Der Kampf gegen die grüne Plage
Niko Resch & Nico Delle-Karth segeln in Qingdao nach wie vor gegen einen riesigen Algenteppich an.

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Vor der Hafenstadt Qingdao, 400 km von Peking entfernt, gehen bei Olympia die Segel-Bewerbe über die Bühne. Die Asse, darunter Österreichs 49er-Crew Niko Resch und Nico Delle-Karth, versuchten sich in den vergangenen Wochen auf das Großereignis vorzubereiten. An vielen Tagen blieb es beim Versuch. Ein riesiger, grüner Algenteppich bedeckt das Wasser vor der Stadt.
6000 Boote. Dabei schickten die Behörden ein ganzes Heer von Helfern aus. "Um uns herum versuchten 6000 Fischerboote mit ihren Netzen die Algen an Bord zu hieven", berichtete Resch. "Die vollen Schiffe wurden dann im Hafen von Kränen entladen, die Algen mit Lkws abtransportiert." Das reichte aber nicht. Am Ufer waren mindestens 100.000 Menschen im Einsatz, die mit ihren Händen die Algen aus dem Meer fischten. Alle umliegenden Hotels wurden angewiesen, Personal abzustellen. "Unser Haus, das Shangri-La, kommandierte 30 der 2500 Angestellten ab," so Resch. Doch auch das brachte nicht wirklich Erfolg.
Nebelsuppe. Um den Teams ein geordnetes Training zu ermöglichen, legten die Chinesen hunderte Kilometer aufblasbare Sperren aus. "Das garantierte uns richtiges Segeln", meldete Resch, der mit seinem Kumpel dennoch einen Tag nicht aufs Wasser durfte. "Als offizieller Grund wurde der dichte Nebel, den es hier bei 30 Grad plus gab, genannt." Gerüchte besagten aber, dass die offiziellen Stellen den Nebel nutzten, um Chemie gegen die Algen ins Wasser zu schütten. Langeweile kam trotzdem keine auf. Dafür sorgten die Dopingjäger. "Binnen zehn Tagen musste ich drei Kontrollen über mich ergehen lassen", berichtete der Vorschoter, dem es im Reich der Mitte trotzdem sehr gut gefiel: "Unser Hotel war ein Traum. Im Wellness-Bereich konnten wir die Alltagssorgen abschütteln, es gab alles, was das Herz begehrte."
Hotelbunker Apropos Herz: Den Kontakt zu Freundin und Familie hielt Niko per Skype, der kostenlosen Internet-Telefonie von Computer zu Computer.
Blieb noch Freizeit, traf sich die Segler-Familie in einer Bar zum Billard-Spielen. Um etwas von den Menschen mit zu bekommen, suchten Resch & Delle-Karth einmal eine Disco auf: "Als Europäer bist du eine echte Attraktion. Die Mädchen tanzen auf dich zu, sehen dich an und verschwinden gleich wieder. Wir dachten schon, wir sind Außerirdische." Während Resch zu einigen Tagen Heimaturlaub und zur offiziellen Verabschiedung nach Österreich flog, blieb Delle-Karth in China. Wo die Segler während der Spiele logieren werden, konnte Resch noch nicht genau sagen.
Features
Olympia-Lexikon
Qingdao: (in deutscher Schreibweise auch Tsingtau) ist eine Hafenstadt am Gelben Meer in der Provinz Shandong der Volksrepublik China.
Einwohner: 2,6 Millionen (Innenstadt), 7,3 Millionen gesamt mit den sieben Stadtbezirken und fünf kreisfreien Städten.
Fläche: 1,102 qm (Innenstadt), 10.654 qm gesamt
GEschichte:
Seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert war Qingdao ein deutscher Kolonial-Handelsstützpunkt und stand von 1897 bis 1914 als Hauptstadt des "Deutschen Schutzgebietes Kiautschou" unter deutscher Herrschaft.
Persönlichkeiten: Der japanische Schauspieler Mifune Toshiro, wurde in Qingdao geboren.
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