Damit sich die Welt wieder dreht
Aus Japans Erdbeben-Sperrgebiet rund um Fukushima sind zehn Athleten bei Olympia. Wie zum Beispiel Kazunari Watanabe (28) im Keirin-Radrennen.

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Vor dem Start muss jeder der sechs Radfahrer ein auf einem Tablett serviertes Kärtchen umdrehen. Wie beim Memoryspielen. Damit wählt er jene Position, auf der er ins Rennen geht und die er die ersten zwei Drittel hinter dem Schrittmacher auch nicht verlassen darf.
Diese Prozedur passt zu Keirin. Es ist eine von vier lizenzierten Sportarten, auf die in Japan gewettet werden darf. Keirin, auch "Kampfsprint" genannt, wurde in Japan erfunden und auf Druck von Japan olympisch.
Kazunari Watanabe deckt das Kärtchen mit der Nummer 3 auf. Aber das spielt keine Rolle. Er fährt seinen Vorlauf mit dem Weltmeister und fünffachen Olympia-Sieger Chris Hoy. Watanabe wird Letzter, über den Hoffnungslauf steigt er gerade noch auf. Auch das spielt keine Rolle.
"Etwas Licht" für Japan
Er sei hier, um Olympia-Gold zu gewinnen und um "etwas Licht" in seine Heimat zu bringen, sagte Watanabe. Das war nie realistisch. Und im Mittelpunkt stand er ohnehin lange, bevor er aufs Rad gestiegen ist. Denn Kazunari Watanabe ist in Futaba zu Hause. Die Stadt liegt seit dem Tsunami-Erdbeben vom März 2011 und der nuklearen Katastrophe in den Atommeilern von Fukushima innerhalb der 20-Kilometer-Sperrzone.
Nach Futaba wird Watanabe erst in zehn Jahren wieder zurückkehren können. "Es ist meine Lebensaufgabe geworden, die Welt mit dem Sport auf die Probleme zu Hause aufmerksam zu machen", sagt Watanabe. Er ist einer von zehn Athleten Japans, die aus dem Erdbebengebiet kommen. Nach den Spielen kehrt er nach Tokio, wo er nun lebt, zurück. Und wird unter 4000 Keirin-Profis bei vielen der 40.000 jährlichen Rennen, die allein mit Wetten 15 Milliarden Euro umsetzen, starten. Dann wieder, ohne dass die Welt davon Notiz nimmt.
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Aus der Erdbebenzone von Fukushima zu Olympia: Kazunari WatanabeFoto © AP













