Springe zu: Inhalt | Hauptnavigation | Seitenleiste | Fußzeile
20. Mai 2013 01:33 Uhr | Als Startseite
Neu registrieren
Flaschenwerfer muss sich vor Gericht verantworten Sheffield United benennt Tribüne nach Olympiasiegerin Voriger Artikel Aktuelle Artikel: Olympia 2012 Nächster Artikel Flaschenwerfer muss sich vor Gericht verantworten Sheffield United benennt Tribüne nach Olympiasiegerin
Zuletzt aktualisiert: 13.02.2010 um 16:32 UhrKommentare

Schock nach tödlichem Rodel-Unfall

Der georgische Rodler Kumaritaschwili starb nach einem Trainings-Sturz im umstrittenen Eiskanal in Whistler - die gesamte Rodel-Familie ist zutiefst geschockt und stellt Geschwindigkeits-Rausch im Kufensport zur Diskussion.

Foto © Reuters

Die XXI. Olympischen Winterspiele sind wenige Stunden vor ihrer Eröffnung durch den Todesfall eines Athleten überschattet worden: Der 21-jährige Georgier Nodar Kumaritaschwili wurde nach einem Fahrfehler in der letzten Kurve mit mehr als 100 km/h aus der Bahn katapultiert und prallte gegen den ungesicherten Eisenpfeiler der Bahnüberdachung, der sich unmittelbar neben der Strecke befindet. Das Training wurde sofort nach dem Unfall abgebrochen. "Das Unfassbare ist passiert. Jetzt müssen wir alle diese Nachricht erst einmal verarbeiten", sagte ÖRV-Cheftrainer Rene Friedl mit Tränen in den Augen nach der Mannschaftsführersitzung, an deren Ende die Nachricht vom Tod des Georgiers bekanntwurde. Das georgische Team überlegte laut seiner Führung wegen dieser Tragödie einen Rückzug von den Spielen.

Schwer geschockt

Es war paradox: Auf einem TV-Flatscreen im Österreich-Haus begrüßten im Hintergrund zehntausende Kanadier im B.C. Place von Vancouver bei der Eröffnungsfeier der XXI. Olympischen Winterspiele die Sportwelt, im Vordergrund wurde ÖRV-Sportdirektor Markus Prock von Interview zu Interview gereicht. Der tragische und in dieser Form noch nie da gewesene tödliche Rodel-Unfall des lockte auch internationale TV-Sender ins Österreich-Haus, um den zehnfachen Weltcup-Gesamtsieger und sechsfachen Olympia-Teilnehmer zu befragen. Der Schock stand allen anwesenden Rodel-Funktionären ins Gesicht geschrieben. Neben Prock und Friedl auch ÖRV-Generalsekretär Christoph Schwaiger. Am traurigsten blickte aber Angelika Neuner drein. Die für den ORF als Fachkommentatorin angereiste Tirolerin, Olympia-Zweite 1992 und -Dritte 1994, konnte es kaum fassen, was an diesem schwarzen Tag der Olympia-Historie passiert war.

"Es ist eine ganz traurige Geschichte. Ich habe es gesehen, wie sie probiert haben, ihn zu reanimieren. Ich habe Gott sei Dank den Unfall nicht gesehen. Mir ist es sehr nahe gegangen", meinte Neuner. Traurig findet sie auch, in welche Richtung sich der Rodelsport entwickelt hat. "So etwas darf eigentlich nicht mehr passieren". Die Bahn im Whistler Sliding Centre sei zwar toll. "Es ist eigentlich eine schöne Bahn, nur halt leider mit kleinen Tücken". Nahe gegangen ist es freilich auch den ÖRV-Starterinnen Veronika Halder und Nina Reithmayer, die sich dann aber doch auch zwecks Ablenkung zur Teilnahme an der Eröffnungsfeier in Vancouver überreden ließen. "Ich weiß, dass Veronika den Unfall während des Krafttrainings mitverfolgt hat und sicher ziemlich schockiert war, ihr ist es sehr nahe gegangen. Aber die Trainer waren dann gleich da und haben mit ihnen geredet".

