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Zuletzt aktualisiert: 03.08.2012 um 16:28 UhrKommentare

Darabos' missglückter Hilferuf

Die Erfolglosigkeit der österreichischen Sportler in London macht's möglich. Minister Norbert Darabos hat die Plattform bekommen, die er wollte. Weil er sich selbst im Subventionsdschungel des heimischen Sports verlaufen hat. Ein Kommentar von Thomas Huber.

Norbert Darabos geriet nach seiner Kritik selbst in die Kritik

Foto © APANorbert Darabos geriet nach seiner Kritik selbst in die Kritik

"Olympia-Touristen" sollen in Zukunft zu Hause bleiben. Der Großteil der Löcher in der Gießkanne muss gestopft, Fördergelder in Zukunft gezielter ausgeschüttet werden. Soll heißen: Die Sportförderung in Österreich braucht eine Reform - preschte Norbert Darabos am Donnerstag in Interviews vor. Der Sportminister hat rechtzeitig aufgeschrien, bevor das große Spektakel vorbei und das Olympische Feuer erloschen ist. Wie ein Kind, das verzweifelt um Aufmerksamkeit buhlt. Wie gut für ihn, dass die Österreicher bisher versagt haben. Wie gut für ihn, dass alle Medien derzeit nach London schauen.

Leider trägt Darabos seine Kritik am System auf den Rücken der rot-weiß-roten Sportler aus, die in London noch rund eine Woche lang einfach ihr Bestes geben wollen - Medaille hin oder her. "Dabei sein ist alles" - oder wie war das noch einmal? In Wahrheit ist Darabos' Vorstoß aber ein alter Hut. Ein sehr alter sogar. Die Forderungen, die Darabos nun mit Nachdruck öffentlich (an sich selbst?) formuliert hat, hat man schon nach Peking 2008 (drei Medaillen für Österreich) gehört: "Stärkung des Spitzensports, Ausbau der zielorientierten Spitzensportförderung und Konzentration der Förderungen", lautete der Plan. Damals allerdings von einem schwarzen Sport-Staatssekretär (Reinhold Lopatka) formuliert. Reformgruppen wurden gebildet, umgesetzt wurde bis heute nichts - auch nicht in der rund dreieinhalbjährigen Amtszeit Darabos'. Während weiterhin scheinbar willkürlich gefördert wird, wird der Minister nicht müde zu betonen, dass sich ein neues Gesetz in Ausarbeitung befinde. In zwei Wochen solle es vorgelegt und 2013 schon umgesetzt werden, vertröstet er in regelmäßigen Abständen das Parlament.

Ein Marathon ohne Ziel

Als Sportminister hat es Darabos - so könnte man meinen - selbst in den Händen, Reformen voranzutreiben, die Sportförderung transparenter zu gestalten und unnötige Bürokratie und Freunderlwirtschaft im Sport abzustellen. Wohl auch im Interesse der anderen Parteien. Aber zu groß scheint die Kondition so manch gewichtiger Funktionäre der rund 60 Sportverbände Österreichs - vor allem die der Bundessport-Organisation (BSO). Im partei- und sportpolitischen Sumpf scheint Darabos kein Treppchen ins Trockene zu finden.

Ein neues Förderungssystem wird nicht verhindern, dass immer mehr österreichische Spitzensportler wie Rogan oder Jukic sowie Talente wie Ivona Dadic (sie trainiert in Zukunft vermehrt in Deutschland) ihren sportlichen Lebensmittelpunkt nach und nach ins Ausland verlegen. Trotzdem muss der Subventionsdschungel - ein paar Tausender hier, ein paar Tausender da - im österreichischen Sport dringend bereinigt werden.

Darabos' verzweifelter Aufschrei bei Olympia war ein geplanter. Aus seiner Sicht war es wohl die letzte Chance, von seinen Versäumnissen abzulenken und die öffentliche Meinung zu seinen Gunsten zu beeinflussen. Doch Reden ist Silber, Schweigen und Tun sind Gold. Bleibt für Darabos nur zu hoffen, dass er seinen Marathon nicht erst beendet, wenn das Ziel schon abgebaut ist.

THOMAS HUBER

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London, 27. Juli - 12. August

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Daten & Fakten

Die XXX. Olympischen Sommerspiele fanden von 27. Juli bis 12. August in London statt. Über 16 Wettkampftage wurden in 39 Disziplinen in 26 Sportarten 302 Goldmedaillen vergeben. Rund 10.500 Athleten aus 205 Ländern waren dabei.

 


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