Darabos will keine rot-weiß-roten Olympia-Touristen mehr
Sportminister Norbert Darabos ist unzufrieden mit dem Abschneiden Österreichs bei Olympia - und denkt deshalb wieder einmal neue Strukturen an.

Foto © APANorbert Darabos: "Ich will keine Olympia-Touristen!"
Ein wenig hatte Sportminister Norbert Darabos wohl darauf gehofft, mitjubeln zu dürfen. Es sonnt sich gut in Erfolgen, insbesondere olympischen. Erst recht für einen Sportminister. Kein Wunder, dass Darabos' Zwischenbilanz alles andere als rosig ausfällt: "Insgesamt bin ich schon etwas ernüchtert und auch enttäuscht. Nur zu Olympia zu fahren und die gute Atmosphäre zu genießen, das ist zu wenig", erklärte Darabos und formulierte gleich aus, was er wirklich will: "Olympia-Tourismus, das ist nicht das Ziel. Es ist schon das Ziel, auch Medaillen nach Österreich heimzubringen. Mich stört auch die Selbstzufriedenheit gewisser Athleten. Es ist toll, wenn einige Sportler erklären, wie schön das Leben im olympischen Dorf ist, aber an erster Stelle muss der sportliche Erfolg stehen."
Das bisher magere Abschneiden - das man so allerdings realistisch nicht ausschließen konnte - soll Anstoß sein, Gewohntes zu überdenken. Im Speziellen das Fördersystem in Österreich. Darabos will gewisse Sportarten, "wo man Erfolge einfahren möchte, wo man auch langfristig planen kann", gezielter und großzügiger fördern, sagte er in einem ORF-Interview. Das in Österreich weitverbreitete "Gießkannenprinzip" soll ausgedient haben. Wie das allerdings genau aussieht, das müsse erst definiert werden.
Schützenhilfe
Grundsätzlich ist das keine neue Idee. So geistert etwa die Zusammenlegung des Österreichischen Olympischen Comitès (ÖOC) mit der Bundessportorganisation (BSO) schon lange herum. In Deutschland wurde dieses Modell bereits in die Tat umgesetzt, Darabos verspricht sich hiervon schlankere Strukturen. Nicht die einzige Baustelle: Denn in Österreich können Sportler - je nach Bundesland - bis zu 20 verschiedene Förderungen bekommen. Über ÖOC, BSO, Sporthilfe, Top-Sport Austria, Landesförderungen, Dachverbände etc., etc. Dieses System soll künftig effizienter gestaltet werden. Mit dem klaren Ziel, mehr Erfolg zu haben.
Schützenhilfe erhielt Darabos von ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel, zugleich Vizepräsident im ÖOC. Auch der Tiroler sieht Handlungsbedarf: "Ich bin der Meinung, dass die Sportförderung umgestellt werden muss. Oft ist der Umweg über Institutionen wie die BSO - auch wenn mir jetzt ein paar böse sind - zu schwierig. Für besondere Leistungen muss eine direkte Förderung her. Das Gießkannenprinzip brauchst du bis zu einem gewissen Level, dann nicht mehr!" Wiewohl auch Schröcksnadel weiß: "Aber das mit den Talenten passiert nicht von heute auf morgen." Ein kleiner Trost: "Wir haben im Winter auch einmal eine Woche nichts gewonnen. Da wurden wir auch geprügelt."















