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Zuletzt aktualisiert: 10.03.2012 um 21:33 UhrKommentare

Es gehe um heiße Luft, sagt Red Bull

Am Sonntag in einer Woche startet die Formel 1 in Melbourne in ihr neues Jahr. Helmut Marko (68), Motorsport- und "heimlicher" Teamchef bei Red Bull, blickt voraus.

Helmut Marko

Foto © APHelmut Marko

Red Bull hat bei den Testfahrten mit Mann und Maus sein Auto abgeschirmt. Was gibt es zu verstecken?

Helmut Marko (lacht): Ich selbst bin sogar einmal vor eine Kamera gelaufen. Es geht um die Auspufföffnung und die damit verbundene Karosserieführung. So etwas kupfert man schnell ab und es ließe sich schnell nachbauen.

Die Konkurrenz vermutet bereits wieder eine Mogelei. Heißt es nicht, dass Auspuffgase definitiv nicht mehr für den Abtrieb (Anpressdruck des Autos, Anm.) genutzt werden dürfen?

Marko: Nein, das heißt es nicht. Es wurde im Reglement lediglich die Position des Auspuffs innerhalb einer Bandbreite von, ich glaube, zehn Zentimetern festgeschrieben. Man hat eben gedacht, dass die Auspuffgase damit nicht mehr nutzbar sind.

Jetzt wird Red Bull schon verdächtigt, bevor die Saison begonnen hat. Alles heiße Luft?

Marko: Das prallt an uns völlig ab. Vermutlich wird man es irgendwann gewohnt.

Die Formel 1 sucht seit jeher nach Grauzonen. Dass Red Bull hier über die Grenzen hinausgerät und das Auto tatsächlich einmal kurz vor dem Start noch zurückgepfiffen wird, diese Sorge haben Sie nicht?

Zitiert

"Wenn es Ecclestone eines Tages nicht mehr gibt, wird die Formel 1 das sicher spüren. Eine Person wie Ecclestone wird man schwer finden. Und die Formel 1 wird auch niemals rein demokratisch zu führen sein."

Marko: Nein, weil es in unserem Fall, wie gesagt, keine Grauzone ist. Wie bewegen uns ganz klar innerhalb aller Normen.

Apropos Normen. Alles stöhnt gerade über aberwitzige Spritpreise. Muss die Formel 1 ein schlechtes Gewissen haben?

Marko: Wenn man die PS eines Formel-1-Autos und dessen Verbrauch in Relation setzt, ist die Effizienz gigantisch. Aber wir fahren ab 2014 mit einem neuen Motor. Mit Hubraum-Beschränkung, Doppel-Turbo, Direkteinspritzung und begrenztem Benzinvolumen. Dadurch wird auch der Verbrauch der Rennautos reduziert. So etwas ist zumindest ein Zeichen.

Die Formel 1 predigt seit zwei, drei Jahren das große Sparen. Zu bemerken ist davon aber nicht wirklich etwas, oder?

Marko: Wir haben es mit einem Abkommen zur Ressourcen-Restriktion versucht, das funktioniert nicht. Die Parameter sind nicht definierbar. Aber wir haben die Testfahrten drastisch reduziert, von 60 auf 15 Tage. Hier wurde enorm gespart. Auch die Simulationsprogramme wurden zurückgefahren. Nur: Die Innovation und die Genialität der Formel 1 dürfen nicht leiden.

Bei den jungen Menschen von heute hat das Automobil nicht mehr Priorität, es kommt erst an achter oder neunter Stelle. Geht dadurch auch die Strahlkraft einer Formel 1 verloren?

Marko: Das ist Aufgabe der Hersteller, ihre Vehikel wieder entsprechend attraktiv zu machen. Und dort, wo die Wirtschaft boomt, in Asien oder in Südamerika, dort sind die Zuwächse der Automobilbranche gigantisch. Der Rennsport leidet auf jeden Fall nicht.

Aber zum Beispiel in einem Land wie Indien, wo Millionen Menschen die banalsten Dinge zum Leben fehlen, einen Grand Prix zu fahren, das wurde sehr wohl auch infrage gestellt?

Marko: Gerade Indien braucht Ereignisse, die Positives aus dem Land hinaustragen. Und wenn man Umfragen machen würde, was der junge Inder anstrebt, so wäre es primär Mobilität.

Für Sentimentalitäten, für klassische Rennstrecken wie Monza, Silverstone oder Hockenheim, ist kein Platz mehr?

