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F1 in Spielberg

Mateschitz: "Ich kann Vettels Ärger verstehen"

Lewis Hamilton wird Weltmeister. Ein Mercedes-Motor ist aber keine Option. Sagt Dietrich Mateschitz (70), der Red-Bull-Chef, vor seinem Heim-Grand-Prix in Spielberg. Interview von Gerald Pototschnig.

© APA
 

Sie waren rund um den Europa-Auftakt in Barcelona auf die Formel 1 nicht sehr gut zu sprechen. Hat Sie das letzte Rennen in Kanada und der Sieg von Daniel Ricciardo versöhnlicher gestimmt?
DIETRICH MATESCHITZ: Meine Bedenken hinsichtlich der Entwicklung der Formel 1 haben nichts mit einem Sieg von uns zu tun. Die Rahmenbedingungen, das Reglement und viele andere grundsätzliche Dinge geben nach wie vor Anlass, besorgt zu sein.

In der Entscheidung, Ricciardo verpflichtet zu haben, sehen Sie sich jetzt aber mehr denn je bestätigt?

MATESCHITZ: Sein Einstieg war ohne Frage fulminant. Bis heute keine Spur eines Fehlers, sehr schnell, von seinem Charisma und seiner gewinnenden Persönlichkeit ganz abgesehen.

Dietrich Mateschitz

Geboren: 20. Mai 1944, St. Marein im Mürztal. Gründete 1985 ein Joint Venture mit der Familie Yoovidhya in Thailand, hält 49 Prozent an Red Bull.

Die Marke: Markteinführung in Österreich 1987. Im Geschäftsjahr 2013 verkaufte Red Bull 5,387 Milliarden Dosen. Der Umsatz betrug 5,04 Milliarden Euro (+2,23 Prozent). In 166 Ländern weltweit hat Red Bull 9695 Mitarbeiter (Stand Ende 2013).

Die Formel 1: 2004 kaufte Red Bull den Jaguar-Rennstall (Red Bull Racing, 172 Grands Prix, 48 Siege, 4 WM-Titel), 2006 Minardi (Toro Rosso, 154 Grands Prix, 1 Sieg).

Für Sebastian Vettels dort und da doch recht lautstark geäußerten Unmut haben Sie Verständnis?
DIETRICH MATESCHITZ: : Natürlich habe ich Verständnis dafür. Sebastian hat schließlich bis dato lediglich zwei Rennen ohne technische Defekte oder anderes Pech fahren können.

Vettel hat auch quasi seinen "Arbeitsplatz" ziemlich heftig kritisiert, das Auto als "Gurke" bezeichnet, die Strategie infrage gestellt?
DIETRICH MATESCHITZ: Mit der "Gurke" hat er den Motor beziehungsweise die gesamte Antriebseinheit unseres Autos gemeint. Und das auch durchaus zurecht. Das Auto selbst ist hervorragend, strategisch ist noch kein Fehler passiert. Beides weiß Sebastian auch.

Bis zum bevorstehenden Rennen in Spielberg wollte Red Bull von Renault eine Art Abschlussbericht, wie es um den Motor tatsächlich steht, um sich in der Folge entsprechend orientieren zu können.
DIETRICH MATESCHITZ: Diesen Abschlussbericht wird es auch geben. Und dann wird sich entscheiden, ob es beim bestehenden Motor noch Entwicklungspotenzial gibt oder ob es einer Neuentwicklung bedarf, um den Mercedes-Standard zu erreichen.

Gibt es für Red Bull eine Alternative zu Renault? Würden Sie zum Beispiel jemals bei Mercedes anklopfen?
DIETRICH MATESCHITZ: Alternativen gibt es natürlich immer. Einen Kundenmotor von Mercedes sehe ich für Red Bull aber eher nicht. Denn Mercedes will in den nächsten Jahren selbst Weltmeister werden.

Haben Sie sich eigentlich mit Bernie Ecclestone über Ihre Einwände der "überreglementierten Formel 1" unterhalten? Auch Ecclestone gilt ja durchaus als einer der Kritiker des heurigen Reglements.
DIETRICH MATESCHITZ: Bernie sieht es ähnlich wie ich und er sieht es auch ähnlich wie eine überwältigende Mehrheit der Formel-1-Fans.

Angenommen, Bernie Ecclestone wird beim Prozess in München verurteilt, hätte das eine unmittelbare Auswirkung auf das Formel-1-Engagement von Red Bull?
DIETRICH MATESCHITZ: Das ist eine hypothetische und spekulative Frage, die nicht sinnvoll zu beantworten ist.

Niki Lauda bezeichnet den Österreich-Grand-Prix als "erfrischend anders als alle anderen Rennen". Was hat Red Bull gemacht, um die Formel 1 "anders" zu empfangen?
DIETRICH MATESCHITZ: Nicht wirklich viel. Denn der Österreich-Grand-Prix war immer schon etwas anders. Wie es dann diesmal gewesen sein wird, sehen wir am Sonntagabend.

"Dietrich Mateschitz ist nicht der liebe Gott, er kann nicht alles alleine machen", sagt Helmut Marko (Anm. Motorsportberater von Red Bull) und meint damit, dass die Menschen der Region ihre jetzige Chance erkennen und nützen müssen. Tun sie das?
DIETRICH MATESCHITZ: Ja. Aber fertig sind wir mit allen geplanten Aktivitäten noch lange nicht.

Vor der Fernsehkamera wird man Sie auch bei Ihrem "Heimrennen" nicht sehen?
DIETRICH MATESCHITZ: Das wird unverändert unwahrscheinlich sein.

Wie intensiv verfolgen Sie die Fußball-WM? Ich bin gerade über ein altes Zitat gestolpert, dass Sie sich "eher entmündigen lassen, als jemals in den Fußball einzusteigen" . . .
DIETRICH MATESCHITZ: . . . darum sollte man niemals nie sagen. Die voraussichtlich guten und spannenden Spiele verfolge ich im Fernsehen.

Was macht die Faszination des Fußballs im Jahr 2014 aus?
DIETRICH MATESCHITZ: Internationales Highlight ist natürlich die hoffentlich spannende und faire WM. Für uns war die abgelaufene Saison eine besondere. Wir haben in Österreich gut gespielt und sind mit Leipzig in die 2. Liga aufgestiegen.

Wer wird Weltmeister, bei der Fußball-WM und in der Formel 1?
DIETRICH MATESCHITZ: Wenn Messi zu seiner Hochform aufläuft, dann Argentinien. Und in der Formel 1 Lewis Hamilton.

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