Läuft der Mensch ohne Grenzen?
Nach dem Olympia-Rekord über 100 Meter traut sich Usain Bolt (25) 9,4 Sekunden zu.

Foto © APAUsain Bolt
Anfang des Jahrtausends sind Biomechaniker noch zum Schluss gekommen, dass nie jemand über 100 Meter unter 9,7 Sekunden laufen werde können. Dann ist Usain Bolt aufgetaucht und hat in Peking 2008 Olympia-Gold in 9,69 Sekunden gewonnen. Ein Jahr später, bei der WM in Berlin, ist Bolt in 9,58 zum Weltrekord und in eine neue Dimension "geflogen".
Prof. Matthias Ludwig, Mathematiker an der Goethe-Universität Frankfurt, hat daraufhin eine laufbare Zeit von 9,55 Sekunden errechnet. Der US-Sportwissenschaftler John Brenkus sagt einen Weltrekord von 8,99 voraus.
Reaktionszeit
Das 100-Meter-Finale in der Nacht auf Montag war das schnellste in der Olympia-Geschichte. Usain Bolt siegte in der neuen olympischen Rekordzeit von 9,63 Sekunden. Und zum ersten Mal liefen, ausgenommen der verletzte Asafa Powell, alle Finalisten unter 10 Sekunden.
Auf seinen eigenen Weltrekord haben Bolt nicht wahrnehmbare fünf Hundertstel gefehlt. Es könnte sein, dass sie noch heute im "Olympic Stadium", am Beginn der Laufbahn, liegen. Bolt ist nur mit der fünftschnellsten Reaktionszeit aus dem Startblock gekommen.
Bolts jamaikanischer Landsmann, der regierende Weltmeister Yohan Blake, lief in 9,75 seine bisher schnellste Zeit. Der 30-jährige Justin Gatlin, bis 2010 wegen Testosteron-Dopings vier (!) Jahre gesperrt gewesen, lief in 9,79 vermeintlich ungedopt schneller, als er gedopt je in seinem Leben gelaufen ist.
Allzeit-Finale
Die "New York Times" hat in einem virtuellen Video Usain Bolt gegen alle Medaillengewinner über 100 Meter seit Athen 1896 gegeneinander laufen lassen. Thomas Burke, der erste Olympia-Sieger, hatte 20 Meter Rückstand auf Bolt und London 2012.
US-Materialwissenschaftler Adrian Bejan setzt auf die Gesetze der Physik und das von ihm entdeckte "Constructal Law". "Jede existierende Anordnung wird ständig durch eine noch bessere ersetzt", sagt Bejan. Usain Bolt selbst traut sich 9,4 Sekunden zu.
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Zahlen & Fakten
Gehaltszettel. Mit einem Jahresein- kommen von 16,5 Millionen Euro liegt Usain Bolt "nur" auf Rang 7 aller Olympia-Athleten. Es wird sich jetzt vervielfachen. Pro Start kann Bolt nun bis zu 300.000 Euro kassieren.
Sound-Check. Während des Finales über 100 Meter wurden im "Olympic Stadium" 103,7 Dezibel gemessen, lauter als ein Flugzeugstart. Formel-1-Autos sind 130 Db laut. Stadion- Rekord: Ein Fuball-Derby in Istanbul im März 2011 mit exakt 131,76 Db.
TV-Quoten. Das 100-Meter-Finale hat der britischen TV-Stadion BBC einen neuen Quoten-Rekord gebracht - 20 Millionen sahen Usain Bolt siegen. Aber auch im ORF war die Quote top: 717.000 sahen die Live-Übertragung.














