Einheit ist nicht Gleichheit
Aufregung im Segellager. Die Tornados der USA und Niederlande übten in Qingdao mit einem eher umstrittenen Segel. Die Österreicher Hagara/Steinacher behalten ruhigen Kopf und freuen sich auf die Eröffnung.

Foto © APRoman Hagara und Hans Peter Steinacher
Die Gegner haben etwas verdutzt geschaut, die olympische Zweirumpfbranche war erstaunt und verwirrt. Mitch Booth, ein für die Niederlande segelnder Australier hat bei den Trainingsfahrten im olympischen Segelrevier mit seinem Vorschoter Pim Nieuwenhuis anstelle des allgemein üblichen Gennakers das flacher geschnittene, Kreuzwind-taugliche Code-Zero-Segel am Tornado hochgezogen und bei leichtem Wind vor Qingdao die gesamte Konkurrenz alt aussehen lassen.
Wunderwaffe. Die Wunderwaffe, die nicht nur die Holländer sondern auch die amerikanischen Olympia-Zweiten Lovell/ Ogletree, aus dem Hut gezaubert haben, sorgte für Aufregung. Freilich auch im Lager der Österreicher Hagara/Steinacher. Weil die Tornado-Klasse ein One-Design-Klasse ist, entspricht die neue Entwicklung laut den Österreichern nicht dem Einheits-Reglement. Es war anfangs sofort von Protest die Rede, auch ein möglicher Startverzicht der Österreicher wurde kolportiert.
Erst vermessen, dann protestieren. "Was ein völliger Unsinn ist", erzählte Mario Schoby, Sprecher von Hagara/Steinacher der Kleinen Zeitung am Telefon aus China. "Wir gehen alle davon aus, dass die beiden Österreicher am 15. August bei der ersten Wettfahrt am Start sein werden." Ein Brief wurde von den anderen Nationen an den Weltsegelverband ISAF geschickt, die Boote genau zu kontrollieren. Am 13. August werden alle genau vermessen. Erst dann kann man protestieren, wenn das Code-Zero-Tuch zugelassen werden sollte. Weil es aber kleiner als der Gennaker ist und die Klassenregel nur eine Flächengrenze
nach oben vorschreibt, sollte es eine Vermessung standhalten.
Lotteriespiel. "Uns geht es bei einem Protest auch gar nicht um die Quadratmeter. Das Code-Zero-Segel verlangt nach völlig andere Halterungen und Ösen, Deshalb kann man nicht mehr von einem einheitlichen One-Design sprechen", so Schoby. Am meisten Aufregung gab es bei den Australiern Bundock/Ashby. Die Weltranglisten-Ersten und Goldfavoriten haben sich ein Code-Zero-Segel organisiert. Warum auch nicht die Österreicher?. "Es ist einfach ein Lotteriespiel. Das Code-Zero-Segel hat wirklich nur bei ganz leichtem Wind einen Vorteil, ab zehn Knoten Gebläse kann der Schuss ordentlich nach hinten los gehen.
Bruder als Betreuer. Und diese Risiko gehen wir gar nicht ein", erklärt Schoby. Hagara/Steinacher bleiben gelassen, behalten ruhigen Kopf. Hans-Peter Steinacher freut sich in erster Linie einmal auf die heutige Eröffnung, wo er als Fahnenträger der österreichischen Mannschaft fungiert. Aber eine Pikanterie am Rande gibt es trotzdem. Die Amerikaner und die Niederländer werden nämlich von keinem Geringeren als Bruder Andreas Hagara betreut, mit dem Roman Hagara zwischen 1986 und 1992 für einen EM- und WM-Titel sorgte.
Features
Fakten
Das Code Zero oder Code 0 ist ein spezielles Segel
Als großes Vorsegel wird es bei Leichtwind bis maximal zehn Knoten verwendet. Der Arbeitsbereich liegt zwischen Am-Wind-Kursen bis Halbwindkursen und ist so kreuztauglich.
Mit einer Rollenanlage ist es einfach zu bedienen.
Als Material wird extrem leichtes Tuch verwendet (z. B. Nylon)













