Doping bei Olympia: Laufend unter Verdacht
Vor 20 Jahren rannte Olympia durch Ben Johnson in den größten Dopingskandal. Die Leichathletik hat daraus bis heute nichts gelernt.

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Eine Dopingbilanz des Internationalen Leichtathletik-Verbandes (IAAF) für das Jahr 2007 weist 55 positive Fälle aus. Aber, so wird betont, nur zehn positive Fälle habe es bei den 3277 von der IAAF in Eigenregie durchgeführten Dopingkontrollen gegeben.
Alleine sieben Leichtathletinnen aus Russland und drei Geher sind quasi auf dem Weg nach Peking wegen Dopingmissbrauchs suspendiert worden. Vier von ihnen waren beste Chancen auf Goldmedaillen eingeräumt worden. Die Russinnen hatten Dopingproben mittels mit fremdem Urin gefüllten Kondomen manipuliert bzw. sich Fremdurin in die Blase spritzen lassen.
Scheinwelt.
Derart plumpe Methoden aus der Steinzeit des Dopings werden zwar kaum noch praktiziert. "Olympia ist dennoch nur eine scheinsaubere Welt", behauptet der deutsche Molekularbiologe und Doping-Fahnder Werner Franke. "Es wird manipuliert wie immer, nur auf einem höheren Niveau."
Vor 20 Jahren hat der Kanadier Ben Johnson bei den Spielen in Seoul die Sportwelt erschüttert. Er wurde nach seinem Sieg im 100-Meter-Lauf in der Weltrekordzeit von 9,79 Sekunden positiv auf das anabole Steroid Stanozolol getestet. Der gebürtige Jamaikaner musste die Goldmedaille an den US-Amerikaner Carl Lewis abgeben. Nach vierjähriger Sperre und einem Comeback wurde er weitere zwei Mal erwischt und lebenslänglich gesperrt. Zuletzt hat der heute 46-jährige Johnson behauptet, sein Dopingbefund sei ein Sabotageakt aus dem Dunstkreis von Konkurrent Lewis gewesen, beweisen konnte er das nie.
Erbsünde.
Spätestens seit Ben Johnson ist die Leichtathletik generell in Verruf. Vor allem die Sprinter wollten aus der Erbsünde von "Big Ben", wie er genannt wurde, partout nichts lernen. Und so stehen auch bei den Spielen in Peking heute die schnellsten Männer und Sonntag die Frauen bereits am Start zu den 100-Meter-Finali nach wie vor unter Generalverdacht.
Dennis Mitchell und Dwain Chambers, Tim Montgomery, Justin Gatlin und vermutlich sogar der große Carl Lewis - alle gedopt. Justin Gatlin, in Athen 2004 der bislang letzte Olympiasieger, gestand vor zwei Jahren Testosteron-Doping. Seinen Antrag, die ohnehin bereits verkürzte Achtjahressperre zu halbieren, hat der Internationale Sportgerichtshof CAS kategorisch abgelehnt.
Größter Dopingskandal in USA.
Montgomery stolperte nach seinem inzwischen annullierten Weltrekord (2002, 9,78 Sekunden) über den größten Dopingskandal in der Geschichte des US-Sports. Im kalifornischen Balco-Labor "erfanden" Chemiker Designerdrogen. Balco-Chef Victor Conte verteilte sie vor allem in Leichtathletik-Kreisen.














