Die Welt ist doch ein kleines Dorf
Das olympische Dorf: Nirgendwo ist die Stimmung entspannter, nirgendwo die Sicherheitslage angespannter. Wie etwa bei Österreichs Dorf-Nachbar Syrien.

Foto © GEPADas britische Team im olympischen Dorf: Ausgelassene Stimmung
Stratford international: Willkommen im olympischen Dorf. Willkommen in der Scheinwelt. Umgeben von Hochsicherheitszäunen erleben die meisten der 10.500 Sportler hier eine heile Welt. Aber auch die bekommt Risse, wenn die Weltpolitik verrückt spielt. Niemand weiß mehr darüber zu erzählen als Markus Rogans Trainingskollege, der syrische Schwimmer Bayan Jumah: "Er hätte bei der Eröffnungsfeier mit der Fahne vorangehen sollen, aber sie wurde ihm abgenommen, weil er gegen das Regime auftritt", erzählt Rogan. Der lange Arm des verhassten Präsidenten Basher al-Assad geistert wie ein Phantom durch das syrische Olympia-Quartier.
Stellungnahme dazu braucht sich ein Journalist nicht zu erwarten. Maher Khyyata, der syrische Chef de Mission, verbat sich das. Tischtennisspieler Robert Gardos ist sogar froh darüber: "Wo kämen wir hin, wenn man im Dorf politisch denken oder handeln würde?" Klar, die Israelis werden gesondert behandelt, die Angst vor einem iranischen Anschlag ist allgegenwärtig. Und die Vertreter der US-Abordnung, sonst niemals darum verlegen, irgendwo ihr "Star spangled banner" zu affichieren, verzichten diesmal darauf. Man wolle keine Zielscheibe darstellen. Dann allerdings finden sich auch andere Signale: Etwa die Bemühungen der Südkoreaner, bei der Heim-Universiade 2015 gemeinsam mit Nordkorea im Team anzutreten. Die Weichen sollen dieser Tage in London gestellt werden.
Ausschluss
Die sechzehn Monate währende Revolte in Syrien hinterließ ihre Spuren, die anhaltenden Schlagzeilen über Opferzahlen aus Aleppo und Damaskus stellten zuletzt gar die Teilnahme infrage. Selbst Exil-Syrer forderten das, um ein Zeichen zu setzen. In Tagen, wo regelmäßig der Terrorspiele von München (1972) gedacht wird, ein medialer Selbstläufer. Schon vor der Abreise entgingen die Syrer deshalb so mancher Diskussion, indem regimetreue Vertreter aus der Delegation ausgeschlossen wurden.
Markus Rogan wertet die Teilnahme Syriens an den Spielen in London jedenfalls als großen Erfolg: "Der Sinn der Olympischen Spiele besteht in Völkerverständigung. Und dass etwa saudiarabische Frauen starten, ist möglicherweise das schönste Signal der Spiele."