"Wirklich am Limit"

Bis Freitagabend Ortszeit war allerdings von einem Verzicht eines ÖRV-Sportlers auf ein Antreten nicht die Rede. Doch auch wenn die "Show weitergehen muss", das Gold des Siegers wird wohl nicht so glänzen wie sonst. "Mir tun die Sportler Leid", meint auch Neuner. "Ich glaube nicht, dass sich der Olympiasieger wirklich so voll freuen kann über den Sieg. Es hat alles einen Beigeschmack und es wird wohl eher die Erinnerung an den tragischen Unfall bleiben". Das "Höher, weiter, stärker (und schneller)" hat eben auch seine Grenzen. "Man sollte vielleicht nicht mehr solche Hochgeschwindigkeitsbahnen hinstellen. Das ist wirklich am Limit. Es war damals schon in Salt Lake City so, als sie gesagt haben, das ist eine Autobahn, das ist zu schnell", erinnert sich Neuner. Danach seien in Cesana und in der Nähe von Moskau wieder so schnelle Eiskanäle gebaut worden.

Besonders tragisch: Nach dem Geschwindigkeits-Weltrekord von Manuel Pfister mit 154 km/h war noch knapp 24 Stunden davor eine Diskussion gestartet worden, künftige Olympiabahnen langsamer zu machen. Der ÖRV-Sportdirektor Markus Prock kann seine Athleten trotz des tragischen Unfalls "mit ruhigem Gewissen runterschicken, aber wir haben es ihnen freigestellt zu starten". Es sei der erste tödliche Unfall im Rodelsport seit den sechziger Jahren gewesen, ein Risiko werde es immer geben. Die Geschwindigkeit sei grundsätzlich aber auch ihm zu viel. "Es wäre genug, wenn man 130 bis 135 kmh fährt", so Prock. Den Todessturz aber nur auf die Geschwindigkeit zu reduzieren, wäre zu einfach, denn auch mit 15 km/h weniger hätte der Unfall mit der Fahrlinie des Georgiers genauso enden können, glaubt der Tiroler.


Kurzporträt

Der tödlich verunglückte Nodar Kumaritaschwili hatte sich zum ersten Mal für Olympische Winterspiele qualifiziert.
Erst zwei Wochen vor seinem tödlichen Unfall am Freitag löste er das Ticket für die Hochgeschwindigkeitsbahn von Whistler. Beim Weltcup-Finale auf der Olympia-Bahn im italienischen Cesana schaffte es der 21-Jährige auf den 28. Platz. In der Weltcup-Gesamtwertung erreichte Kumaritaschwili den 44. Rang.

Seit dem vorolympischen Winter war der junge Georgier aus der Stadt Borjomi meist im Nationen-Cup unterwegs.
Die Saison 2008/09 beendete Kumaritaschwili auf Platz 55. Bei den Winterspielen in Vancouver war er der zweite georgische Starter im Einsitzer neben Levan Gureshidze. Gureshidze war beim sechsten Trainingslauf unmittelbar vor seinem Landsmann gestartet.

Fakten zum olympischen Eiskanal in Whistler

Länge Herrenstrecke: 1.450 m, 16 Kurven
Höhendifferenz: 152 m (Start bei 939 m, niedrigster Punkt bei 787 m)
Geplante Höchstgeschwindigkeit (laut Weltverband): 137 km/h
Erreichte Höchstgeschwindigkeit: 154,00 km/h (Manuel Pfister/AUT im Training am Donnerstag)
Baugeginn 2005, Fertigstellung 2007
Baukosten: 104,9 Millionen kanadische Dollar (ca. 71 Mio. Euro)
Sportarten: Bob, Rodeln, Skeleton (insgesamt acht Entscheidungen)
Zuschauerkapazität: 12.000

Olympia 2012

Logo Olympische Spiele 2012 London

London, 27. Juli - 12. August

Das Olympia-Special

Gewinnspiel

Wir haben Ihr kreativstes Foto einer Warteschlange gesucht! Hier die Einsendungen und Gewinner!



Paralympics & Olympia im Bild

Feier für Pepo Puch in Kobenz 

Feier für Pepo Puch in Kobenz

 


Paralympics- & Olympia-Videos

Empfang für Paralympics-Team

Das erfolgreiche Team des Österreichischen Paralympischen Komitees (ÖPC)...Noch nicht bewertet

 

Daten & Fakten

Die XXX. Olympischen Sommerspiele fanden von 27. Juli bis 12. August in London statt. Über 16 Wettkampftage wurden in 39 Disziplinen in 26 Sportarten 302 Goldmedaillen vergeben. Rund 10.500 Athleten aus 205 Ländern waren dabei.

 


Seitenübersicht

Zum Seitenanfang