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Zuletzt aktualisiert: 13.10.2012 um 20:49 UhrKommentare

Im Ödland der Formel 1

Korea International Circuit - ein Asphaltband mitten in einem Sumpfgebiet. Aber es wird schon werden, versichert der Gouverneur.

Sebastian vettel rollt an die Box. Auf den Tribünen fehlt etwas die Atmosphäre

Foto © GEPASebastian vettel rollt an die Box. Auf den Tribünen fehlt etwas die Atmosphäre

Es ist und bleibt seit drei Jahren dasselbe: Man könnte wirklich darauf hinweisen, dass so einiges rund um den Korea-GP eine gewisse Ähnlichkeit hat mit dem berühmt-berüchtigten "Und ewig grüßt das Murmeltier". Denn in einer Endlosschleife gefangen, kommt sich der Formel-1-Zirkus hier im Niemandsland der südlichsten koreanischen Provinz schon vor: immer noch keine Zuschauer, immer noch keinerlei Interesse bei den Einheimischen im Umkreis von mehreren 100 Kilometern an diesen komischen Ausländern, die da im Kreis fahren, nur Öd- und Sumpfland rund um den Kurs. Und immer noch gibt es nur die kurzfristig zu Hotels umfunktionierten "Stundenabsteigen" für die meisten im GP-Zirkus. Mit Ausnahme der Fahrer und Teamchefs - die nächtigen ja im etwas feudaleren "Hyundai Hotel" auf einem kleinen Hügel oberhalb der Strecke, zu Preisen von inzwischen 900 Euro pro Nacht. Und ärgern sich trotzdem über das eine oder andere - zum Beispiel über viel zu wenige Nichtraucherzimmer - und alles andere kann in Asien für Nichtraucher halt zum Problem werden: "Völlig verqualmt, erst wenn man drei Tage lang ununterbrochen die Balkontür auf hatte, ist es einigermaßen erträglich", schimpfte unter anderem Bruno Senna - aber er war bei Weitem nicht der Einzige.

Bei so viel Ungemach überall, hilft es auch nicht viel, dass die Strecke an sich ja ziemlich in Ordnung ist und von den Fahrern durchaus geschätzt wird. Da muss dann schon mal der Gouverneur der hiesigen Provinz Jeollanamdo höchstpersönlich durch das gesamte Pressezentrum gehen, bei jedem anwesenden Berichterstatter - und das sind deutlich weniger als bei fast allen anderen Rennen - anhalten, Hände schütteln und im guten asiatischen Stil seine Visitenkarte überreichen, um guten Wind zu machen.

Auf die zugegebener Maßen für asiatische Verhältnisse ja schon recht freche Frage, wann denn nun mit der großen Stadt rund um die Strecke, den Wohnblocks, den Hotels, den Industriegebieten, zu rechnen sei, die seit Jahren versprochen werden, kann Herr Joon Yung Park dann aber auch nur verlegen lächeln: Na ja, 2013 wolle man dann auf jeden Fall mit dem Bau beginnen, aber es sei ja alles so schwierig, mit den Genehmigungen. Und natürlich mit den Finanzen. Denn - wie man den lokalen und nationalen Medien entnehmen kann - die Provinz Jeollanamdo ist so gut wie pleite, müssen gesellschaftlich wichtige Auf- und Ausgaben zurückgestellt werden. Kein Wunder, dass da die Bevölkerung nicht gerade begeistert ist, wenn dann auch noch Jahr für Jahr zweistellige Millionenbeträge in dieses komische Formel-1-Rennen fließen, das sie hier niemals haben wollten. Der Gouverneur ist freilich unverdrossen: "Aber es wird alles werden - und dann werden wir alles haben, und neben der Formel 1 auf dem Land dann auch die Formel 1 auf dem Wasser mit Motorbooten. Auf jeden Fall - genießen Sie Ihren Aufenthalt hier!"

Nur dass das vielen halt ein bisschen schwerfällt. Wie etwa Sebastian Vettels Pressesprecherin Britta Roeske, als sie auf der Bettwäsche ihres Hotelzimmers seltsame gelbliche Flecken findet, wenn die Shuttlebusse von den Hotels zur Strecke in mindestens 50 Prozent der Fälle nicht zu den angegebenen Zeiten fahren und eben auch rund um den Kurs jegliche Atmosphäre fehlt.

Und der lebende Oktopus, der hier in vielen Restaurants als Spezialität angeboten wird, ist nun auch nicht wirklich nach dem Geschmack der Europäer.

KARIN STURM, YEONGAM

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GEPA/Reuters/Fotolia

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