Weidlinger schied verletzt aus dem Marathon
Leichtathlet Günther Weidlinger ist verletzungsbedingt vorzeitig aus dem Olympia-Marathon ausgestiegen.

Foto © APAGünther Weidlinger
Der vierte Olympiastart hat für Günther Weidlinger schmerzhaft und mit einem Abtransport im Rollstuhl ins Krankenhaus geendet. Der Oberösterreicher lag am Sonntag im Marathon von London bis Kilometer zehn gut im Rennen, ehe ihn ein Stich im rechten Fuß in die Knie zwang.
Weidlinger erwischte einen guten Anfang. Nach fünf Kilometern lag er mit 15:37 Sekunden nur 14 Sekunden hinter der Spitze, nach zehn Kilometern waren es mit 31:32 gerade einmal 54. Bei Kilometer 13,3 wartete Lauf-Nationaltrainer Wilhelm Lilge dann vergeblich auf den 34-Jährigen. Weidlinger kam nicht. Das Fernsehen hatte ihn aber eingefangen: auf dem Boden liegend.
Der Athlet der Sportunion Neuhofen/Krems wurde zur Erstversorgung ins Medical Center im Start-Zielbereich des Marathons gebracht und danach zu genaueren Untersuchungen in die Poliklinik des olympischen Athletendorfes gefahren. Weidlinger hat sich laut Auskunft von ÖOC-Arzt Alfred Engel "eine Partialruptur am Ansatz der rechten Achillessehne" zugezogen. Das ergab eine Ultraschall- und MR-Untersuchung im olympischen Dorf. "Sehne und Knochen sind zum Glück intakt", sagte Engel. Operation ist keine notwendig.
Nicht erstes Missgeschick
"Es ist in einer 180-Grad-Ecke passiert, Günther hat einen Stich bekommen beim Übergang von der Achillessehne zum rechten Fersenbein", sagte ÖLV-Sportdirektor Hannes Gruber, der kurz mit dem völlig geknickten Weidlinger gesprochen hat. "Er ist absolut fertig. Es muss was Gravierendes sein", befürchtete Gruber. Weidlinger stützte im Rollstuhl sitzend den Kopf mit der linken Hand, im Gesicht spiegelten sich Schmerz und Enttäuschung. Es ist der gleiche Fuß, in dem sich Weidlinger im Juni 2001 bereits einmal einen Riss der rechten Achillessehne zugezogen hatte.
Der Marathon führte erst über eine kleine Schleife und dann drei große Runden. Ein Teil ist äußert winkelig und eckig, Kopfsteinpflaster erschwert die Aufgabe. "Ich habe schon bei der Streckenbesichtigung vor dem Lauf von Andrea Mayr gesagt, das ist mehr ein Marathon für die Augen als für die Beine", meinte Gruber, bekommt man auf den 42,195 Kilometern doch viele der Sehenswürdigkeiten geboten. Dass Weidlinger die Streckenbesichtigung ausgelassen hat, ist für Gruber kein Grund, dass nun etwas passiert ist. "Vier Stunden im Bus sitzen, nicht laufen dürfen, das ist absolut kein Muss, das lassen andere auch aus."
Weidlinger ist auf sieben Freiluft-Distanzen österreichischer Rekordhalter, sein bestes Olympiaergebnis ist Platz acht 2000 in Sydney über 3.000 m Hindernis. Aber auch mit Stürzen und Missgeschicken machte er sich international einen Namen. Schmerzhaft wie spektakulär war der Vorfall bei der WM 2007 in Osaka, als er in der zweiten Runde unmittelbar vor der ersten Hürde zu Sturz kam und mit dem Gesicht voll gegen den Balken prallte. Er war 30 Minuten bewusstlos und erlitt Rissquetschwunden an Unterlippe und Unterkiefer.
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Weidlinger-Reaktion
"Das Glück ist, dass die Sehne und das Fersenbein intakt sind. Es geht mir schon etwas besser, aber ich bin immer noch total kaputt. Ich habe ein ganzes Jahr auf dieses Rennen hingearbeitet. Das war mein einziges wichtiges Rennen heuer, dass das so in die Hosen geht, ist schade. Das wird noch einige Zeit in meinem Kopf sein und nagen."













