Am Ende des steinigen Weges
Gewichtheber Matthias Steiner will in Peking eine Medaille holen - für seine verstorbene Frau Susann, die er einfach nicht vergessen kann.

Foto © APMatthias Steiner
Vor vier Jahren stemmte er in Athen die Gewichte noch für Österreich in die Höhe. Platz sieben in der 105-kg-Klasse war für Matthias Steiner aber Anfang und Ende der Olympia-Karriere für sein Heimatland Österreich. Differenzen mit dem Verband, Streit um Trainer und um Verträge - der "Herkules aus Wien" sah sich geknebelt: "Das hier ist alles zu hobbymäßig, nicht leistungsorientiert." Dazu scheiterte die Aufnahme ins Bundesheer an seiner Zuckerkrankheit. Das Fass zum Überlaufen brachte die EM in Sofia mit drei Fehlversuchen im Reißen. Der Verband legte Steiner nach langen Diskussion eine Abwanderung nach "Teppichland", so die Worte eines Funktionärs, nahe.
Moderne Liebesgeschichte.
Der Liebe wegen übersiedelte der gelernte Installateur ins deutsche Zwickau. Seine spätere Frau Susann hatte sich via TV verliebt, per Mail Kontakt aufgenommen - eine moderne Liebesgeschichte begann, mit der Hochzeit 2006 als Höhepunkt. Doch der Beziehung war nur wenig Zeit vergönnt. Im Juli 2007 kam die 23-Jährige bei einem Verkehrsunfall ums Leben.
Substanzverlust.
Der Schicksalsschlag raubte Steiner die Motivation, kostete Substanz: acht Kilo verlor der Hüne an Gewicht, dann erinnerte er sich an die Worte seiner Susann. Die hatte ihn vorbehaltlos unterstützt und für das gemeinsame Ziel Peking Geld gespart - um sich die Reise leisten zu können. "Ich kämpfe für Deutschland um eine Medaille. Aber auch für Susann", sagt der 25-Jährige, seit Jänner im Besitz der deutschen Staatsbürgerschaft. Im Frühjahr wurde er Vize-Europameister, hob bei der Siegerehrung ein Foto seiner toten Frau in die Höhe. Steiner lebt nach dem "Wurstigkeits-Prinzip": "Ich habe das Wertvollste im Leben verloren. Was soll jetzt noch passieren?"
Olympia-Traum.
Der steinige Weg des Matthias Steiner soll in Peking sein Ende finden - mit einer Olympia-Medaille. am Dienstag (13 Uhr) steigt er in der Universität für Luft- und Raumfahrt als Weltjahresbester mit einer Zweikampfleistung von 451 kg auf die Bühne. Für Gold würde diese Leistung aber kaum reichen. Das weiß Steiner. "Aber ich bin super drauf, so, wie wir uns das vorgestellt haben." "Wir" - das sind er und Trainer-Freund Frank Mantek. Der beschaffte seinem Schützling ein Fahrrad, um in der Hitze Kräfte zu sparen. Nur: Steiner nutzt es nicht. "Der Junge kommt eben aus Österreich. Ein echter Naturbursche", sagt Mantek. Doch auch er weiß: Gold würde helfen, die Vergangenheit zu bewältigen.













