Über das Teppichland zu Olympia-Gold
Von Verbands-Vize Martin Schödl wurde Olympiasieger Matthias Steiner einst aus Österreich "vertrieben".

Foto © GEPAMatthias Steiner mit der Goldmedaille und dem Foto seiner verstorbenen Frau Susann
Herr Schödl, wie haben Sie denn das Gewichtheben und den Olympiasieg von Matthias Steiner in Peking mitbekommen?
Martin Schödl: Überhaupt nicht. Ich bin in Griechenland auf Urlaub.
Auch dort gibt es Zeitungen und Fernsehen?
Schödl: Aber Urlaub ist bei mir völlig zeitungs- und fernsehfrei.
Das heißt, Sie haben bis jetzt noch gar nichts von all dem gewusst?
Schödl: Doch, doch. Unser Herr Präsident hat mich angerufen.
Und?
Schödl: Kein Und. Ein Super-Sieg. Matthias Steiner hat zwei Konkurrenten besiegt, die seit Jahren an der Weltspitze stehen. Davon einen Russen, der sich so einen Sieg normalerweise nicht nehmen lässt. Ich freue mich sehr für den Matthias.
Das klingt ehrlich.
Schödl: Ist es ja auch. Ich kenne den Matthias, seit er ein kleiner Bub war. Ich habe mit seinem Vater gemeinsam beim KSV Mödling gewichtgehoben.
Sie sollen derjenige gewesen sein, der Matthias Steiner gesagt hat, er könne künftig auch fürs Teppichland antreten, aber nie mehr für Österreich?
Schödl: Ja, das habe ich.
Was hat Sie denn damals so geärgert?
Schödl: Das war in der ersten Enttäuschung, ich glaube bei der EM 2005. Matthias hatte einen Totalversager. Er scheiterte an einem Anfangsgewicht, das acht Kilo unter seiner heutigen Bestleistung lag.
Alles gut und schön. Aber Österreich hätte heute eine Goldmedaille?
Schödl: Nein, hätte Österreich nicht. Österreich hat zwar einen großen Anteil an der Goldmedaille. Aber in Deutschland hat Matthias Steiner Möglichkeiten vorgefunden, die er bei uns nie gehabt hätte. Sein Weg war ganz offensichtlich der richtige.













