CAN vs. USA: Das Match gegen sich selbst
Beinahe alle Kanadier spielen bei US-Teams. Was den Eishockey-Gipfel Kanada gegen USA kommende Nacht (1.40 Uhr) nur noch viel brisanter macht. Von 55 Duellen gingen 47 an Kanada.

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Sogar die österreichischen TV-Quoten bei Schi-Klassikern sind lächerlich. 12 Millionen Kanadier, also praktisch die Hälfte des gesamten Landes, saßen beim Spiel gegen die Schweiz vor dem Fernseher. Ein Spiel, das laut Papierform ein Spaziergang hätte werden sollen. Es wurde ein Zittersieg, den nicht nur die 19.000 Fans im "Canada Hockey Place" bejubelten wie den Olympiasieg. Jungstar Sidney Crosby hatte die Nation gerettet und die Wiederholung der Blamage - vor vier Jahren hatte die Schweiz in Turin 2:0 gewonnen - verhindert.
Nur einmal Gold
Und doch: Kanada beginnt zu zweifeln; an der Goldmedaille, an der Erfolg und Misserfolg dieser Spiele hängen. Dabei hat das Mutterland des Eishockeys seit 1952 erst ein einziges Mal Olympia-Gold geholt: Vor acht Jahren in Salt Lake City. Ansonsten geht es den Kanadiern wie den England im Fußball - die Erfinder des Spiels jagen dem Erfolg oft erfolglos hinterher.
Just jetzt wartet die USA am "Super-Sunday" im Eishockey, dem letzten Spieltag der Vorrunde, an dem alle großen Nationen im Einsatz sind - mit einem Ziel: Dem Gruppensieg. Denn nur die Gruppensieger und ein Gruppenzweiter schaffen den direkten Aufstieg ins Viertelfinale, der Rest muss ins Play-off. Rein statistisch gesehen hatte Kanada mit den USA auch kaum jemals Probleme: Von 55 Duellen gingen 47 an Kanada.
Aber durch die National Hockey League (NHL) ist Eishockey auch in den USA populär. Und mit Jerome Iginla spielt gar nur ein einziger des kanadischen Nationalteams in Kanada; der Rest ist bei US-Teams engagiert. "Dass wir jetzt Kontrahenten sind, ist doch das Schöne. Aber nur, weil wir den gleichen Arbeitgeber haben und uns bestens kennen, wird auf beiden Seiten niemand mit weniger Emotionen und Einsatz spielen", sagt etwa US-Kapitän Jamie Langenbrunner, bei New Jersey Teamkollege von Kanadas Tormann-Legende Martin Brodeur.
Beruhigungspillen
Und Langenbrunners Teamkollege Bobby Ryan kündigt Scott Niedermayer, Kapitän der Kanadier und Teamkollege in Annaheim, einen heißen Tanz an: "Wir spielen zwar bei den Ducks zusammen, aber das interessiert am Sonntag keinen. Da heißt es USA gegen Kanada. Und deshalb werde ich ihn in die Bande checken, dass ihm seine alten Knochen wehtun."
In Kanada auf jeden Fall weiß man, dass ein Krimi auf die Fans zukommt. Die Zeitung "Globe and Mail" fordert daher die Fans schon vor der Partie auf: "Deckt euch mit Beruhigungspillen ein!" Und der kanadische Fernsehsender CTV sinniert bereits, ob eine Niederlage nicht auch gute Seiten hätte: "Weil man dann im Play-off Zeit zum Training hat. Die Mannschaft ist dann im Viertelfinale noch eingespielter."