Marko: Das würde ich so nicht sagen. Der Rennsport braucht selbstverständlich seine Klassiker. Aber auch diese müssen sich schleunigst neu orientieren und neu vermarkten.

Ist die Formel 1 für einen Konzern wie Red Bull nach wie vor die beste Werbeplattform?

Marko: Ja, die weltweit mit Abstand beste Plattform. Und man darf nicht vergessen, dass die Formel 1 für Red Bull immer billiger wird. Wir sind durch unsere Erfolge an den Einnahmen der Formel 1 höher beteiligt und bekommen auch immer mehr Sponsoren. Dennoch ist das Auto optisch Red Bull geblieben.

Wie schnell könnte es theoretisch passieren, dass ein derartiger Erfolg abreißt? In drei Rennen, in fünf Rennen, in einem Jahr?

Marko(schüttelt den Kopf): Wir haben wieder ein Auto, das vorne fahren kann. Wie weit vorne, ist noch schwer zu sagen, weil bei Tests das wahre Potenzial zumeist verheimlicht wird. Unser großer Vorteil ist ein homogenes, hoch motiviertes Team, das auf Probleme sehr rasch reagieren kann und es jetzt auch versteht, Rückschläge aufzuarbeiten.

Wenn es Bernie Ecclestone heute oder morgen nicht mehr geben sollte, macht sich Red Bull auch darüber seine Gedanken?

Marko: Bernie Ecclestone ist ja nicht der Rechteinhaber der Formel 1, er schmeißt nur den Laden. Das macht er sehr gut. Aber er duldet auch niemanden neben sich. Wenn es ihn eines Tages nicht mehr gibt, wird die Formel 1 das sicher spüren. Eine Person wie Ecclestone wird man schwer finden. Und die Formel 1 wird auch niemals rein demokratisch zu führen sein. Vermutlich wird man die Aufgaben auf mehrere Köpfe aufteilen.

Letzte Frage. Einen jungen Österreicher, der in absehbarer Zeit in einem Formel-1-Auto sitzen wird, sehen Sie nirgendwo?

Marko: Auch die Deutschen hatten 30 Jahre niemanden. Derzeit ist jedenfalls keiner da, der ernst, schnell und fleißig genug wäre.

INTERVIEW: GERALD POTOTSCHNIG, GERHARD NÖHRER

Formel-1-Bilanz

Im Spätherbst 2004 kaufte Red-Bull- Chef Dietrich Mateschitz das Jaguar-Team und "färbte" es in Red Bull Racing um: erstes Rennen im März 2005 in Melbourne. Seither 126 gefahrene Grands Prix, davon 27 gewonnen. 66 Mal auf dem Podium. 1404,5 WM-Punkte wurden eingesammelt. Marken- & Fahrer- Weltmeister-Titel (Sebastian Vettel) 2010 und 2011.

WM-Kalender

2012 sollen zum ersten Mal 20 Grands Prix gefahren werden. Saisonstart ist Sonntag in einer Woche in Melbourne (18. März), das Finale wieder in Sao Paulo (25. November). Neu im Kalender: ein USA-Grand-Prix in Austin, Texas (18. 11.).

Kilometerleistung

Im Formel-1-Jahr 2011 wurden bei Rennen und Tests insgesamt 307.657 km abgespult. Das ist umgerechnet fast die Distanz von der Erde zum Mond. Dabei gab es in Summe 1120 Überholvorgänge. Diverse Strafstopps eingerechnet, waren die Autos 1111 Mal an den Boxen.

Formel-1-Live-Ticker

GEPA/Reuters/Fotolia

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Videos: Motorsport-News

Formel-1-Weltmeister seit 2005

2005: Fernando Alonso (ESP; Renault)
2006: Fernando Alonso (ESP; Renault)
2007: Kimi Räikkönen (FIN; Ferrari)
2008: Lewis Hamilton (GBR; McLaren)
2009: Jenson Button (GBR; Brawn)
2010: Sebastian Vettel (GER; Red Bull)
2011: Sebastian Vettel (GER; Red Bull)
2012: Sebastian Vettel (GER; Red Bull)

 

Formel-1-Rekordweltmeister

Fahrer:

1. Michael Schumacher (GER)
7 WM-Titel (1994,95,2000,01,02,03,04)
2. Juan Manuel Fangio (ARG)
5 WM-Titel (1951,54,55,56,57)
3. Alain Prost (FRA)
4 WM-Titel(1985,86,89,93)

Konstrukteure

1. Ferrari
16 WM-Titel
2. Williams
9 WM-Titel
3. McLaren
8 WM-Titel

 

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