Bundespräsident vereidigte Olympia-Team per Handschlag
Olympia ist anders: Bei keiner anderen Sportveranstaltung werden die Aktiven vom Präsidenten der Republik vereidigt. Der sprach allen Athleten im Zeremoniensaal der Hofburg Mut zu.

Foto © AP"Sie werden ihr Bestes geben"
Ein wenig sehen die Damen im violetten Trachtenblazer und die Herren im blauen Trachtensakko aus, als ob sie sich in einer Messe befänden. Die Hände vor dem Körper gefaltet lauschen sie den Worten des Herrn Bundespräsidenten. Heinz Fischer hat in diesem Jahr die Verabschiedung der Olympia-Mannschaft erstmals in den Zeremoniensaal der Hofburg verlegt. "Olympische Spiele", sagt der Herr Bundespräsident, "sind ja nicht irgendetwas." Und er bekennt: "Langsam sind wir ja alle schon ein bissl aufgeregt."
Für Benjamin Raich ist die Verabschiedung schon ein wenig Routine, schließlich ist es bereits seine dritte Olympia-Teilnahme. Er hofft, "dass der Bundespräsident was anderes sagt als das letzte Mal vor vier Jahren", und grinst. Für manch andere ist der Moment aber durchaus etwas Besonderes, denn: Vor welcher Sportveranstaltung wird man schon vom Bundespräsidenten verabschiedet und muss einen Eid ableisten? "Genau genommen könnte man sagen, dass ich bisher in der Kirche bei der Erstkommunion und der Firmung einen Eid geleistet habe - sonst noch nie", sagt Michaela Kirchgasser; und Marlies Schild, gerade zuvor noch auf der Flucht vor dem Ö3-Mikromann, erklärt: "Als Kind vielleicht, wenn man zu den Geschwistern sagt: Ich schwör's. Aber richtige Eide schwören - nein, das gibt's nur vor Olympia."
Schild ist erfahren, hat schon zwei Medaillen von Turin 2006 zu Hause - und ist zudem mit einem Doppel-Olympiasieger liiert. Und doch: Man spürt, dass Olympia eben doch keine
Routine ist. "Sie werden Botschafter und Botschafterinnen unseres Landes sein, sympathische Vertreter der rot-weiß-roten Fahne", erklärte das Staatsoberhaupt, der den Sportlern Mut einimpfte und auch für den Fall, dass es keine Medaille gibt, Trost zusprach: "Das fällt ja nicht vom Himmel, dass man teilnehmen darf. Insofern haben sie bereits Großartiges geleistet." Und Fischer hält fest: "Eine Olympiamedaille ist ja keine Eintagsfliege. Denken Sie nur an die Sieger aus den 60er- und 70er-Jahren, die nach wie vor bekannt sind. Eine Medaille ist ein Erlebnis und ein Erfolg, der sie das ganze Leben lang begleiten wird."
Dann wird er gesprochen der Olympische Eid, vom neuen Präsidenten des Österreichischen Olympischen Komitees, Karl Stoss. Kurz ist die Formel, die er im Namen aller vorliest, ehe jeder Sportler persönlich per Handschlag vom Bundespräsidenten vereidigt wird. Zuvor hatte er noch gemeint: "Wenn ich eines sicher weiß: Sie werden ihr Bestes geben und sich ganz, ganz fest anstrengen." Ein wenig aufgeregt wirken da tatsächlich ein paar - vielleicht, weil manchem bewusst wird, dass er in Kanada tatsächlich nicht nur sich, sondern sein Land vertritt.















