führung im Super-G verteidigen.

INTERVIEW: MICHAEL SCHUEN, ST. CHRISTINA

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