Strobl-AnalyseSo schätzt der Olympiasieger die Abfahrt ein

Die langersehnte erste Goldmedaille in der Kombination bei Olympia war am Ende ausgleichende Gerechtigkeit. Jetzt gilt das Hauptaugenmerk der Olympischen Abfahrt. Matthias Mayer könnte noch gefährlicher werden.

Fritz Strobl analyisert die Olympia-Abfahrt
Fritz Strobl analyisert die Olympia-Abfahrt © (c) GEPA pictures (GEPA pictures/ Mario Kneisl)
 

Die  Herrenabfahrt am Donnerstag könnte zur Geduldprobe werden. Wir hoffen natürlich alle, dass sie nicht zur Windlotterie wird. Ich bin aber guter Dinge, dass die Verantwortlichen alles dafür tun um eine faire Medaillenentscheidung herbeizuführen und das Rennen nur bei fairen Bedingungen starten. Schließlich haben viele Fahrer in vier Jahren schon nicht mehr die Möglichkeit, das wichtigste Rennen zu bestreiten. Das darf die Athleten im Vorfeld aber sowieso gar nicht interessieren, weil sie darauf keinen Einfluss haben. Auch an der Diskussion, ob Jeongseon eine olympiawürdige Strecke ist, hat sich ein Abfahrer nicht zu beteiligen. Unter dem Motto "Ärgern kann ich mich danach auch noch" heißt es einzig und allein die Gegebenheiten so zu nehmen wie sie sind und am Tag X die beste Leistung abrufen.

1998 – wer kann sich an die Abfahrt nicht erinnern – hatten wir eine ähnliche Situation. Für mich ist sie nicht nur wegen Hermanns Jahrhundert-Abflug präsent, sondern weil ich in Nagano im Abschlusstraining Bestzeit gefahren bin. Daher kann ich sagen: Für einen Favoriten ist das Warten noch unangenehmer. Da willst du sofort  fahren, weil du weißt, dass du in Topform bist. Und in einer Woche kann viel passieren. Die Verhältnisse können sich sowieso schnell ändern, aber auch Fitness und Form. Generell sehe ich die Verschiebung für unser Team zumindest nicht als Nachteil. So haben Hannes Reichelt und Co. noch mehr Zeit, um ihre sieben Sachen beieinander zu haben.

Auch in Salt Lake City 2002 war ich im letzten Training der Schnellste. Ich wollte damals alles so schnell wie möglich hinter mich bringen und habe gebetet "bitte lass ja alles nach Programm laufen". In diesem Fall hat für mich dann tatsächlich alles zusammengepasst. Die Topfavoriten bleiben für mich Beat Feuz, Kjetil Jansrud und vielleicht auch Aksel-Lund Svindal und Christof Innerhofer, die wie Matthias Mayer die Trainings dominiert haben.  Der Slalom-Sturz von Mayer in der Kombination schmerzt natürlich. Ich wäre den Slalom nicht gefahren, schon deshalb, weil man wusste, dass der Slalom sehr schwierig und eisig sein würde. Für die Abfahrt  sehe ich für meinen Kärntner Landsmann aber kein Problem. Oft ist man als Angeschlagener noch gefährlicher. Der Sportler ist mehr auf den Körper konzentriert – mehr als auf das pure Ergebnis. 

Die Voraussetzung für einen Favoritensieg ist, dass es die Bedingungen zulassen. Wenn das nicht der Fall ist, dann kann es natürlich auch einen Überraschungs-Olympiasieger geben.

Zur Person

Fritz Strobl (45) ist Abfahrts-Olympiasieger von 2002 und neunfacher Sieger im Weltcup, darunter zwei Mal Triumphator auf der Kitzbüheler Streif.

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