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Zuletzt aktualisiert: 14.08.2012 um 12:48 UhrKommentare

Stundenkürzungen und ungeprüfte Lehrer

Zu wenig Sport in Kindergarten und Schule wird von Experten als Mitgrund für das schlechte Abschneiden der österreichischen Olympioniken in London genannt.

Foto © KLZ | Hoffmann

Tatsächlich ging die generelle Kürzung der Unterrichtsstunden 2003 vielfach zulasten des Sportunterrichts, wie das Unterrichtsministerium bestätigt und auch der Rechnungshof (RH) 2008 in einem Bericht kritisiert hat. Und das Prüforgan verwies auf ein weiteres Manko: An Volks- wie Hauptschulen werde zu oft Personal ohne entsprechende Ausbildung für den Sportunterricht eingesetzt. Im Unterrichtsministerium wird auf Initiativen zur Verbesserung der Situation verwiesen.

Insgesamt wurde der Sportunterricht laut RH seit 2003 um bis zu fünf Prozent gekürzt. An AHS-Unterstufe und Hauptschule gibt es über vier Jahre gerechnet eine Turnstunde weniger. Berufsbildende mittlere und höhere Schulen (BMHS) haben im Rahmen ihrer Autonomie noch stärker reduziert: Durch zusätzliche schulautonome Stundenkürzungen gibt es laut RH sogar in manchen Klassen nur eine oder in Abschlussklassen gar keine Turnstunden. Dazu komme, dass die Stunden teilweise nicht abgehalten würden. Diesem Abbau konnte "nur zum Teil" durch mehr unverbindliche Übungen entgegengewirkt werden.

An den Berufsschulen, die von knapp 140.000 der 1,2 Mio. Schüler besucht werden, gibt es überhaupt keinen verbindlichen Sportunterricht. An Volksschulen werden zwar - wie schon vor der Stundenkürzung - über die vier Jahre zehn Stunden Sport angeboten. Allerdings wird dabei, wie der Rechnungshof bemängelt, nicht durch Fachexperten, sondern durch den Klassenlehrer unterrichtet.

Kindergärten sind Ländersache

Keine Zahlen gibt es zum Kindergartenbereich, der in Österreich Ländersache ist. Zwar sei Bewegung schon immer ein wichtiger Teil des Kindergartenalltags gewesen, wie Gabriele Bäck von der Plattform für Elementarpädagogik "Educare" betont. Doch erst seit 2009 sind Bewegung und Gesundheit als ein Bildungsbereich von den Bundesländern in Auftrag gegebenen Bildungsrahmenplan fixiert. Die Umsetzung ist allerdings von den Rahmenbedingungen abhängig, betont Bäck. Und die unterscheiden sich je nach Bundesland: So sei es in manchen Ländern verpflichtend, dass ein Kindergarten etwa einen Turnraum hat, in anderen wie Wien hingegen nur optional.

Genau hier ortet Thomas Mlinek von der Sportunion das Hauptproblem in dieser Altersgruppe: "Es gibt vielfach Probleme mit den Räumlichkeiten", so der Leiter des Projekts "Ugotchi", bei dem Schulen bzw. Kindergärten kostenlos zehn Bewegungseinheiten - von der Pädagogenfortbildung bis zum Bewegungsfest - buchen können. Auch dass Kindergartenpädagogen keine spezielle Ausbildung für Bewegungsangebote erhalten, bemängelt er gegenüber der APA.

"Die Kleinkindpädagoginnen müssen Tausendsassas sein, die können das gar nicht alles bewältigen", sagt Werner Quasnicka, bei der Österreichischen Bundes-Sportorganisation zuständig für die Initiative "Kinder gesund bewegen", zur APA. Außerdem hätten Frauen, die im Kindergarten über 99 und in der Volksschule knapp 90 Prozent des Personals ausmachen, oft selbst negative Erfahrungen im eigenen Sportunterricht gemacht und in der Ausbildung zu wenig Know how vermittelt bekommen. "Im Kindergarten lernen die Kinder still zu sitzen, ihnen wird die Bewegung ausgetrieben", warnt Quasnicka. Wenn allerdings Personal aus den Sportverbänden komme und Ideen und Anregungen für den Bewegungsunterricht liefere, "merkt man, dass die Pädagoginnen das richtig aufsaugen".


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