Schweren Trittes zu Platz 4
Vom Regen in die Traufe. Christiane Soeder (33) hatte im Straßenrennen bis 200 Meter vor dem Ziel sogar Gold vor Augen.

Foto © GEPAOlympiasiegerin Nicole Cooke
Christiane Soeder war in Peking hauptsächlich auf das Zeitfahren am Mittwoch fokussiert. Dort zählt sie zu den Geheimtipps für eine Medaille. Vielleicht sogar für den Olympia-Sieg. Gestern dürfte es sich Soeder kurzfristig anders überlegt haben. Die 33-jährige, im deutschen Remscheid geborene, in Wien lebende und für den Grazer Uniqa-Rennstall fahrende Ärztin nahm auf einmal das Straßenrennen der Frauen gegen Ende der 126 Kilometer in die Hand. Und hatte plötzlich sogar die Goldmedaille vor Augen.
Hoher Gang . . .
Christiane Soeder machte bei teils strömendem Regen in jenem Quartett das Tempo, das sieben Kilometer vor dem Ziel die führende Italienerin Tatia Guderzo stellte. Sie machte weiter das Tempo, als es darum ging, das Hauptfeld bis zuletzt zumindest ein paar Sekunden auf Distanz zu halten. Doch als 200 Meter vor der Ziellinie der Sprint angezogen wurde, trat Soeder plötzlich nur noch am Stand . . .
"Ich hatte leider einen zu hohen Gang gewählt. Hatte gedacht, dass ich noch mehr drauf habe", erklärte Soeder jene Augenblicke, als sie mit den letzten Tritten ganz offensichtlich größte Mühe hatte. Während sich die drei Fluchtgefährtinnen nur ein paar Meter vor der Österreicherin die Medaillen untereinander ausmachten. Die Britin Nicole Cooke holte Gold und Englands erste Straßen-Radmedaille, Emma Johansson aus Schweden Silber, Guderzo noch Bronze. Für Christiane Soeder blieben "nur" Rang vier und die Blechmedaille.
. . . schwere Beine.
"Ein Super-Rennen von mir. Jammerschade, dass es unbelohnt geblieben ist", wurmte sich Soeder im Ziel. War dann aber schon wieder, wie geplant, auf das Zeitfahren fokussiert. Der hügelige Kurs würde ihr, so Soeder, ausgesprochen liegen. Allerdings hatte sie gestern noch ein etwas mulmiges Gefühl, welche Spuren die gestrige Regenschlacht hinterlassen könnte. "Ich muss mich jetzt so rasch wie möglich erholen. Das Straßenrennen war extrem anstrengend."
Schachl nicht unzufrieden.
Österreichs regierende Straßenmeisterin Monika Schachl war mit ihrem Olympia-Debüt (Rang 46) gar nicht unzufrieden. "Dieses Rennen war der helle Wahnsinn. Es war extrem gefährlich, wie auf Schmierseife." Aber auch sie ärgerte sich über Soeders verpasste Medaille. "Schade um Chrissie. Ich habe, so lange es ging und so gut es ging, auf sie aufgepasst."
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