"Usain Bolt liegt vor Bob Marley"
Winthrop Graham ist Chefcoach von Jamaikas Läufern. Der Trainer von Usain Bolt spricht im Interview über das Geheimnis der schnellen Beine und den Vergleich zweier jamaikanischer Volkshelden.

Foto © AP | ReutersJamaikanische Volkshelden: Bob Marley und Usain Bolt
Vorab einmal Gratulation zu den vielen Sprint-Medaillen. Aber worin liegt der Erfolg wirklich begründet?
Winthrop Graham: Ich glaube, es liegt vor allem an unserem Breitensport- und Nachwuchsprogramm. Nach Peking 2008 haben wir unsere Talente kontinuierlich entwickelt, ihnen Trainer und entsprechende Möglichkeiten zur Seite gestellt.
War das immer so?
Graham: Nein, früher wanderten viele Talente in die USA aus und gingen im dortigen System verloren. Manche, die dafür geeignet waren, konnten mit dem Schulsystem nicht umgehen. Und manche, die das nicht schafften, landeten dann irgendwo in den Straßen von New York.
Waren Sie je in Österreich?
Graham:Ja, öfters. Wie hieß die Stadt noch einmal? Linz. Mein Manager Robert Wagner war Österreicher, mein Stiefbruder Mark McKoy ist für Österreich gestartet.
Auch in Österreich ist eine Diskussion im Gang, wie man den Sport neu aufstellen könnte. Wie lief das bei Ihnen ab?
Graham:Wir fragten uns: Was brauchen wir, um unsere Sportler nach der Schule weiter entwickeln zu können. Ich denke, ein großer Gewinn war es, die Talente zu halten und sie daheim aufbauen zu können. Natürlich brauchst du entsprechende Trainer. Aber auch die Infrastruktur.
Wer ist für so einen Weg verantwortlich. Die Regierung?
Graham: Es ist nicht die Regierung, es ist auch keine Einzelperson. Es sind viele Leute, die etwas von der Materie verstehen. In unserem Fall Trainer Glen Mills, Manager Cubie Seegobin oder ich. Am Anfang hatten wir nichts. Wie sollten sich auch Kinder Laufschuhe um 100 Dollar leisten? Wir luden Manager einer Sportartikelfirma zu uns ein und zeigten ihnen einen Schulwettkampf. Sie waren begeistert und sagten: "Das war das Tollste, was wir je gesehen haben! Wir sind dabei." Das war der Anfang des Schul-Sponsorings. Und so ging es weiter.
Wie sehr hilft es, dass Leute wie Usain Bolt oder Yohan Blake so erfolgreich sind?
Graham: Das hilft immer! Für die Jungen sind sie der Beweis, dass sie für Spitzenleistungen nicht ins Ausland gehen müssen. Und sie animieren die Jungen zum Sport.
Usain Bolt gibt derzeit keine Interviews, im Gegenzug ist er aber für jeden Scherz zu haben und isst im olympischen Dorf Chicken Nuggets.
Graham: Usain ist einer der lustigsten Menschen, die ich kenne, das ist sein Naturell. Er möchte in einer entspannten Atmosphäre sein, er möchte bei seinen Teamkollegen sein und auf keinen Fall isoliert. Das Interviewverbot ist nach den Sommerspielen vorbei, aber während Olympia kann es zu viel werden.
Reden wir von zwei jamaikanischen Aushängeschildern: von Reggae-Legende Bob Marley und Usain Bolt. Wer ist daheim populärer?
Graham: Dieses Rennen geht wohl knapp aus. Aber ich denke, dass Usain die Nase vorne hat. Legenden sind sie beide, das Volk ist auf beide stolz.
Kann sich Usain Bolt auf der Insel eigentlich frei bewegen?
Graham:Auf alle Fälle, er lebt dort! Er hat nicht einmal Sicherheitsleute um sich. Die Leute jubeln ihm zu, jeder liebt ihn, jeder mag ihn. Und er mag die Leute auf Jamaika.













