IOC-Präsident Thomas Bach wird heute in Lausanne die Entscheidung des Executive Board des Internationalen Olympischen Komitees in der Russland-Frage bekanntgeben. Das IOC hat bereits über 25 russische Athleten in fünf Sportarten lebenslange Sperren verhängt. Alles deutet auf eine massive Sanktion Russlands für die Winterspiele 2018 hin.

Ob es wegen nachgewiesenem Staatsdopings zu einem Komplettausschluss Russlands für Pyeongchang (Südkorea) kommen wird, ist fraglich. Schon für die Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro konnte sich das IOC dazu nicht durchringen. Russische Sportler durften unter besonderen Auflagen teilnehmen, die Entscheidung darüber fällten die internationalen Fachverbände. An die 270 Athleten wurden schließlich für "sauber" erklärt.

Zurückweisung

Weitreichende Konsequenzen nach dem Doping-Skandal sind dieses Mal aber zu erwarten. Mitte November entschied die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA), dass die russische Anti-Doping-Agentur (RUSADA) suspendiert bleibt. Den Ausschlag gab fehlendes Eingeständnis dafür, dass ein flächendeckendes Doping-System betrieben worden ist und die Ergebnisse der Kommission von Sonderermittler Richard McLaren nicht öffentlich anerkannt werden. "Wir weisen die Existenz eines staatlichen Doping-Systems entschieden zurück", beharrte Alexander Schukow, der Chef des Nationalen Olympischen Komitees Russlands.

Dieser negative WADA-Beschluss sollte Einfluss auf mögliche Sanktionen des IOC haben. "Das IOC-Exekutivkomitee wird bei der Entscheidung über die Teilnahme von Sportlern aus Russland im Dezember alle Umstände berücksichtigen, einschließlich aller Maßnahmen zur Gewährleistung gleicher Bedingungen bei den Winterspielen 2018", hieß es in einer Erklärung des IOC.

Forderung

"Wir haben uns in der Vergangenheit gemeinsam mit anderen führenden NADOs immer ganz klar für eine deutliche Reaktion des IOC stark gemacht und warten nun sehr gespannt auf die Entscheidung", erklärte Michael Cepic, der Chef der Nationalen Anti Doping Agentur (NADA), auf Anfrage der APA. "Die vom IOC veröffentlichten Urteile gegen zahlreiche involvierte Athleten bestätigen in ihren Begründungen die massiven Vorwürfe gegen Russland." Aus Sicht der Anti-Doping Community könne die Verantwortung aber nicht nur an einzelnen Sportlern festgemacht werden. "Wir fordern seit Bekanntwerden der Enthüllungen einen Ausschluss der russischen Delegation bei gleichzeitiger Zulassung einzelner Sportler als neutrale Athleten unter bestimmten Auflagen", sagte daher Cepic.

Nach Ermittlungen und ausführlichen Begründungen der vom Schweizer Denis Oswald geleiteten Kommission sprach das IOC in den vergangenen Wochen in den Sportarten Bob, Skeleton, Langlauf, Eisschnelllauf und Biathlon lebenslange Sperren aus, darunter waren die Sotschi-Olympiasieger Alexander Subkow (Viererbob und Zweierbob), Langläufer Alexander Legkow und Skeleton-Pilot Alexander Tretjakow. Die Resultate der Sotschi-Spiele 2014 wurden annulliert.

Ermutigende Signale

"Im Sport und bei allen sportlichen Begegnungen muss Fairness oberste Priorität haben. Daher spreche ich mich klar und deutlich dafür aus, dass Sportlerinnen und Sportler, die sich mit verbotenen Substanzen einen Vorteil verschaffen, von sämtlichen Wettkämpfen auszuschließen sind", teilte Österreichs Sportminister Hans Peter Doskozil (SPÖ) mit. Sollten Nationen oder nationale Verbände nachweislich organisiertes Doping betreiben, haben diese bei Sportveranstaltungen nichts verloren. "Sauberen Athletinnen und Athleten darf die Teilnahme an Wettkämpfen nicht verwehrt werden", sagte Doskozil.

Das Österreichische Olympische Komitee wollte im Vorfeld der IOC-Entscheidung keine Stellungnahme abgeben. Alfons Hörmann, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes erklärte indes, er erwarte ein hartes Urteil. "Die lebenslangen Sperren gegen russische Athleten scheinen ein ermutigendes Signal zu sein", sagte am Samstag auf der Mitgliederversammlung des DOSB in Koblenz. "Ich erwarte eine Entscheidung, die konsequent und nicht zum Entsetzen der Öffentlichkeit sein wird."

"Macht, Propaganda und viel Geld"

Roman Schobesberger, der Präsident des österreichischen Bob- und Skeletonverbandes meinte, sollte das IOC entscheiden, Russland von den Winterspielen 2018 auszuschließen, würde man das mittragen. "Auch deshalb, weil in Sotschi russische Bob- und Skeletonsportler betroffen waren." Es handle sich um ein wirtschaftliches und politisches Thema, es gehe um Macht, Propaganda und viel Geld, meinte Hans Spohn, der Präsident des Österreichischen Eisschnelllauf Verbandes: "Das IOC und die internationalen Sportverbände stehen erkennbar unter dem Druck verschiedener Interessensgruppen und werden letzten Endes gut beraten sein, nach ihren eigenen Werten zu handeln."

Die Sanktion für Staatsdoping wäre für ihn der Ausschluss des Staates von zumindest je zwei Sommer- und Winterspielen. "Vom Staatsdoping betroffene nicht gedopte Sportler und Sportlerinnen müssen die Möglichkeit erhalten, an Olympischen Spielen unter olympischer Fahne teilzunehmen." So sie sich den internationalen Anti-Doping-Richtlinien samt Kontrollen unterwerfen.