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Zuletzt aktualisiert: 06.08.2008 um 14:49 UhrKommentare

Chinas Sportler unter Siegzwang

Der Heimvorteil soll China die Nummer eins in der Medaillenwertung einbringen. Auf den Sportlern aus dem "Reich der Mitte" lasten großer Druck und viele Medaillenwertungen.

Liu Xiang auf dem Weg zu seinem Olympia-Sieg in Athen

Foto © APLiu Xiang auf dem Weg zu seinem Olympia-Sieg in Athen

Unter dem Erwartungsdruck von 1,3 Milliarden Menschen wird so mancher chinesische Sportler in Peking wohl Nerven zeigen. Noch nie waren die Ansprüche an die Teilnehmer eines Olympia-Gastgebers so hoch. "Wenn du Wimbledon gewinnst, bist du vielleicht in der ganzen Welt bekannt. In China würden sie jedoch sagen: Ja, okay, aber das sind keine Olympischen Spiele. In China zählt nur Olympia-Gold. Ob du Zweite wirst oder Letzte - das spielt keine Rolle", erklärte etwa Tennisspielerin Li Na. Aus diesem Grund hat bei der Nominierung des 639-köpfigen Teams auch die psychische Belastbarkeit eine Rolle gespielt. "Gewinnt Ruhm für unser Land", forderte Staatspräsident Hu Jintao unmissverständlich.

Medaillenwertung. Das Ziel, die USA als erfolgreichste Nation zu übertrumpfen, ist von Funktionären und Politikern offiziell nicht ausgegeben worden. Doch vor vier Jahren in Athen lag China mit 32-mal Gold nur vier Medaillen hinter den Amerikanern. China hat in den vergangenen Jahren jedenfalls alles getan, um die historische Chance zu nutzen und der Welt Macht und Stärke zu demonstrieren. "Sport ist eine Droge, die uns Chinesen noch mehr in Rausch versetzt als andere Völker. Wir haben diesen Rausch zu lange entbehrt", schrieb Sportreporter Wang Xiaoshan in einem Beitrag für die Wochenzeitschrift "Die Zeit".

Hürdensprinter. Am größten ist der Druck für Liu Xiang, der ein Symbol Chinas sei wie der Pandabär. Der Hürdensprinter ist Olympiasieger von 2004 und Weltmeister von 2007, doch das alles zählt nicht mehr viel. "Nun muss er nur noch im eigenen Land siegen. Tut er das nicht, zerstört er womöglich seine Karriere ", lautete die Einschätzung von Wang. Der 25-Jährige ist seit Wochen von der Bildfläche verschwunden und meidet Wettkämpfe Liu soll jährlich Werbeeinnahmen in Höhe von umgerechnet fünf Millionen Euro kassieren. Wenn der Nationalheld wieder Olympiasieger wird, soll er in einem goldenen Auto zum Staatsfernsehen CCTV gefahren werden. "Es wird einiges an Druck geben bei Olympia in Peking, aber ich werde Heimvorteil haben", weiß Liu, was von ihm erwartet wird.

Psychologen. Damit die Favoriten nicht mit zittriger Hand oder weichen Knien antreten, haben die Funktionäre zahlreiche Psychologen bemüht. Die Maßnahmen reichen von Musiktherapie bis Yoga. "Wir haben die Unterstützung unseres Volkes, die fantastisch sein wird. Aber die Erwartungen sind hoch - vielleicht zu hoch für uns", sagte Turn-Trainer Huang Yubin.


Hoffnungsträger

Die großen Hoffnungsträger sind auch der angeschlagene Basketball-Star Yao Ming, die Turner um Mehrkampfweltmeister Yang Wei, die Kanuten, die Wasserspringer sowie die Badminton- und vor allem die Tischtennis-Asse: Seit 1988 gingen 16 der 20 olympischen Goldmedaillen an das Reich der Mitte.

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Daten & Fakten

Die XXX. Olympischen Sommerspiele fanden von 27. Juli bis 12. August in London statt. Über 16 Wettkampftage wurden in 39 Disziplinen in 26 Sportarten 302 Goldmedaillen vergeben. Rund 10.500 Athleten aus 205 Ländern waren dabei.

 


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