Obama-Faktor - 18 Stunden für den Sieg Chicagos
Barack Obama soll's nun doch richten: Mit einer Blitzvisite will der mächtigste Mann der Welt US-Bewerber Chicago bei der Vergabe der Olympischen Sommerspiele 2016 den entscheidenden Push geben.

Foto © APBarack Obama
IOC-Kreise bestätigten am Montag dänische Medienberichte, wonach der Auftritt des US-Präsidenten vor der 121. Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) am Freitag in Kopenhagen sicher sei.
Chicagos schärfster Rivale ist Rio de Janeiro. Tokio und Madrid gehen dagegen bei der wichtigsten Wahl des Weltsports nur als krasse Außenseiter in den Vierkampf um nationales Prestige und Dollar-Milliarden. IOC-Präsident Jacques Rogge ist sich sicher: "Ganz wenige Stimmen werden den Ausschlag geben."
Flammendes Plädoyer
Das IOC betrachtet die olympischen Auftritte der Staatsprominenz mit Wohlgefallen und schmückt sich gern mit ihr. In Kopenhagen werben das Regentenpaar Juan Carlos und Sofia sowie Regierungschef Luis Rodriguez Zapatero für Madrid. Brasiliens Präsident Luiz Inacio Lula da Silva wird ein flammendes Plädoyer für Rio de Janeiro halten, und der neue japanische Regierungschef Yukio Hatoyama will sich für Tokio stark machen. Die First Lady der USA, Michelle Obama, fliegt schon am Mittwoch nach Kopenhagen. Bereits seit acht Tagen bereitet eine präsidiale Vorhut den Kurz-Besuch ihres Gatten in der dänischen Hauptstadt vor.
Wie dieser wohl aussehen wird, hat die "New York Times" vorgerechnet: Ein Acht-Stunden-Flug in der Nacht zum Freitag von Washington D.C. nach Kopenhagen, 20 Minuten vom dortigen Flughafen zum Bella-Kongresszentrum, um 8.45 Uhr die 70-minütige Präsentation Chicagos vor den (maximal 106) Olympiern - und dann auf dem schnellsten Weg zurück in die US-Hauptstadt. 18 kostbare Präsidenten-Stunden könnten also ausreichen, um seiner Heimatstadt zum Sieg zu verhelfen. Zunächst hatte sich Obama gegenüber Rogge wegen seines Einsatzes für die revolutionäre US-Gesundheitsreform für unabkömmlich erklärt.
Bei der Vielzahl amerikanischer Olympia-Bewerbungen hielt es noch nie ein US-Präsident für angebracht, eine Kandidatenstadt vor der entscheidenden IOC-Vollversammlung zu vertreten. Die Philosophie war selbst bei den erfolgreichen Sommer-Bewerbungen (St. Louis 1904, Los Angeles 1932 und 1984, Atlanta 1996) immer: Sport ist Privatsache, der Staat soll sich auch aus seiner Finanzierung heraushalten. Deshalb hat jede US-Regierung einem Olympia-Kandidaten die vom IOC verlangte finanzielle Absicherung verweigert. Über diese Grenze wollte auch Obama nicht gehen. Jetzt tritt Chicago in Kopenhagen selbst als Garant für die Gesamtausgaben in Höhe von 4,8 Milliarden Dollar (3,27 Mrd. Euro) auf.
Der US-Sport und die Metropole am Michigan See bauen auf den Präsidenten-Einsatz. "Wenn er kommt, wäre das ein großer Gewinn für unsere Kandidatur", sagte Chicagos Bewerbungschef Patrick Ryan. Die finale Präsentation wurde seit Wochen mit und ohne Obama-Auftritt sekundengenau einstudiert. Staatsoberhäupter und Regierungschefs sind bei der Vergabe der Spiele längst unentbehrliche Wahlhelfer geworden. Ohne Premier Tony Blair hätte Außenseiter London das Duell gegen Paris um die Spiele 2012 nicht gewonnen. Unbestritten ist auch, dass beim Kampf um die Winterspiele 2014 Russlands Präsident Wladimir Putin für Sotschi den Unterschied ausgemacht hat.













