Red Bull beendet Rekordjahr mit Doppelsieg
Zum Abschluss der F1-Saison feierte Red Bull einen Doppelsieg: Der Australier Webber gewann vor dem deutschen Doppel-Weltmeister Vettel und dem Briten Button. Der McLaren-Pilot fixierte damit den zweiten WM-Platz.

Foto © APFreudensprung von Mark Webber
Weltmeister Sebastian Vettel hat das Dutzend an Saisonsiegen in der Formel 1 nicht ganz voll gemacht. Doch mit Rang zwei hinter Mark Webber gab es zum Saisonabschluss in Sao Paulo am Sonntag den dritten Red-Bull-Doppelsieg der Saison nach Türkei und Belgien. Während es für Webber sein einziger Saisonerfolg war und damit 12 der 19 Saisonrennen und nun schon insgesamt 27 in der Formel 1 an die "Bullen" gingen, kürte sich der Brite Jenson Button im McLaren mit Rang drei im Rennen zum Vize-Weltmeister.
"Ich fühle mich wie Ayrton Senna 1991"
Vettel war mit seinem Formel-1-Rekord der 15. Pole Position in die 71 Runden auf dem Autodromo Jose Carlos Pace gegangen, erwischte auch den besten Start. Doch schon nach etwa 14 Runden klagte der 24-Jährige zwei Wochen nach seinem einzigen Saison-Ausfall in Abu Dhabi über Getriebeprobleme an seinem Wagen. "Ich fühle mich wie Ayrton Senna 1991", klagte Vettel per Boxenfunk.
Der 1994 tödlich verunglückte dreifache Weltmeister aus Brasilien hatte damals bei seinem Heimrennen ein vergleichbares Problem. Allerdings gewann Senna und wurde nach der Zieldurchfahrt ohnmächtig. Red Bull hatte Vettel per Boxenfunk immer wieder darauf hingewiesen, beim Schalten aufzupassen. "Wenn ich jede Runde den Schaltmodus ändere, werde ich hinter ihn zurückfallen", wehrte sich Vettel gegen den Verlust der Führung.
Knapp vor Halbzeit des Rennens ging Webber in Runde 30 am jüngsten Doppel-Weltmeister der Geschichte aber doch vorbei. Damit waren die Positionen an der Spitze des Großen Preises von Brasilien bezogen. Webber fuhr mit knapp 17 Sekunden Vorsprung seinem insgesamt siebenten Karriere-Sieg, seinen zweiten in Brasilien nach 2009 bzw. den ersten seit dem in Ungarn am 1. August 2010, entgegen. Vettel jubelte dennoch: "Das wird ein Jahr sein, auf das man immer zurückschaut und stolz sein kann. Alleine hätte ich das nicht geschafft."
Wie schon am Vortag im Qualifying blieb der angekündigte Niederschlag aus, womit den Piloten das auf diesem Kurs gefürchtete Aquaplaning erspart geblieben ist. Vettel kam damit ohne zusätzliche Turbulenzen auf die Rekord-Punktemarke von 392 Zählern, Button folgt mit dem Respektabstand von 122 Punkten. Webber hat als Dritter 258 Zähler auf dem Konto, Alonso 257. Der britische Triple-Saisonsieger Lewis Hamilton im McLaren wurde Fünfter (227), der Abu-Dhabi-Sieger schied diesmal in Runde 47 aus.
Bei Glock war eine Schraube locker
Button verdrängte im Finish des Rennens Ferrari-Star Fernando Alonso auf Rang drei und sicherte somit WM-Endrang zwei ab. Hinter Alonso landete sein Stallkollege Felipe Massa in seinem Heimrennen auf Rang fünf, gefolgt von Adrian Sutil im Force India. Der Deutsche wies auf dem 4,309 Kilometer langen Berg-und-Tal-Kurs bereits eine Runde Rückstand auf Webber auf.
Rekord-Weltmeister Michael Schumacher im zweiten Mercedes landete nur auf Rang 15, nachdem er in der 10. Runde vom Brasilianer Bruno Senna im Lotus-Renault bei einer Berührung den linken Hinterreifen aufgeschlitzt bekommen hatte.
Während der Deutsche dadurch unplanmäßig früh zum Reifenwechsel an die Box musste, kassierte der Lokalmatador für sein Manöver von den Rennkommissaren eine Durchfahrtsstraße. Erstmals fungierte für die Ex-Piloten übrigens der Niederösterreicher Alexander Wurz als FIA-Rennkommissar.
Für den kuriosesten der insgesamt vier Ausfälle sorgte Timo Glock. Vom Marussia-Virgin des Deutschen flog bei der Ausfahrt aus der Boxenstraße ein Hinterrad weg. Die Mechaniker hatten es nicht richtig festgeschraubt.
"Doppelerfolg ist tolles Ende des Jahres"
Weltmeister Sebastian Vettel war nach dem verpassten Sieg nicht verärgert. "Es wäre nicht angemessen, wenn ich mich ärgern würde", sagte der Deutsche nach seinem zweiten Platz beim Großen Preis von Brasilien. "Wir können nach einem fantastischen Jahr stolz auf uns sein. Der Doppelerfolg ist ein tolles Ende des Jahres. Es wäre vermessen, sich hierüber zu sehr aufzuregen. Es wird noch ein bisschen Zeit brauchen, bis wir alle verstehen, was wir in diesem Jahr erreicht haben."
Seinen letztlich aussichtslosen Versuch, die Führung zu verteidigen, schilderte der 24-Jährige recht nüchtern: "Es wurde immer schlimmer und ich musste immer früher hochschalten. Ich würde das nicht Pech nennen, das passiert einfach. Ich habe Mark dann vorbei gelassen, um ihm die besten Chancen auf den Sieg zu geben. Das Wichtigste war, dem Team zu helfen, dass es gewinnt", sagte Vettel nach dem zweiten technischen Defekt zum Saisonschluss in Folge.
Red-Bull-Berater Helmut Marko erklärte, zu niedriger Öldruck im Getriebe von Vettels RB7 sei die Ursache für das Schaltproblem gewesen. "Nach 15 Runden war die Überlegung, ob wir ihn stoppen oder weiterfahren lassen. Aber umso weniger er mit den kleinen Gängen durch die Kurven gefahren ist, umso schneller war er", sagte der Österreicher voller Hochachtung.
Webber freute sich natürlich nichtsdestotrotz über seinen ersten Saison-Erfolg. "Für mich persönlich war das ein sehr wichtiger Sieg", betonte der Australier. "Es wäre mir aber lieber gewesen, das mit Sebastian auf der Strecke auszufechten
Features
Endstand - GP von Brasilien
- 1. Mark Webber (AUS) Red Bull 01:32:17,464
- 2. Sebastian Vettel (GER) Red Bull +16,973
- 3. Jenson Button (GBR) McLaren-Mercedes +27,638
- 4. Fernando Alonso (ESP) Ferrari +35,048
- 5. Felipe Massa (BRA) Ferrari +01:06,733
- 6. Adrian Sutil (GER) Force India +1 Runde
- 7. Nico Rosberg (GER) Mercedes +1 Runde
- 8. Paul di Resta (GBR) Force India +1 Runde
- 9. Kamui Kobayashi (JPN) Sauber +1 Runde
- 10. Witali Petrow (RUS) Renault +1 Runde
- Schnellste Rennrunde: Mark Webber (AUS) Red Bull, 71. Runde, 1:15,324, Durchschnitt: 205,940 km/h)














