Millionen flogen übers Vogelnest
Einen Rekord kann Peking schon jetzt verbuchen. Das Eröffnungsspektakel sprengte alle olympischen Rekorde.

Foto © APEin Feuerwerk krönte die Eröffnungszermonie
Seit dem 8. 8. 2008, Schlag 8.08 Uhr Pekinger Ortszeit, ist das Buch Olympia um etliche Kapitel und Superlative reicher. In einer knapp vierstündigen Marathonshow, die runde 66 Millionen Euro kostete, zeigte Peking gleich zum Auftakt, mit welcher Gigantomanie und Perfektion die Macht der Magie und der Bilder zumindest für trügerisch kurze Zeit vergessen lassen können, dass dahinter noch ganz andere Mächte stecken. Mit Harmonie und Wundern haben sie nichts zu tun.
Riesiges Spektakel.
Chinas bekanntester Filmregisseur Zhang Yimou, dessen Werke in seiner Heimat lange Jahre verboten waren, setzte mit 15.000 Komparsen, Artisten, Klaviertuosen wie Lang Lang und kolossalem technischen Aufwand ein riesiges Spektakel in Gang, als gelte es, alles, was Hollywood an monströsem Kino zu bieten hat, in Echtzeit, an Echtheit zu übertreffen. Es war ein Streifzug durch 5000 Jahre chinesischer Geschichte, drei Jahre lang streng geheim geprobt. Tausende Statisten formierten sich in einer an Präzision nicht mehr zu überbietenden Choreografie zur Chinesischen Mauer, verwandelten sich in Schiffe der Seidenstraße, in Terrakotta-Soldaten und Kung-Fu-Kämpfer. Farbenpracht, Friede, Wonne, Wunder, symbolisiert durch eine aus 2000 Darstellern geformte Friedenstaube.
30.000 Raketen.
Dass in China nicht nur der Kompass, sondern auch das Schießpulver erfunden wurde, durfte der neue Olympiasieger unter den Feuerwerkern, Cia Gua-Qiang, unter Beweis stellen. Mehr als 30.000 Raketen ließ er in den nächtlichen Himmel jagen und auch da flogen wieder Millionen übers Vogelnest, wie das Pekinger Olympiastadion niedlich genannt wird. Allein, unterdessen flogen und fliegen auch russische Raketen im Kaukasus, womit sich der mehrfach geäußerte Wunsch nach Frieden in der Welt in Donnerhall verwandelte. Dass laut Olympia-Statut jede kriegsführende Nation sofort ausgeschlossen werden muss, dürfte weder die mehr als 80 Staatsgäste noch die IOC-Herren sonderlich bewegt haben. Bei Großmächten herrschen (siehe USA bei vergangenen Spielen) eigene Nicht-Gesetze.
Einmarsch.
Eine Atempause bei der pompösen Eröffnung bot, wie immer, der Einmarsch der teilnehmenden Nationen. 204 waren es insgesamt. Man durfte neue Länder wie Tuvalu kennen lernen, den einzigen Teilnehmer aus Nauru, einen Gewichtheber, bewundern oder einen sittenlosen Saudi, der im Marsch telefonierte. Als chinesische Soldaten im Stechschritt die olympische Fahne herbei trugen (eine Parade, an der Leni Riefenstahl ihre helle Freude gehabt hätte), verwandelte sich die optische Orgie in realen, militanten Spuk. Auch ein Symbol für die nächsten 16 Tage, für all die Wechselbäder an Emotionen; für Spiele der sportlichen Macht - und Machtspiele.
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Jacques Rogge (IOC-Präsident): "Das war spektakulär. Es war eine unvergessliche und bewegende Eröffnungsfeier, die die Ausdruckskraft, Originalität und Kraft der Spiele von Peking zelebrierte. In den kommenden 16 Tagen werden die Athleten Teil eines der aufregendsten Wettkämpfe der Geschichte sein. Als ein Olympier kann ich ihnen versichern, dass sie sich daran immer erinnern werden."














