Ein Sieg, der ein neues Gesicht formt
Pastor Maldonado (27) wähnte man dank vieler Erdöl-Millionen in der Formel 1. Dann gewann er in Barcelona. Und auf einmal ist er in Monaco auch ein Geheimtipp.

Foto © APPastor Maldonado
Sir Frank Williams, der seit zweieinhalb Jahrzehnten an den Rollstuhl gefesselte Teamchef, und sein Rennstall gehören zu den Institutionen der Formel 1. Nur in Monaco hat Williams von fast 600 Grand-Prix-Rennen bislang keinen einzigen seiner 114 Siege gefeiert. Ganz zum Unterschied von Pastor Maldonado.
Maldonado hat in der Formel Renault und zwei Mal in der GP2-Serie, dem "Vorzimmer zur Formel 1", in Monaco gewonnen, ist zudem zwei Mal als Zweiter aufs Podium gestiegen. Und bei seinem Monaco-Debüt in der Formel 1 hat er im Vorjahr einen damals eher klapprigen Williams auf Startplatz acht gestellt, ehe er, mit sicheren WM-Punkten vor Augen, von Lewis Hamilton einfach aus dem Weg gerammt wurde.
Auf die Frage, ob er sich als so etwas wie einen Monaco-Spezialisten sehe, hebt Maldonado lachend die Schultern. "Es ist schon etwas ganz Spezielles, hier zu fahren. Die Strecke, der Verkehr, alles ändert sich ständig. Du spielst als Pilot eine viel größere Rolle als anderswo. Und das gefällt mir einfach."
Erdölquelle
Bis vor Kurzem war sich die Formel 1 nicht sicher, ob Pastor Maldonado in einem ihrer Autos etwas zu suchen hat. Eher auf seine Millionen-Mitgift, die er bei Williams abliefert, wurde das zurückgeführt, als auf seine Fahrkünste. Maldonado galt als sogenannter "Pay Driver". Bis er vor zwei Wochen in Barcelona plötzlich auf die Poleposition preschte und tags darauf den Grand Prix gewann. Der erste Sieg für einen Venezolaner, der erste für Williams seit mehr als siebeneinhalb Jahren.
Jetzt reicht die Formel 1 Pastor Maldonado als ihren neuen Star herum. Während sein Erfolg in der Heimat nicht nur Zustimmung findet. Maldonado gilt als Zögling des umstrittenen Präsidenten Hugo Chavez. Angeblich 50 Millionen Euro lässt dieser den staatlichen Erdölkonzern "Petróles de Venezuela" (PDVSA) als Williams-Sponsor jährlich in die Formel 1 pumpen. "Maldonado und die Idioten", schrieb die regierungskritische Zeitung "El Universal" unlängst. Und die Opposition fordert eine genaue Auflistung der Sponsorgelder.
Kein Zufall
Maldonado lässt sich davon aber nicht ablenken. Schon in den freien Trainings ließ er am Donnerstag aufblitzen, dass Barcelona wohl kein Zufall war. Davon, auch in Monaco zu den Favoriten zu gehören, will er aber nichts wissen. "Wir sind gut, aber nicht so gut", sagt Pastor Maldonado.
Features
Zur Person
Pastor Rafael Maldonado
Geboren: 9. März 1985 in Maracay, Venezuela.
Karriere: Ab 1993 Kart-Rennen, ab 2003 Formel Renault in Italien. 2004 erster Formel-1- Test für Minardi. Ab 2007 GP2-Serie (6. Platz 2009 und Meister 2010) sowie Euroseries. Erster Formel-1-Grand-Prix in Australien 2011 für Williams (19. WM-Gesamtrang). In Barcelona 2012 erste Poleposition und erster Grand- Prix-Sieg in der Formel 1.
Ergebnisse
Grand Prix von Monaco
1. Freies Training: 1. Alonso (ESP) Ferrari 1:16,265, 2. Grosjean (FRA) Lotus +0,365, 3. Perez (MEX) Sauber 0,446, 4. Hamilton (GBR) McLaren 0,482, 5. Maldonado (VEN) Williams 0,495 . . . 9. Vettel (GER) Red Bull 0,957, 11. Schumacher (GER) Mercedes 1,148, 13. Webber (AUS) Red Bull 1,841, 14. Vergne (FRA) 1,944, 15. Ricciardo (AUS) beide Toro Rosso 1,987.
2. Freies Training: 1. Button (GBR) McLaren 1:15,746, 2. Grosjean 0,392, 3. Massa (BRA) Ferrari 0,856, 4. Alonso 0,915, 5. Maldonado 1,074 . . . 7. Webber 1,402, 9. Schumacher 1,547, 10. Vettel 1,557, 11. Hamilton 1,629, 17. Vergne 2,776, 18. Ricciardo 3,062.
Samstag: Qualifying (14 bis 15 Uhr, ORF eins, live).
Sonntag: Start 14 Uhr (ORF eins, Sky Sport & RTL, live).












