Die Sommerspiele von 2000 bis 2008
Von Sydney über Athen bis Peking: Die Olympischen Sommerspiele der jüngeren Vergangenheit lieferten sportliche Märchen im Überfluß. Aber auch die Doping-Problematik rückte vermehrt in den Vordergrund.

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SYDNEY 2000: EPO-Tests und Zuschauermassen
Die Fahne der Aborigines weht auf den Wettkampfstätten, die Aborigine Cathy Freeman, Spitzenläuferin über 400 m, entzündet das olympische Feuer. Erstmals finden Tests auf das Hormon-Präparat Erythropoietin (EPO) bei Spielen statt. Der Wettlauf zwischen Sündern und Fahndern wurde in Sydney zur 29. "Sportart" (neun Dopingfälle), die ersten Spiele des 21. Jahrhunderts gehen als die bisher am besten kontrollierten in die Annalen ein. Insgesamt 42 Weltrekorde werden aufgestellt. Zwar fällt keiner in der Leichtathletik, mit 1,5 Millionen Zuschauern erreicht die olympische Kernsportart aber eine neue Rekordzahl.
Stars der Spiele sind Schwimmer Ian Thorpe (3 x Gold, 1 x Silber) und Leichtathletin Marion Jones (3 x Gold, 2 x Bronze), die aber nachträglich als Doping-Betrügerin entlarvt wird und alle Medaillen zurückgeben muss.
Österreich hat großen Grund zum Jubeln. Mit zwei Goldmedaillen durch die Segler Roman Hagara/Hans Peter Steinacher (Tornado) und Christoph Sieber (Surfen/Mistral) sowie Silber durch die Leichtathletin Stephanie Graf (800 m) sind die Spiele zu diesem Zeitpunkt die dritterfolgreichsten für Rot-Weiß-Rot nach Berlin 1936 (4/6/3 - ohne Kunstmedaillen) und St. Louis 1904 (2/1/1).
ATHEN 2004: Doping-Schatten und der überragende Phelps
Schon vor Beginn der Spiele gibt es alles überschattende Aufregung um das griechische Sprinter-Duo Ekaterini Thanou und Konstantinos Kenteris, das möglicherweise einen Motorradunfall nur vortäuscht und deshalb Dopingtests verpasst. Beide dürfen nicht starten. Fünf Goldmedaillengewinnern wird der Titel wegen Dopingvergehen aberkannt.
Entgegen aller Befürchtungen sind alle Wettkampfstätten fristgerecht fertig und erstrahlen in Glanz und Pracht, die Euphorie des Publikums lässt teilweise aber zu wünschen übrig. Das große Duell USA gegen China geht mit 36:32 Gold an die Vereinigten Staaten.
Alles überragender Athlet ist der US-Amerikaner Michael Phelps, der sechs Goldmedaillen und zwei Bronzene erschwimmt. Für Österreich werden es mit zwei Goldmedaillen durch Roman Hagara/Hans Peter Steinacher (Segeln/Tornado), denen die erfolgreiche Titelverteidigung gelingt, und Kate Allen (Triathlon), vier Silbermedaillen durch Claudia Heill (Judo), Andreas Geritzer (Segeln/Laser) und Markus Rogan (Schwimmen/100 und 200 m Rücken) sowie einer Bronzenen durch Christian Planer (Schießen/Dreistellungs-Match) die zweitbesten Olympischen Sommerspiele nach Berlin 1936 (4/6/3 ohne Kunstbewerbe). Heill verstirbt am 31. März 2011 im Alter von nur 29 Jahren.
PEKING 2008: Bolt Star im Vogelnest, Phelps im Wasserwürfel
Die westliche Welt sieht Gigantismus und ein Bild vom Reich der Mitte, das wohl nur im Fernsehen existiert. Modernste Stadien, perfekte Organisation, effiziente Sicherheitschecks und freundliche Menschen - sofern man sich in der abgeschirmten Olympischen Blase befindet. Demonstrationen sind erlaubt, finden aber nicht statt, die Tibet-Problematik ist gefühlt am anderen Ende der Welt angesiedelt. Die Supermacht China feiert Olympia als glorreichen Erfolg, die Medaillenwertung wird mit 100 mal Edelmetall, darunter 51 Mal Gold, vor den USA (110/36), Russland (72/23) und Großbritannien (47/19) gewonnen.
Sprinter Usain Bolt steigt mit drei Goldmedaillen (100 m, 200 m, 4x100-m-Sprint-Staffel) und Fabelrekorden im Vogelnest zu neuen Sphären auf, Michael Phelps realisiert im Wasserwürfel sein Ziel von acht Schwimm-Goldmedaillen, sieben davon mit Weltrekord. Insgesamt 45 Weltrekorde werden in den 28 Sportarten aufgestellt, 4.770 Dopingtests durchgeführt. Während der Spiele werden sechs Dopingfälle bekannt, in Nachkontrollen wird sechs weiteren Sportlern Doping nachgewiesen, u..a. dem italienischen Radprofi Davide Rebellin und dem für Bahrain startenden Leichtathleten Rashid Ramzi.
Drei Medaillen gehen nach Österreich. Ludwig Paischer gewinnt Judo-Silber, Schwimmerin Mirna Jukic und Kanutin Violetta Oblinger-Peters (Wildwasser-Slalom) holen jeweils Bronze. Eine emotionale Geschichte schreibt der für Deutschland startende Gewichtheber Matthias Steiner. Der gebürtige Niederösterreicher triumphiert im Superschwergewicht und hält bei der Siegerehrung ein Foto seiner 2007 bei einem Autounfall tödlich verunglückten Ehefrau hoch. Mittlerweile ist er wieder verheiratet und Vater eines Sohnes.
Features
Österreichische Medaillen in Sydney
- Gold: Roman Hagara/Hans Peter Steinacher (Segeln - Tornado)
- Gold: Christoph Sieber (Segeln - Mistral)
- Silber: Stephanie Graf (Leichtathletik - 800 m)
Österreichische Medaillen in Athen
- Gold: Kate Allen (Triathlon)
- Gold: Roman Hagara/Hans Peter Steinacher (Segeln - Tornado)
- Silber: Claudia Heill (Judo - bis 63 kg)
- Silber: Andreas Geritzer (Segeln - Laser)
- Silber: Markus Rogan (Schwimmen - 100 m Rücken)
- Silber: Markus Rogan (Schwimmen - 200 m Rücken)
- Bronze: Christian Planer (Schießen - Dreistellungs-Match)
Österreichische Medaillen in Peking
- Silber: Ludwig Paischer (Judo - bis 60 kg)
- Bronze: Mirna Jukic (Schwimmen - 100 m Brust)
- Bronze: Violetta Oblinger-Peters (Kanu - Wildwasserslalom)













