Für Weidlinger ging über 10.000 Meter zu früh die Post ab
Der favorisierte Kenenisa Bekele aus Äthiopien gewann über 10.000 Meter. Der Österreicher Günther Weidlinger konnte bei der Tempoverschärfung nicht mithalten und wurde 29.

Foto © GEPAGünther Weidlinger
Der 30-jährige Günther Weidlinger hat am Sonntag im
von den Afrikanern dominierten olympischen 10.000-m-Lauf in Peking
als 27. in 28:14,38 Minuten eine solide Vorstellung abgeliefert.
Planmäßig hatte sich Topfavorit Kenenisa Bekele, der
Athen-Titelgewinner und Weltrekordler, die Goldmedaille geholt, der
Äthiopier setzte sich in 27:01,17 vor seinem Landsmann Sileshi Sihine
(27:02,77) und dem Kenianer Micah Kogo (27:04,11) durch. Atlanta- und
Sydney-Goldmedaillengewinner Haile Gebrselassie wurde Sechster.
Zweites Olympiagold. Bekele war einfach nur "happy", sein zweites Olympiagold gewonnen
zu haben. Dass es weit nicht für einen neuen Weltrekord gereicht hat,
verschmerzte er: "Ich habe mein Bestes versucht, ich konnte nicht
schneller laufen." Mit dem großen Gebreslassie wollte er nicht
verglichen werden. "Da muss ich noch viele Jahre laufen und gewinnen,
damit ich das tun könnte." Seit 1992 waren bei Olympischen Spielen
die Medaillenplätze über 10.000 m stets an afrikanische Läufer
gegangen.
"Solider Lauf". Trotz Übermacht in seinem ersten großen 10.000-m-Rennen gut
geschlagen hat sich Weidlinger. "Es war ein solider, aber nicht
überragend guter Lauf. Die Tempoverschärfung ist ein wenig zu früh
für mich gekommen, da habe ich nicht mitkönnen. Ich bin eher ein
Spätstarter, ich brauche, fünf, sechs, sieben, acht Runden, bis ich
ins Rennen gekommen bin. Und der Zielsprint war irrsinnig schlecht,
da bin ich noch von ein, zwei Leuten überholt worden, das darf
einfach nicht passieren. Es war taktisch ein schlechter Zug, dass ich
250 vor dem Ziel vorgegangen bin, ich hätte warten können auf die
letzten 100", nahm sich der frühere österreichische Hürdenläufer hart
in die Kritik.
Überrundet. Die Überrundung durch das Spitzenfeld passierte genau eine Runde
vor dem Ziel. "Da kannst nix machen, wenn du gute Beine hast, kannst
versuchen, noch einmal mitzugehen, aber die hast meistens nicht. Es
war imposant, mit welchem Tempo die vorbeigezogen sind, da sieht man
erst, um wieviel besser die Afrikaner sind", verbeugte sich der
Europäer verbal vor der Weltklasse." Das Teilnehmerfeld war 39 Läufer
stark, da war es vorhersehbar, dass die Topleute früh das Tempo
anziehen werden. "Am Anfang sind gleich einmal zwei gestürzt. Keiner
wollte sich auf eine Rempelei einlassen", wusste Weidlinger, der in
seiner Karriere oft genug in Stürze verwickelt war.
Dritte Teilnahme. Für den Oberösterreicher Weidlinger war es die dritte Teilnahme im
Zeichen der Fünf Ringe, 2000 in Sydney war er über 3.000 m Hindernis
8. geworden, 2004 in Athen über 5.000 m 20. und 2012 in London will
er im Marathon an den Start gehen. "Es kann sein, dass ich bei der WM
in Berlin nächstes Jahr noch mal die 10.000 m laufe. Mal schauen, wie
der erste Marathon verläuft, dann sehen wir weiter." Den Rennausgang
am Sonntag bei leicht windigen, aber sonst klimatisch perfekten
Bedingungen hatte er fast exakt vorhergesagt, nur hatte Weidlinger
auch Gebrselassie unter den Top Vier erwartet: "Er hat sicher nicht
mehr den Spurt wie früher. Es war aber schön, mit ihm zu laufen."
Features
Foto

Kenenisa Bekele holte GoldFoto © Reuters













