Lingers sind mit der Geschichte Schlitten gefahren
Wolfgang & Andreas Linger verteidigten im Rodel-Doppelsitzer ihren Olympiasieg. Und Gregor Schlierenzauer jubelte als Fan.

Foto © ReutersGroßer Jubel bei den Linger-Brüdern
Karl Schäfer? Andreas Linger schaut verdutzt und auch sein Bruder Wolfgang weiß mit diesem Namen nichts anzufangen. Dass die beiden gewissermaßen auf den Spuren des meist dekorierten Eiskunstläufers aller Zeiten wandeln, wird ihnen erst später klar. Wie der Wiener Schäfer 1932 und 1936, hat Österreichs Parade-Doppelsitzer im "Whistler Sliding Centre" das Kunststück vollbracht, seinen Olympiasieg erfolgreich zu verteidigen.
Foto-Shooting
Mit einer Souveränität und Perfektion, die selbst eine Rodellegende zum nimmermüden Knipsen mit seiner Digitalkamera verleitet. Wieder und wieder rückt der dreifache Olympiasieger Georg "Schorsch" Hackl die übermächtige und längst ausgelassen jubelnde Konkurrenz in seinen Fokus. Andreas (mit geballter Faust) da, Wolfgang (mit rotweißroter Fahne) dort, Linger/Linger überall.
Die Sekunden davor: Der Schrei, den Vordermann Andreas auf der Zielgeraden loslässt, ist noch nicht verhallt, da fallen sich die Männer in den rotweißroten ÖOC-Anoraks schon in die Arme. Daumendrücker Gregor Schlierenzauer legt einen - wie kann es anders sein - Luftsprung hin und Nina Reithmayer treibt es wie Tags zuvor bei ihrer Silberfahrt die Tränen in die Augen.
"Wahnsinn", sagen die Lingers wenig später und der Stolz blitzt aus ihren Augen. Das Tiroler Brüderpaar wies dank zweier Laufbestzeiten das lettische Brüderpaar Sics/Sics und die Deutschen, Leitner/Resch in die Schranken. Die Tiroler Cousins Tobias und Markus Schiegl kamen im ersten Lauf in der Zielkurve gewaltig in die Bredouille ("Ein dummer Fahrfehler"), wurden letztlich nur Achte und wollten "nach einer Flasche Whisky" einmal schauen, ob es noch eine Rodelzukunft für sie gebe.
Die Gegenwart heißt schließlich Linger/Linger. Andreas (28), der nach Selbsteinschätzung selbstbewusste, ehrgeizige, detailverliebte Tüftler und Wolfgang, sein um 17 Monate jüngere Hintermann, der, wie er meint, etwas Lockerheit und Spaß in die Trainingsarbeit bringt.
Geld ist zweitrangig
Dass sich auch zweifaches Olympia-Gold nur schwerlich in Geld verwandeln lässt, ist den beiden klar: "Wir waren auch nach Turin lange auf Sponsorsuche. Aber wir können gut vom Rodeln leben", sagt Wolfgang. "Geld ist aber nicht das, über was wir uns groß den Kopf zerbrechen. Uns allen wurde in dieser Woche auf so tragische Art und Weise vorgeführt, wie schnell alles vorbei sein kann." Deshalb wollen die Linger-Brüder das Hier und Jetzt genießen. Einfach so. Mit der Goldenen um den Hals.
Features
Die Gewinner
GOLD: ANDREAS und WOLFGANG LINGER (AUT)
SILBER: Andris und Juris Sics (LAT)
BRONZE: Patric Leitner/Alexander Resch (GER)















