Nur beim Gehen hinkt Marlies noch
Ihre Karriere hing an einem seidenen Faden. Nach Slalom-Silber spricht Marlies Schild über Genuss, krampfhaften Siegeswillen und ihren Freund Benni Raich.

Foto © APAMarlies Schild
Die Silberne, die um Ihren Hals baumelt, ist Ihre bereits achte Medaille bei einem Großereignis. In Anbetracht der vergangenen eineinhalb Jahre voller Schmerzen, Ungewissheit und Rehabilitation, welchen Stellenwert nimmt sie ein?
MARLIES SCHILD: Mit der ganzen Vorgeschichte und wenn ich bedenke, wo ich noch im vergangenen Sommer gestanden bin, ist das mit Sicherheit meine wertvollste Medaille. Nicht zuletzt, weil ich sie diesmal viel intensiver wahrnehme und das Ganze mehr genießen kann als früher.
Es war auch das erste Mal, dass Sie nur in einer Disziplin am Start waren und dementsprechend nur eine Chance hatten?
SCHILD: Im Vorfeld war es schon eine etwas andere Situation, aber kurz vor dem Rennen hat sich für mich nichts verändert. Natürlich war es für die Maria (Riesch, Anm.), die bereits eine Goldmedaille in der Tasche hatte, etwas leichter als für mich, die noch mit leeren Händen dagestanden ist. Aber ich konnte derlei Gedanken gut wegschalten und habe mich auf mein Rennen konzentriert.
Sie haben im Vorfeld immer wieder betont, dass für Sie bereits die Olympiateilnahme ein Riesenerfolg ist. Hat diese Einstellung auch an Druck genommen?
SCHILD: Generell war mein Ziel nach der langen Pause, wieder einmal zu siegen. Das habe ich in Lienz (29. Dezember) geschafft und in Flachau wiederholt. Olympia war letztlich die totale Draufgabe. Dementsprechend locker war ich auch am Start.
Hat sich das von anderen Großereignissen unterschieden?
SCHILD: Komplett. Früher war der Druck von außen und von mir selbst zu groß. Mit dem krampfhaften Siegenwollen habe ich mir bei Großereignissen viel verhaut.
Schnee von gestern oder wurmt das eine odere andere bis heute?
SCHILD: Nein, man muss in der Gegenwart bleiben, aber gleichzeitig aus Fehlern lernen. Und das ist gelungen. Ich bin mit Spaß an die Sache herangegangen.
Sagt sich wohl leichter, als es ist, gerade bei Olympia?
SCHILD: Man hat eine gewisse Grundanspannung, die man braucht. Aber wo mir früher schlecht wurde, konnte ich nun positive Energie daraus holen.
ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel hatte soeben gemeint, Sie können zwar noch nicht gerade gehen, aber dafür wieder erstklassig schifahren. Wie sehen Sie das?
SCHILD: Ich denke, ich muss im Frühjahr noch einmal eine Gangschule machen. Mir geht es im Großen und Ganzen sehr gut, aber ab und zu tut es beim Gehen doch weh und dann beginne ich zu hinken. Oder ich hinke, weil sich das so eingeschliffen hat.
Noch immer zieht sich ein 32 Zentimeter langer Nagel durch Ihren Unterschenkel. Wann kommt er raus?
SCHILD: Ich werde jetzt einmal die Saison zu Ende fahren und dann alles mit den Ärzten besprechen.
Sie haben sehr viel mit Ihrem Freund Benjamin Raich trainiert.
SCHILD: Natürlich hat das einiges vereinfacht. Es tut gut, wenn dein Partner mit dir aufsteht, du viele Einheiten zusammen absolvierst und letztlich in die gleich Richtung arbeitest. Und wenn man einmal ein Hänger hat, dann wird man schnell aufgemuntert.
War Olympia der Hauptbeweggrund, dass Sie nach Ihrer so schweren Verletzung nicht vorzeitig die Karriere beendet haben?
SCHILD: Überhaupt nicht. Auch wenn es manchmal verdammt schwierig war, habe ich einfach gespürt, dass ich so auf keinen Fall aufhören wollte.
INTERVIEW: MAX ISCHIA, CYPRESS MOUNTAIN














