"Sind nicht böse, dass es vorbei ist"
Zu Zehntausenden verließen Athleten, Funktionäre und Medienleute am Montag nach den Olympischen Spielen London. Das größte Sportereignis der Welt verankerte den Sport noch tiefer in der britischen Gesellschaft, der wirtschaftliche Nutzen ist gering.

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Der Tag danach wurde noch einmal zur Belastungsprobe - vor allem für das Transportsystem. Zu Zehntausenden verließen Athleten, Funktionäre und Medienleute am Montag nach den Olympischen Spielen London. Der Tross zieht weiter, um beim größten Sportereignis der Welt in vier Jahren in Rio de Janeiro seine Zelte wieder aufzuschlagen. In London hat er einen bleibenden Eindruck hinterlassen, auch wenn dieser auf den ersten Blick schwer zu erkennen ist.
Am Sonntagabend hat sich Großbritannien mit einer glamourösen Schlussfeier von der Welt verabschiedet. Davor hatten sich die Briten nicht nur als gute Gastgeber, sondern vor allem als sportbegeistert gezeigt. Die Stadien waren voll - selbst bei Vorkämpfen in Sportarten, mit denen sie bis dahin wenig anzufangen wussten. Genutzt werden die neuen Arenen auch in Zukunft sein. Sechs von deren acht haben bereits Nachmieter.
Eltern fitter als Kinder?
Nachhaltigkeit hat sich die Regierung ganz weit oben auf die Agenda geschrieben. Mit Olympia-Organisationschef Sebastian Coe hat Premierminister David Cameron dafür auch einen prominenten Botschafter gefunden. Der Sport soll durch die Spiele noch tiefer in der Gesellschaft verankert worden sein. Coe warnte etwa vor der angedachten Kürzung von Turnstunden. "Wir könnten die ersten Generation von Eltern sein, die fitter sind als ihre Kinder", sagte der frühere Wunderläufer.
Schließlich gehe es auch um Nachwuchs für das "Team GB". Das britische Olympia-Team begeisterte die Massen bei den Heimspielen mit 65 Medaillen, 29 davon in Gold, und belegte im Medaillenspiegel hinter den USA und China Rang drei. "Wir müssen jeden Nutzen mitnehmen, den wir von diesen Spielen ziehen können", betonte Coe. "Jede einzelne Unze, egal ob wirtschaftlich, sozial oder sportlich."
Wirtschaftlich waren die Spiele für Großbritannien noch nicht der große Erfolg. Die Politik verweist auf die langfristigen Auswirkungen durch die neue Infrastruktur, kurzfristig blieb das Geschäft aber aus. Laut britischem Tourismusverband seien die Nächtigungen diesen Sommer sogar zurückgegangen. Ein Teil der Touristen, der sonst Big Ben, Tower und Madame Tussaud's besichtigen, scheint die britische Hauptstadt wegen des Olympia-Hypes gemieden zu haben.
Leute blieben zuhause
Gleiches gilt für viele Pubs in der Innenstadt, die während der Spiele untertags deutlich weniger stark frequentiert waren als üblich. "Die Leute sind zu Hause geblieben, dieser ganze Trubel war ihnen zu viel", erklärte Geschäftseigentümer Syd. "Es war schön. Aber wir sind nicht böse, dass es jetzt vorbei ist", ergänzte Barry Wilks, der ein Pub im Londoner East End betreibt.
Dort steht mit dem Olympic Park auch das größte Vermächtnis der Spiele, ein ganzes Stadtentwicklungsgebiet. Im Olympischen Dorf werden Wände eingerissen, es entstehen insgesamt 2.818 neue Wohnungen, darunter laut Organisationskomitee fast die Hälfte in einem "leistbaren" Preissegment. Aber was ist schon leistbar in einer Stadt, in der für eine Zwei-Zimmer-Wohnung im Schnitt 1.000 Euro Miete fällig sind?
Das Stadtbild hat sich durch die Spiele kaum verändert. Die 100.000 unmittelbar mit Olympia beschäftigten Personen fallen in einer 8,2-Millionen-Metropole kaum ins Gewicht. Ein Großteil der Athleten verabschiedete sich schon am Montag via London-Heathrow. Der größte Flughafen Europas erlebte den passagierstärksten Tag seiner Geschichte. Anstelle der durchschnittlich 95.000 Abfluggäste pro Tag standen 138.000 auf der Passagierliste.
London rüstet sich unterdessen für das nächste Großereignis, das in weniger als drei Wochen auf dem Programm steht - die Paralympics der Behindertensportler. "Es heißt nur einmal kurz durchschnaufen, dann geht es schon weiter", erklärte ein olympischer Transportmitarbeiter seinem verdutzt schauenden Kollegen von der Eisenbahn. Die Augen der Weltöffentlichkeit werden dann aber nur noch in reduziertem Maß auf sie gerichtet sein.















